Spanien hätte ohne Zuwanderung 11 Millionen weniger Einwohner

Eine kontrafaktische Berechnung zeigt: Ohne Nettozuwanderung seit 1995 hätte Spanien 11,1 Mio. weniger Einwohner, kaum Auswirkung auf Beschäftigung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien hätte ohne Zuwanderung 11 Millionen weniger Einwohner
Spanien hätte ohne Zuwanderung 11 Millionen weniger Einwohner

Wie würde Spanien aussehen, wenn zwischen 1995 und 2026 kein einziger Netto-Migrant eingereist wäre? Diese Frage nach einer kontrafaktischen Geschichtsübung hat eine unbequeme numerische Antwort laut einer im Diskurs kursierenden Berechnung: Das Land hätte heute etwa 11,1 Millionen Einwohner weniger – die Migranten und ihre hier geborenen Kinder –, aber der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter würde sich kaum von 66,3 % auf 64,2 % bewegen. Das bedeutet, dass der enorme Integrationsaufwand über drei Jahrzehnte in Bezug auf die Altersstruktur fast nichts bewirkt hätte.

Die Berechnung geht von der Bevölkerungsstruktur von 1995 aus und nimmt an, dass Fruchtbarkeit und altersspezifische Sterblichkeit auf den beobachteten Werten geblieben wären. Eine Hypothese, die der Autor selbst als diskutabel ansieht: Bei geringerem demografischem Druck wäre Wohnraum günstiger gewesen und die Geburtenrate vielleicht gestiegen. Oder umgekehrt, da bestimmte Migrantengruppen höhere Fruchtbarkeitsraten haben. In jedem Fall liegt die Fehlermarge bei Hunderttausenden, nicht bei Millionen. Das grobe Ergebnis hält stand.



Daten entkräften das Rentenargument

Zuwanderung wurde jahrelang als Lösung für den demografischen Winter verkauft. Die Zahlen sagen etwas anderes. Der Anteil der Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren steigt im Szenario ohne Migration nur von 64,2 % auf 66,3 % mit tatsächlicher Migration. Zwei Prozentpunkte. Zu wenig, um ein Rentensystem zu stützen, das bereits 40 % der öffentlichen Ausgaben verschlingt, und weit entfernt von der Fantasie, dass jeder Neuankömmling ein Nettozahler ist.

Manche gehen weiter und behaupten, der Effekt sei direkt negativ. Wenn die Mehrheit der erhaltenen Zuwanderung gering qualifiziert war und der Wohlfahrtsstaat stark redistributiv ist, wäre der abdiskontierte Barwert dieser Personen für die öffentlichen Kassen negativ. Dies ist keine isolierte Meinung, sondern der Standardrahmen der Fiskalökonomie. Jede Person, die einreist, wenig einzahlt, aber Gesundheitswesen, Bildung und Transferleistungen konsumiert, erzeugt eine Nettokostenlast, die durch Steuern anderer gedeckt wird.

Das klassische Gegenargument – „ohne sie würden die Renten nicht bezahlt“ – scheitert an einem arithmetischen Problem. Um das aktuelle Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern aufrechtzuerhalten, wären jährliche Migrationsströme nötig, die kein europäisches Land je aufrechterhalten konnte. Und Spanien absorbiert diese Arbeitskräfte aufgrund strukturell hoher Arbeitslosigkeit nicht, ohne die Löhne in den weniger qualifizierten Segmenten zu drücken.



Wie viele Spanier spanischer Herkunft gäbe es heute?

Hier gehen die Rechnungen auseinander. Ein Analysestrom im Diskurs vertritt die Ansicht, die Bevölkerung spanischer Herkunft wäre auf 30–32 Millionen eingebrochen, ausgehend von 38 Millionen 1981 und einer Fruchtbarkeitsrate, die bereits unter dem Ersatzniveau (2,1 Kinder pro Frau) lag und 1985 bei etwa 1,5 lag. Die Schlussfolgerung ist, dass das Land, das wir auf der Straße sehen, nicht mit dem übereinstimmt, das die reine Demografie der Einheimischen hervorgebracht hätte.

Eine andere, differenziertere Lesart erinnert daran, dass die in Spanien geborene Bevölkerung derzeit bei rund 38,99 Millionen liegt und der Rückgang der Geburtenrate aufgrund der Trägheit der Altersstruktur nicht zu einem entsprechenden Rückgang führte. Der Unterschied zwischen diesen Zahlen – 30–32 Millionen gegenüber fast 39 – ist kein Detail: Er definiert, ob wir über ein alterndes Land oder ein direkt entleertes Land sprechen.

Die Übung hat eine offensichtliche politische Ableitung. Wenn im Jahr 2050 die Über-60-Jährigen – heute etwa 17 Millionen, fast alle spanischer Herkunft – größtenteils verstorben sind und die Geburtenrate sich nicht erholt, würde Spanien auf rund 22 Millionen Einwohner schrumpfen. Mit dieser Pyramide gibt es weder Renten noch Gesundheitswesen noch Infrastruktur. Das Problem ist nicht, dass sie kommen: Es ist, dass keine geboren werden.



Wohnraum, Löhne und Sättigung: Die Erzählung vom verlorenen Paradies

Die am häufigsten wiederholte These besagt, dass es ohne massive Zuwanderung kein Wohnungsproblem gäbe. Das Argument ist einfach: Weniger Mietnachfrage, normale Preise, Zugang zu Wohnraum für junge Menschen, Familienbildung und damit mehr Geburten. Es ist ein Teufelskreis: Wohnungsmangel bremst die Geburtenrate, und Zuwanderung belastet den Wohnungsmarkt. Befürworter dieser Position weisen darauf hin, dass das „Wohnungsproblem“ eigentlich ein Problem unkontrollierter Migrationsströme und kurzfristiger Politik ist.

