Spanien belebt das Financia-Europa-Konto mit 150.000 Euro und Steuervorteilen

Die spanische Regierung belebt das Financia-Europa-Konto: bis zu 150.000 € mit Steuerstundung, doch nur 5 % der spanischen Fonds erfüllen die Anforderungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien belebt das Financia-Europa-Konto mit 150.000 Euro und Steuervorteilen
Spanien belebt das Financia-Europa-Konto wieder: 150.000 Euro und Steuervorteile

Die spanische Regierung hat das einheitliche Anlagekonto, das der Kongress am vergangenen Freitag abgelehnt hatte, erneut in das Wohnungsbau-Gesetzdekret aufgenommen. Diesmal soll der Text – laut dem Ministerio de Economía unverändert – über die Ständige Kammer verabschiedet werden. Das Vehikel erlaubt Einzahlungen von bis zu 150.000 Euro in ETFs, Fonds und Aktien mit Steuerstundung: Gewinne werden erst versteuert, wenn das Geld die Hülle verlässt. Die ersten 10.000 Euro an Gewinnen sind nach fünf Jahren steuerfrei, der Rest wird nur zu 80 % besteuert. Das Kleingedruckte ist, was viele ärgert: mindestens 50 % in Aktien, 35 % in europäischen Aktien und null Socimis (spanische REITs), Sicavs oder Derivate.

Was ist das Financia-Europa-Konto und warum wird es mit einer Mini-Sicav verglichen?

Die Konstruktion erinnert an Sicavs, nur ohne die Vermögensschwelle für Großvermögen. Daher der Spitzname, der in der Branche kursiert: Minisicavs. Das erklärte Ziel ist, Geld von Konten und Einlagen – dort liegen 1,2 Billionen Euro der Spanier – in europäische Aktien und Anleihen zu lenken. Die ähnlichste Reform gab es vor 23 Jahren, als Fonds ohne Gang zum Finanzamt übertragen werden durften. Carlos Cuerpo, Wirtschaftsminister, war ihr wichtigster Fürsprecher, mit Rückhalt von der Europäischen Kommission, der OECD, der CNMV (spanische Börsenaufsicht) und BME.

Das Problem ist der Vertrieb. Inverco warnt, dass nur 5 % des Vermögens der spanischen Fonds die Anforderungen erfüllen. Jede Fondsgesellschaft muss ihre Produkte anpassen, registrieren und eine verantwortliche Erklärung unterzeichnen. Bis die CNMV das Register der förderfähigen Fonds erstellt hat – sie hat vier Monate Zeit –, kann das Konto nur mit Aktien vertrieben werden. Die Neobanken (InbestMe, MyInvestor, Trade Republic, N26) haben sich ins Zeug gelegt; die klassischen Banken deutlich weniger.

Die Fragen, die niemand beantwortet: geschäftsführende Regierung und Kleingedrucktes

Der Zeitplan hilft nicht. Die Regierung tritt nach den Wahlen am 29. November in den geschäftsführenden Modus, kann bis dahin aber noch die regulatorische Umsetzung verabschieden. Fraglich ist, ob eine mögliche Regierung des Partido Popular (konservative Oppositionspartei) das Projekt beibehält. Diese rechtliche Unsicherheit bremst viele: Manche argumentieren, ein Gesetzesdekret mit aufgelöstem Parlament und ohne gerechtfertigte Dringlichkeit grenze an Gesetzesumgehung.

Giorgio Leche, Vorstandsvorsitzender von Finizens, sieht den langfristigen Anreiz positiv, warnt aber vor zwei Nebenwirkungen: eine verpflichtende Aktienquote von 50 % schließt konservative Anleger aus, und die Konzentration des Portfolios auf Europa verringert die geografische Diversifikation. Das Produkt belebt auch die Sialp (spanischer steuerbegünstigter Sparkontenplan) neu, nun mit Einzahlungen von bis zu 10.000 Euro pro Jahr in der Variante Financia Europa.

Financia Europa: historische Reform oder Geldbeschaffung mit patriotischem Namen?

Der Name des Vehikels hilft beim Verkauf bei einem bestimmten Publikum nicht. „Besoffen lege ich mein Geld nicht auf ein Konto, das Financia Europa heißt“, fasst eine weit verbreitete Haltung zusammen. Eine andere Strömung liest es als Instrument zur Finanzierung europäischer Staatsschulden und Verteidigungsprojekte – Rheinmetall, Indra, Navantia, Airbus – und weniger zur Rendite der Ersparnisse. Und die Techniker sehen in der Steuerstundung eine ewige Parkbucht für Geld: Wer nicht entnimmt, zahlt keine Steuern – und die Erbschaft kriegt am Ende den vollen Schlag.

Auf der Gegenseite verweisen diejenigen, die auf die USA blicken, darauf, dass dort mehr als die Hälfte der Bevölkerung in irgendeiner Form in Aktien investiert ist und dass S&P 500 und Nasdaq gerade neue Rekorde markiert haben. Ihr Fazit: Das Problem ist nicht das Vehikel, sondern der Markt, in den man gezwungen wird zu investieren.



Unter diesen Regeln startet das Financia-Europa-Konto mit mehr Unbekannten als Gewissheiten. Wenn die PP es beibehält und die CNMV das Register beschleunigt, könnte es einen Teil dieser 1,2 Billionen Euro auf Einlagen in europäische Aktien lenken. Wenn nicht, bleibt es ein weiterer Versuch steuerlicher Ingenieurskunst, den niemand nutzt. Die ehrlichste Prognose: Es hängt davon ab, ob der durchschnittliche Anleger lieber weniger Steuern zahlt oder ruhig schläft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (21 Antworten).

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