Spanien braucht Fachkräfte, die es nicht ausbildet und schlecht bezahlt
Arbeitsplätze gibt es genug. Es fehlt jedoch Personal, das bereit ist, 1.300 € netto monatlich zu akzeptieren – für Aufgaben wie Elektronik, Hydraulik, Schweißen, Diagnose und Karosseriearbeit in einer Werkstatt – oder 2.200 € netto für wochenlange Fahrten durch Europa mit einem Sattelschlepper. Auf diesem Widerspruch – dass Arbeit vorhanden ist, aber nie die gesuchte – basiert eine Erzählung, die den Zahlen von 2023 widerspricht: Die Beschäftigungsquote liegt unter 51 %, die Jugendarbeitslosigkeit bei 29,5 % – dem höchsten Wert in der gesamten Europäischen Union – und mehr als 57 % der Arbeitslosen sind über 45 Jahre alt.
Die fehlenden Berufe und ihre Bezahlung
Mechaniker, Elektriker, Tischler, Klempner. Die Liste der angeblich unbesetzten Berufe ist lang und wiederholt sich. Das Problem, sagen Experten, die dies untersucht haben, ist, dass der Markt viel verlangt und wenig zahlt. Eine Werkstatt stellt niemanden ohne Erfahrung ein; wenn doch, bietet sie einen Ausbildungsvertrag mit 600 € pro Monat für 40 Wochenstunden. Und wer bereits in der Branche tätig ist, fasst die Paradoxie zusammen: Man muss Mechanik, Elektronik, Hydraulik, Schweißen, Diagnose und Karosserie beherrschen... um so viel zu verdienen wie ein Regalauffüller.
Gleichzeitig bildet niemand aus. Die Berufsausbildung dauert zwei Jahre – mit dem Kostenfaktor des Verdienstausfalls in dieser Zeit – und beim Abschluss stößt man auf die verschlossene Tür der erforderlichen Berufserfahrung. Arbeit ist da. Was fehlt, ist jemand, der sie wie einen echten Beruf bezahlt.
LKW-Fahrer: 2.500 € im Inlandsverkehr, 2.200 € im internationalen Verkehr
Dies ist der einzige Beruf, den der Jobsuchende in dieser Geschichte schließlich findet. Kellner, Koch, VTC-Fahrer (Vermietung von Fahrzeugen mit Fahrer), Lieferant, Paketbote, Callcenter-Agent, Verkäufer, Reinigungskraft... Monate voller Wartelisten und abgewiesener Bewerbungen. Die Arbeit erscheint hinter dem Steuer: internationale Route mit einem Kollegen, ein Tag in Frankreich, am nächsten Holland, dann Deutschland. 2.200 € netto. Und ein Satz, der alles sagt: „Wenn ich nach Spanien zurückkomme, bekomme ich Depressionen.“
Ein anderer Fahrer, der im Inlandsverkehr arbeitet, verdient 2.500 € netto und verteidigt diesen Lohn: Er liege über dem Durchschnitt für einen ungelernten Beruf. Was er nicht bestreitet, ist, dass die langen Stunden ihn schlecht bezahlt machen. Seine Regel lautet anders: Tachograph unverändert, Pflichtkarte, Feiertage im Voraus vergütet. Und seiner Erklärung zufolge wird der Tachograph nicht manipuliert: Der Tacho des Autos zeigt weniger an, als er tatsächlich fährt, weshalb die LKWs scheinbar mit 96 km/h fahren, obwohl sie nur 90 km/h schnell sind.
Phantom-Angebote auf Jobportalen
Laut einem der Beteiligten ist das Problem nicht, dass Anzeigen fehlen: Es geht darum, welche Art von Anzeigen. Die großen Portale sind voll von falschen Angeboten oder Verfahren, die nie abgeschlossen werden, weil ihr Geschäftsmodell darin besteht, Recruiting-Dienstleistungen zu verkaufen. Für spezifische Profile bleibt der reale Kanal der älteste: sich persönlich vorzustellen oder dort vorbeizuschauen, wo Warenbewegungen stattfinden. Die angekündigte Knappheit stimmt nicht immer mit den veröffentlichten Stellenangeboten überein.
Die vom System aussortierten Arbeitslosen
Mehr als 57 % der Arbeitslosen sind über 45 Jahre alt: der höchste jemals verzeichnete Prozentsatz. In einem Markt, der beharrt, dass Arbeitskräfte fehlen, deuten die Daten auf das Gegenteil hin. Es gibt Arbeitnehmer. Viele. Aber man zählt nicht mit ihnen. Die Erzählung vom mangelnden Willen scheitert an einer offensichtlichen Tatsache: „Man arbeitet nirgendwo aus Berufung, sondern wegen des Geldes“, wie ein Forumsteilnehmer zusammenfasst. Man zahlt, was man will, nicht was man sollte.
Renten: 25 Jahre Berechnungsgrundlage und 0,7 % Solidaritätsbeitrag
Der Feier fehlt ein Gast: die Rente. Laut der Erzählung eines Forumsteilnehmers wurde die Berechnungsgrundlage der Rente von den letzten 8 Jahren auf 25 Jahre ausgeweitet, mit einer Zwischenstufe bei 15 Jahren. Und wer noch darauf vertraut, sie zu erhalten, unterliegt einem intergenerationellen Solidaritätsbeitrag von 0,7 %, der, wie er behauptet, später nicht für die Leistungsberechnung angerechnet wird. Weniger Referenzjahre, höheres Alter und eine zusätzliche Gebühr. Die Rechnung geht nirgends auf.
In einem beliebigen Dorf ist die Antwort pragmatischer. Ein Unternehmer schließt sein Geschäft, wandelt die Räumlichkeiten in eine Bar-Laden-Kombination um, entlässt zwei saisonale Festangestellte (fijos discontinuos), stoppt die Kartenzahlung und spart über 4.000 € zwischen Gehältern und Sozialversicherungsbeiträgen. Er wird weniger Umsatz machen. Aber seine Bilanz stimmt. Seine auch.
Mit diesen Bausteinen lässt das Szenario keine großen Überraschungen zu. Wenn die Löhne weiterhin unter den Lebenshaltungskosten liegen und das System längere Arbeitszeiten fordert, ohne das Angebot zu verbessern, werden die als knapp angepriesenen Berufe weiterhin die schlechtest bezahlten sein. Einige der Suchenden planen bereits, das Land zu wechseln. Die Frage ist nicht, wie viele durchhalten: sondern wie viele dasselbe tun werden, bevor es jemand bemerkt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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