Spanien kann Top-10-Porno-Seiten nicht sperren

Die meistbesuchten Pornoseiten in Spanien haben ihren Sitz im Ausland. Spaniens digitales Altersverifizierungssystem kann sie daher nicht zur Prüfung zwingen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien kann Top-10-Porno-Seiten nicht sperren
Nur prono Websites mit Sitz in Spanien akzeptieren das digitale Altersnachweis-System

Wozu dient ein digitaler Altersnachweis, wenn die Unternehmen, die den Markt dominieren, nicht vor Ort sind, um ihn zu empfangen? Die spanische Regierung stellte am 1. Juli ein System zur Verifizierung des Alters vor dem Zugang zu Erwachsenen-Inhalten vor. Das erste unbequeme Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten: Die zehn meistbesuchten Seiten des Landes sind ausländisch und damit von der Pflicht befreit. Die Maßnahme wird als Schutz gegen den Zugang Minderjähriger verkauft, der laut Regierungsangaben zwischen 9 und 11 Jahren beginnt. Die Barriere hat derzeit jedoch nur die Höhe einer ausländischen Firmensitzes.

Die Daten des Analyseunternehmens SEMRush für Mai zeichnen ein klares Bild. Pornhub verzeichnete in Spanien mehr als 150 Millionen Besuche und hat seinen Sitz in Luxemburg. XVideos kam auf 110 Millionen und operiert aus Tschechien, demselben Land, in dem auch XNXX registriert ist, mit 31 Millionen. Keine dieser Plattformen reagiert auf eine spanische Anordnung. Und keine hat die Absicht gezeigt, dies zu tun.

Welche Prono der Sperre entgehen und warum

Das Kriterium, das zwischen Machbarem und Gewünschtem unterscheidet, ist der Firmensitz. Ein im Ausland ansässiges Unternehmen kann nicht verpflichtet werden, ein Verifizierungssystem anzuwenden, das in seinem Rechtsraum nicht existiert. Der Entwurf betrifft nur Unternehmen mit Sitz in spanischem Hoheitsgebiet. Die Liste der meistbesuchten Seiten – Pornhub, XVideos, XNXX, xhamster, hentaila, onlyfans, amateur, toroporno und vercomicsporno – ist praktisch die Liste derer, die ausgenommen bleiben.

Die Konsequenz ist fast arithmetisch: Wenn nur noch ein paar Namen mit nationaler Struktur übrig bleiben, ist der Anreiz, den Firmensitz nach Irland, Andorra oder in eine andere bequemere Jurisdiktion zu verlegen, offensichtlich. Dies wurde bereits zuvor aus weniger unbequemen Gründen getan. Man braucht keine große Anwaltskanzlei, um zu verstehen, dass die Sperre nur jene trifft, die stillsitzen wollen.

Wie das digitale Altersverifizierungs-System funktioniert

Das System verteilt 30 Zugangsdaten: drei pro Website, wobei jede bis zu zehn Nutzungen erlaubt. Sie können beliebig oft erneuert werden und schränken weder die Anzahl der Besuche noch die Verweildauer ein. Wer volljährig ist, verliert keinen Zugang; er passiert lediglich eine Tür mit einem Pförtner.

Das Design zielt darauf ab, die Volljährigkeit nachzuweisen, ohne der jeweiligen Website den vollständigen Personalausweis (DNI) zu übergeben. Dieser Balanceakt zwischen Privatsphäre und Kontrolle klingt vernünftig, bis man die Kosten für Aufbau und Wartung betrachtet. Dort beginnt die nächste Diskussion.

Die Angst vor der digitalen ID: Vom Prono zum Einstiegstor

Ein Teil der Analyse argumentiert, dass Erwachsenen-Inhalte nur der erste Anwendungsfall seien und dass die Identifikationsinfrastruktur sich später auf andere Bereiche ausweiten werde: Zugang zu Beihilfen, Geldtransaktionen, Kontrolle veröffentlichter Inhalte. Dasselbe System, das heute das Alter überprüft, könnte morgen alles Mögliche überprüfen. Dieses Argument wurde bereits unter dem Deckmantel der Angst verkauft.

Die offizielle Antwort lautet, dass die Überprüfung punktuell sei und sich für Erwachsene nichts ändere. Das überzeugt nicht alle: Manche sehen in jedem digitalen Ausweis für die Internetnutzung den Beginn einer Aufzeichnung dessen, was jeder Einzelne online tut. Sie nennen es „Una manola“ (Anspielung auf Pass/Port).

VPN, Proxies und warum die Sperre in zwei Minuten umgangen wird

Jeder mit etwas technischer Affinität weiß, dass VPNs oder Proxies die Filterung wirkungslos machen. Die Frage ist nicht technisch, sondern eine der kritischen Masse: Die Mehrheit nutzt den Standard-Browser des Smartphones und wird nichts installieren. Es reicht aus, dass diese Mehrheit das Verfahren durchläuft, damit die Maßnahme statistische Wirkung zeigt, aber keine reale.

Es gibt ein weiteres, weniger bekanntes Argument. Erwachsenen-Inhalte machen einen erheblichen Teil des Geschäfts bei Interkonnektionen zwischen Betreibern, Verteilernetzen und CDNs aus: Terabyte an Traffic, die gekauft und verkauft werden, mit Strafzahlungen bei Nichteinhaltung vereinbarter Service-Level-Agreements. Filter dort einzuführen, wo solche Verträge gelten, ist nicht kostenlos.

Wer bezahlt das System und wer verdient daran

Der Aufbau einer staatlichen Identifikationsanwendung kostet öffentliche Gelder. Die berechtigte Frage lautet, wer diese erhält. Die Erinnerung an andere Notfall-Gesundheits-Tools, die hastig entwickelt wurden und kaum genutzt wurden, nährt den Skeptizismus. Ebenso der Verdacht, der in jeder Debatte über Digitalisierung auftaucht, dass Technologieaufträge über Schnellverfahren an nahestehende Beratungsfirmen vergeben werden.

Die Kritik bestreitet nicht, dass das Problem existiert. Sie hinterfragt das Instrument, den Zeitplan und die Rechnung. Mit den beiden einzigen nationalen Websites, die ins Ausland streben, bleibt der digitale Nachweis wie ein Türsteher in einer leeren Straße: Er wird streng bei denen angewandt, die ihn nicht brauchen, und erreicht nie die, die er hätte stoppen sollen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (182 Antworten).

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