Spanien: Miete frisst 94% des Jugendeinkommens, Unabhängigkeit unmöglich

In Spanien beansprucht die Durchschnittsmiete (944 €) 93,9 % des Gehalts junger Arbeitnehmer (1.005 €). Die Quote der Verselbstständigung sinkt auf 16,3 %, weit unter dem EU-Durchschnitt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Miete frisst 94% des Jugendeinkommens, Unabhängigkeit unmöglich
Die Miete verschlingt 94 % des Einkommens junger Menschen in Spanien und macht ein unabhängiges Leben nahezu unmöglich

Ein angestellter Jugendlicher zwischen 16 und 29 Jahren verdient im Durchschnitt 1.005,22 Euro pro Monat. Die durchschnittliche Miete liegt bei 944 Euro. Die Rechnung ist einfach: Wenn er 93,9 % seines Lohns für die Wohnung ausgibt, bleiben nur 61 Euro für Essen, Strom, Wasser und Handy. Die Quote der Verselbstständigung liegt bei 16,3 %, deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 31,9 % und den 26 %, die vor dem Ausbruch der Krise 2008 verzeichnet wurden. Da die Nebenkosten auf monatlich 138 Euro gestiegen sind, erfordert das Alleinleben 1.082 Euro: Es fehlen jeden Monat 76,78 Euro. Dies ist kein Problem der Mentalität, sondern reine Arithmetik.

Warum ist die Miete zur Barriere für junge Menschen geworden?

Der durchschnittliche Mietpreis ist innerhalb eines Jahres von 864 auf 944 Euro gestiegen. Das sind 100 Euro mehr auf einem Lohnzettel, der sich kaum bewegt. Das Ergebnis ist, dass das Ausziehen zum Privileg statt zu einer natürlichen Lebensphase geworden ist. Wenn das Gehalt nicht ausreicht, werden im Diskurs Lösungen wie WG-Leben, das Mieten eines Zimmers für 400 oder 500 Euro oder das Warten auf familiäre Unterstützung genannt. Wohnraum wird vom Recht zum wirtschaftlichen Filter, der jene ausschließt, die keine familiären Rücklagen haben.

Manche behaupten, das Problem liege nicht am Preis, sondern an den Prioritäten: iPhones, Abos und Restaurantbesuche. Dieses Argument hat jedoch einen Konstruktionsfehler: Selbst wenn der durchschnittliche junge Mensch auf alles Überflüssige verzichten würde, könnte er die Miete weiterhin nicht bezahlen. Die Berechnungen sind hartnäckig. Der Vergleich mit der Generation, die während des spanischen Übergangs zur Demokratie ausgezogen ist – als eine Wohnung drei bis vier Bruttogehälter kostete, verglichen mit acht oder mehr heute, laut gängigen Schätzungen –, widerlegt die Theorie der Verschwendung. Junge Menschen leben nicht über ihre Verhältnisse; ihre Verhältnisse reichen nicht zum Leben.

Die Hypothek als Trugbild: günstiger als die Miete

Eine Paradoxie durchzieht die Debatte: Eine Hypothek kann günstiger sein als die Miete derselben Wohnung. Das Problem ist nicht die monatliche Rate, sondern die Anzahlung. 40.000 Euro für die Kaution zusammenzusparen, ist für jemanden, der 1.000 Euro verdient und kaum sparen kann, eine Illusion. Ohne Anzahlung gibt es keine Hypothek, auch wenn die Rate niedriger ist als die Miete. Der Zugang zu Wohnraum ist zu einem Hindernislauf geworden, bei dem der erste Sprung der höchste ist.

Dagegen entstehen zwei Narrative. Das erste sieht die Erbschaft als Lebensplan: Auf den Tod der Eltern warten, um die Wohnung zu erben. Das zweite ist die Emigration: Ingenieure gehen nach Prag oder Hamburg, weil sie in Spanien keine angemessenen Gehälter finden. Ein Luft- und Raumfahrtingenieur berichtet schonungslos: Sein Einstiegsgehalt stieg von 36.000 auf 65.000 Euro. In Madrid, so sagt er, blieben nur Beratungsfirmen und Unternehmen, die gut für den Lebenslauf seien. Der Brain Drain ist keine Meinung, sondern spiegelt sich in den Gehaltsabrechnungen wider.

Immobilien als generationsübergreifende Falle

Wohnraum ist zum wichtigsten Mechanismus des Vermögenstransfers zwischen Generationen geworden. Wer vor vierzig Jahren zu 17 % Zinsen kaufte – als die Inflation zweistellig war und die Kredite leichter zu bedienen waren –, sieht heute, wie sein Vermögen steigt, während seine Kinder nicht einmal mehr mieten können. Dies ist kein Interessenkonflikt, sondern eine strukturelle Asymmetrie. Der junge Mensch, der nichts erbt, kauft nicht. Wer nicht kauft, spart nicht. Wer nicht spart, erbt nichts. Das Rad dreht sich weiter und zerquetscht immer dieselben.

Die Versuchung, jungen Menschen ihre angebliche Leichtfertigkeit anzulasten, ist alt. Ebenso die Tendenz, Migranten die Belegung von Wohnraum vorzuwerfen. Beide vereinfachen ein Problem mit tieferen Wurzeln: ein Arbeitsmarkt mit 1.000-Euro-Gehältern, ein unzureichender Mietwohnungsbestand und eine Wohnungspolitik, die sich jede Legislaturperiode ändert. Unterdessen bleibt die Verselbstständigungsquote ein Foto einer pausierenden Generation. Und diese Pause dauert bereits zu lange.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (104 Antworten).

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