Dagegen steht das Argument, dass der kausale Zusammenhang schwächer ist als es scheint. Die Immobilienpreise in Spanien steigen seit vor 1995, und die Hauptfaktoren – Boden, Steuerpolitik, Bürokratie bei Baugenehmigungen – hängen nicht vom Migrationssaldo ab. Zudem hat die Zuwanderung auch Arbeitsnischen besetzt, die Einheimische ablehnten: Bauwesen, Gastronomie, Pflege. Ohne diese Arbeitskräfte hätten sich ganze Branchen zurückgezogen.

Was zweifellos feststeht, ist der Effekt auf öffentliche Dienstleistungen. Gesundheitswesen, Transport und Bildung in Gebieten mit hohem demografischem Druck sind gesättigt. Ob dies auf das absolute Bevölkerungswachstum oder chronische Unterfinanzierung zurückzuführen ist, ist eine andere Diskussion. Aber die zeitliche Übereinstimmung zwischen Migrationsströmen und der wahrgenommenen Verschlechterung der Dienstleistungen ist eine Tatsache, die keine Statistik widerlegt.



Die Abwanderung, die niemand zählt

Es gibt einen Datenpunkt, der oft ausgeklammert wird. Spanien empfängt nicht nur: Es vertreibt auch. In den letzten dreißig Jahren ist eine erhebliche Zahl spanischer Akademiker in die Schweiz, nach Deutschland, Belgien, Österreich oder Großbritannien ausgewandert. Gut ausgebildete Menschen, die in anderen Systemen einzahlen und Wohlstand im Ausland generieren. Die Bilanz ist nicht nur Einreise.

Dieser Abfluss hat eine wirtschaftliche Erklärung: Höhere Gehälter, bessere Arbeitsbedingungen, weniger Prekarität. Wenn der spanische Arbeitsmarkt vergleichbare Chancen bieten würde, wäre ein Teil dieser qualifizierten Abwanderung nicht erfolgt. Und wenn sie nicht erfolgt wäre, hätten die Geburtenraten dieser Kohorten – die am ehesten Kinder bekommen – dazu beigetragen. Dies ist kein geringer Faktor: Die qualifizierte Jugendabwanderung ist eine stille Blutung, die nicht in den Schlagzeilen über Ankünfte auftaucht.

Die Paradoxie besteht darin, dass das Land gering qualifizierte Arbeitskräfte importiert und hoch qualifizierte exportiert. Ein Austausch, der in Bezug auf Humankapital verliert. Und der erklärt, warum die spanische Produktivität trotz Bevölkerungswachstum nicht zulegt.



Der internationale Kontext: Wir sind weder einzigartig noch die schlechtesten

Spanien ist kein Einzelfall. Polen, mit einer viel homogeneren Bevölkerung, wird im Diskurs als Beispiel für ein Land angeführt, das seinen sozialen Zusammenhalt gewahrt hat, während es wirtschaftlich wuchs. Aber Polen hat auch Millionen Einwohner durch Abwanderung verloren und steht vor seinem eigenen demografischen Winter. Das polnische Paradies hat ein Verfallsdatum.

Am anderen Ende zeigen die Golfstaaten, dass man Geburtenraten nicht kaufen kann. Die Vereinigten Arabischen Emirate sahen die Fruchtbarkeit innerhalb eines Jahrzehnts von 3,7 auf 2,9 Kinder pro Frau sinken, obwohl kostenlose Wohnungen, öffentliche Jobs und bezahlter Urlaub angeboten wurden. Jemen, ein elendes Land im Krieg, hat 4,33 Kinder pro Frau. Die Lehre ist unbequem: Pronatalistische Politiken funktionieren schlecht, wenn die Gesellschaft ihre Präferenzen geändert hat.

Der spanische Fall hat eine zusätzliche Ebene. Der Rückgang der Geburtenrate seit 1975 ist nicht nur ein ökonomisches Phänomen: Er ist kulturell. Die Eingliederung der Frauen in den Arbeitsmarkt, die Prekarität der Jugend, die verspätete Selbstständigkeit und der Wertewandel haben die gewünschte Kinderzahl reduziert. Keine Migrationspolitik behebt das. Und keine pronatalistische Politik hat dies in einem entwickelten Land geschafft.



Die Schlussfolgerung der Übung ist für alle unbequem. Für jene, die in der Zuwanderung die Lösung des demografischen Winters sehen, weil die Zahlen sagen, dass sie es nicht ist. Für jene, die glauben, Spanien wäre ohne Zuwanderung ein Paradies, weil das Land 11 Millionen Einwohner weniger hätte und eine ebenso alte Altersstruktur. Und für jene, die behaupten, das Problem sei rein organisatorisch, weil die Evidenz auf etwas Tieferes hinweist: Eine Gesellschaft, die aufgehört hat, sich zu reproduzieren, und sich entschieden hat, Bevölkerung zu importieren, statt die Ursachen ihrer eigenen Unfruchtbarkeit zu lösen. Die vollständige Berechnung mit allen Hypothesen und Sensitivitäten liegt auf dem Tisch. Noch hat niemand eine Alternative vorgelegt, die aufgeht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (239 Antworten).

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