Spanien hat keinen Krugerrand, und niemand kann erklären, warum
Spanien verkauft Gold zum reinen Barrenwert und kauft ausländische Anlagemünzen mit Aufschlag. Das ist die Anomalie, die sich durch eine fast elf Jahre andauernde Diskussion zieht: Warum gibt die Fábrica Nacional de Moneda y Timbre (FNMT, die spanische Münzprägeanstalt) keine Gold- oder Silberunze zu vernünftigen Bedingungen heraus – ein Produkt mit erschwinglicher Prämie über dem Metallwert, zeitlosem Design und hohen Auflagen, nach dem Vorbild des südafrikanischen Krugerrand, des American Gold Eagle, der Wiener Philharmoniker oder des britischen Sovereign. Der ursprüngliche Vorschlag ist einfach: Wenn Spanier, die in Metalle investieren wollen, dies in einer nationalen Münze tun könnten, bliebe der Gewinn im Land und das Nationalsymbol würde gestärkt. Fast ein Jahrzehnt später hat die FNMT sie immer noch nicht herausgebracht.
Was eine Bullionmünze ist und warum die Prämie zählt
Eine Bullionmünze ist ein Stück Edelmetall, dessen Preis eng am internationalen Kurs (dem Spot-Preis) liegt, mit einer geringen Herstellungs- und Vertriebsmarge. Sie ist nicht numismatisch: Man kauft sie nicht wegen der Seltenheit, sondern wegen der Unzen. Der Anleger zahlt das Metall plus einen Prozentsatz. Dieser Prozentsatz, die Prämie, unterscheidet eine Anlagemünze von einer Sammel-Gedenkmünze.
Das zentrale Argument im spanischen Fall ist, dass die FNMT das Gegenteil tut. Ihre Gedenkausgaben werden mit Aufschlägen verkauft, die laut den genannten Beispielen den inneren Wert des Metalls verdoppeln oder verdreifachen können. Ein 27-Gramm-Stück aus Silber mit 925er Feinheit und einem Nennwert von 10 Euro wurde für 45 Euro plus Mehrwertsteuer angeboten; ein Goldstück von 6,75 Gramm mit 100 Euro Nennwert für 375 Euro. Der Käufer zahlt für Design, Etui und Zertifikat, nicht für Unzen.
Die praktische Folge: Ein solches Produkt funktioniert nicht als Anlage. Wenn der Sammler verkaufen will, bietet ihm der Markt das Metall, nicht den Aufschlag. Übrig gebliebener Bestand landet zum Metallpreis ohne Etui und Zertifikat bei Großhändlern und von dort auf Second-Hand-Ständen. Gold dagegen kommt glimpflich davon: Es bewegt sich nahe am Spot-Preis.
Das Gegenargument: Es ist nicht die Aufgabe der FNMT
Der stärkste Einwand lautet, dass Bullionmünzen vor allem von Ländern ausgegeben werden, die Edelmetalle fördern – und Spanien gehört nicht dazu. Die Ausgabe einer Anlagemünze erfordert hohe Investitionen, enorme Auflagen und Jahre der Präsenz, bis der internationale Markt sie akzeptiert. Es ist nicht vernünftig zu erwarten, dass ein Land, das vor einem Jahrhundert aufgehört hat, Gewichtsmünzen zu prägen, jetzt damit anfängt.
Dieses Argument hat ein offensichtliches Loch: Auch Österreich und Großbritannien sind keine Bergbaunationen und verkaufen Bullionmünzen erfolgreich. Die Wiener Philharmoniker ist kaum ein Vierteljahrhundert am Markt; die armenischen Archen Noahs oder die somalischen Elefanten werden in privaten deutschen Prägestätten mit dem Hoheitszeichen anderer Staaten geprägt. Was den Käufer bewegt, ist nicht die Mine: Es sind das Design, die Sicherheit der Feinheit und die leichte Wiederverkaufbarkeit.
