Spanien: Kein Kommunismus, aber staatliche Zwänge

In Spanien gibt es keinen Kommunismus, doch der Staat zwingt Bürger zur Nutzung privater Dienstleister wie Banken und Versicherungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Kein Kommunismus, aber staatliche Zwänge
Spanien hat keinen Kommunismus, aber einen Staat, der an private Banken bindet

Eine kurze Beschwerde löste eine Diskussion aus, die bis heute anhält. Der Ausgangspunkt war einfach: In Spanien kann man nichts ohne Genehmigung tun, und wer darauf hinweist, wird selbst zum Ziel. Der Verdacht, dass ein schleichender Kommunismus bis in die Küche vorgedrungen ist, zerbricht jedoch, sobald man betrachtet, wer hier wirklich das Sagen hat. Das zugrunde liegende Unbehagen ist hingegen real.

Ist Spanien ein kommunistisches Land?

Nein. Es ist eine parlamentarische Monarchie mit Marktwirtschaft, Privatbanken und Energie-Oligopolen. Dies ist das am häufigsten wiederholte Argument in den Antworten: Von Kommunismus in einem Land zu sprechen, in dem keine Kommunisten mehr existieren, verwechselt die Diagnose. Das Kommunistische Manifest von 1848 forderte die Enteignung des Immobilienbesitzes, eine starke pogre Steuer, die Abschaffung des Erbrechts oder die Zentralisierung des Kredits bei einer Staatsbank. Nichts davon ist in Kraft.

Manche differenzieren weiter und behaupten, die als rot bezeichneten Strömungen seien eigentlich Produkte der Frankfurter Schule und nicht der sowjetischen Doktrin. Andere verlieren sich auf dem Weg des kulturellen Marxismus und der Freimaurerei, ohne jeglichen Beweis für diese These. Die nützliche Schlussfolgerung bleibt bestehen: Was den normalen Bürger belastet, kommt nicht daher.

Selbst unter denen, die das Label ablehnen, gibt es Hierarchien. Ein Teil warnt davor, dass der Kommunismus dort, wo er tatsächlich angewandt wurde, schlimmer ausfällt als imagined: Einschränkungen sogar beim Wohnort und nationalistische Auswüchse nach Lehrbuch. Das macht ihn nicht zur Erklärung für die Situation hier. Es zeigt nur, wohin man nicht gehen sollte.

Der Staat, der dich zur Bank zwingt

Hier wechselt die Diskussion die Richtung und wird interessant. Die Beschwerde ist nicht, dass der Staat nicht existiert, sondern dass er existiert, um dich in die Hände Privater zu treiben. Es gibt keine öffentliche Bank, also brauchst du ein Girokonto. Du darfst nicht ohne Versicherung fahren, also musst du eine private abschließen. Der Versuch, ohne Strom oder Wasser zu leben, hat seinen Preis: Ohne Wohnberechtigungsschein darf kein Geschäft eröffnet werden.

Die Kette wiederholt sich bei jeder Versorgung und jeder Police. Das ist keine zentrale Planung. Es ist ein Staat, der als Verkäufer für Oligopole fungiert und dann erklärt, dass die Dinge nun mal so sind. Eine Aufschlüsselung, wie viele dieser Verpflichtungen gesetzlich und wie viele nur unvermeidbar sind, liefert Zahlen, die man genau betrachten sollte.

Gibt es freien Markt in Spanien?

Hier kreuzt sich die wirtschaftliche Diagnose mit der politischen. Ein Teil argumentiert, dass das System nichts Neoliberales habe: Es gebe Interventionen überall, und der Staat entscheide, subventioniere und vergebe Lizenzen. Ein anderer antwortet, dass der Staat dem Kapital zu Füßen liege, dass die Versorgungsunternehmen machen könnten, was sie wollten, und dass der Angestellte, der zahle, die schlechteste Seite abbekomme. Beide Beschreibungen passen in dasselbe Bild.

Die Kontrollen im Zug, die es schon gab

Das historische Gegenargument kommt und ist vernichtend. In den fünfziger Jahren konnte eine Reise nach Barcelona oder Madrid ohne Rechtfertigung des Grundes oder ohne unterschriebenen Arbeitsvertrag damit enden, dass der Reisende zurück in sein Dorf geschickt wurde. Das tat eine Regierung, die keineswegs kommunistisch war. Die zitierte Norm stammt von 1941, nur zwei Jahre nach Kriegsende, und verweist auf einen Text vom September 1939.

Daraus ergibt sich das Argument, das die halbe Diskussion entkräftet: Die Abhängigkeit vom Staat hat Jahrhunderte Tradition und braucht kein rotes Label. Jemanden zu zwingen, in seiner Provinz zu bleiben, oder in einen Krieg einzuziehen, hat Marx nicht erfunden. Einem Verwaltungsproblem einen kommunistischen Stempel aufzusetzen, löst es nicht, es ändert nur den Feind.

Kongo, Venezuela und der Mythos der Arbeitsgesetzgebung

Der härteste Abschnitt beginnt, wenn diskutiert wird, ob weniger Staat mehr Rechte bedeutet. Ein Teil behauptet, wo kein Staat sei, gäbe es keine arbeitsrechtlichen Schutzrechte, und präsentiert dies als Beweis dafür, dass Regulierung schützt. Die Gegenantwort weist darauf hin, dass im Kongo Sklavenarbeit durch Kinder existiert, sodass die Nutzung dieses Landes als Beispiel für restriktive Gesetzgebung nicht haltbar ist.

Der Fall Venezuela öffnet die andere Front. Die dekretierte Kündigungsschutzregel besagt, dass seit dem 1. Januar 2023 der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer nicht entlassen, verschlechtern oder versetzen darf, ohne vorherige gerechtfertigte Ursache, die vom Arbeitsinspektor genehmigt wurde. Strengere Gesetzgebung, ruinierte Wirtschaft: beides gleichzeitig. Weniger Regulierung anderswo, Kinderarbeit. Keine der beiden Ecken löst die Grundfrage.

Ein verschwundener Bericht der Weltbank

Nebenbei taucht der Doing Business-Bericht auf. Die Weltbank stellte ihren Bericht wegen möglicher Unregelmäßigkeiten bei der Erstellung ein, mit Druck zur Verbesserung der Position Chinas. Wer ihn als Maßstab für Wirtschaftsfreiheit nutzte, stand ohne Messinstrument da. Die Daten dienen dem alten Zweck: Auch Indizes werden gekocht.

Wo die Diskussion feststeckt

Nach all dieser Zeit hat niemand den Kreis geschlossen. Es gibt keinen spanischen Kommunismus, den man stürzen könnte, denn er existiert nicht; es gibt auch keine volle Freiheit, die man vorzeigen könnte, denn die Kontrollen bleiben bestehen. Die einzige echte Übereinstimmung ist, dass das Problem nicht das Label des Systems ist, sondern wer es benutzt, um zu entscheiden, was man morgen tun darf. Und genau dort bleibt die Antwort aus.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (199 Antworten).

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