Design als Problem und als Ausrede
Die Kritik am Design kehrt immer wieder und ist nicht gering zu schätzen. Die spanische Gedenkproduktion wird als eine Ansammlung von Figuren und horizontalen Inschriften beschrieben, die die Symmetrie zerstört – im Gegensatz zur klaren Gestaltung der ausländischen Stücke. Die Ironie über den „Künstler", der Briefmarken und Münzen entwirft, taucht mehrfach auf, und man erinnert daran, dass in einer Briefmarkenserie zu Bürgerwerten die Marke für Kreativität ein leeres Blatt war.
Es gibt einen konkreten Vorschlag, der das Problem vermeidet: nichts erfinden. Die historische Bildseite der Hispania, das Wappen oder das Porträt des Königs wiederverwenden und als Rückseite ein zeitloses Motiv. Erwähnt werden die Columnarios, „die erste globale Münze", von der sich das Dollarzeichen ableitet, und das Bison von Altamira. Die Idee: Das Design existiert bereits und wäre schwer zu verderben.
Der Hinweis auf die Ecu und das Silber zu 2.000 Peseten
Spanien hat bereits etwas Ähnliches ausgegeben. Zwischen 1989 und 1998 wurden Ecu in Silber und Gold geprägt, mit einer Feinunze Metall und 900er Feinheit. Die Produktion wurde eingestellt, und niemand gibt eine klare Erklärung dafür. Es ist das unbequemste Präzedenzfall für alle, die behaupten, das Produkt passe nicht in die spanische Tradition.
Es gab auch eine ganze Schar von Käufern der Silbermünzen zu 2.000 Peseten. Die immer wieder geäußerte Beobachtung: Diese Käufergeneration ist nie wiedergekommen. Wenn das Gedenkmünzgeschäft so profitabel wäre, ist unverständlich, dass der Stammkäufer verschwunden ist. Und wenn nicht, ist unverständlich, dass es weiterläuft.
Wer entscheidet, und warum sich nichts ändert
Die im Umlauf befindliche institutionelle Erklärung ist die Politisierung der Anstalt und das Fehlen politischer Führung für ein Produkt, das ein Nationalsymbol schaffen würde. Die FNMT ist ein öffentlich-rechtliches Wirtschaftsunternehmen mit eigenem Vermögen und eigener Kasse, und ihr erklärtes Ziel ist es nicht, Bürger zum Aufbau von Metallbeständen nahe am Marktpreis zu ermutigen, sondern die Gewinne zu steigern. Mit diesem Anreiz ist der hohe Aufschlag rational.
Es gibt einen Verdacht, der Verdacht bleibt: Dass die Intransparenz bei Auflagen und Zahlen verhindert zu wissen, ob das Modell funktioniert. Man erinnert daran, dass die FNMT vor Gericht zog, um keine Daten zu einer Ausgabe herauszugeben. Ohne öffentliche Zahlen bewegt sich die Diskussion über die Rentabilität im Bereich der Intuition.
Was wäre, wenn eine herausgegeben würde
Die optimistische Rechnung sagt: Eine spanische Bullionmünze würde sich verkaufen – an nationale Anleger, an Touristen als Andenken mit innerem Wert und an ausländische Käufer, die bereits Unzen anderer Länder sammeln. Vertrieben würde sie über numismatische Geschäfte und Filialen der Banco de España, womit Versandkosten entfielen. Das pessimistische Szenario: Angesichts der bisherigen Bilanz bei Design und Preisen würde der Markt sie nicht ernst nehmen.
Der Vorschlag einer Bürgerpetition blieb ein Versuch. Die Kontaktadresse der FNMT wurde gesucht, eine Antwort fand sich nicht. Fast elf Jahre nach dem ursprünglichen Vorschlag bleibt die Frage offen: Wenn das Metall so viel wert ist, wie es wert ist, und das Prägen nicht teuer ist, dann zahlt jemand die Differenz. Es fehlt nur noch die Antwort, wem.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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