Spanien bei Griffkraft in Europa am Ende

Spanien liegt bei der Griffkraft europäischer Männer mit 45,1 kg am letzten Platz. Ist die Studie fehlerhaft oder spiegelt sie wirtschaftliche Realitäten wider? Eine datenbasierte Analyse.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien bei der Griffkraft in Europa am Ende: Muskelschwäche oder fehlerhafte Studie?

Ein durchschnittlicher Spanier drückt einen Handdynamometer und das Ergebnis bleibt hinter dem eines durchschnittlichen Deutschen zurück. Das ist kein Gerücht aus der Kneipe: Ein europäischer Vergleich zeigt Spanien auf dem letzten Platz des Kontinents bei der Griffkraft. Spanische Männer erreichen im Durchschnitt etwa 45,1 Kilogramm, während Deutschland und der mitteleuropäische Block deutlich vorn liegen. Die zentrale Frage lautet, ob Spanien physisch schwächer ist oder ob die Studie methodische Mängel aufweist.

Die Griffkraft wird in der Epidemiologie genutzt, da sie mit Muskelmasse, funktioneller Selbstständigkeit und laut mehreren Studienreihen auch mit der Lebenserwartung korreliert. Doch diese Korrelation in ein nationales Ranking umzuwandeln, erfordert makellose Stichproben, und hier entstehen Zweifel. Es wird eine Stichprobe von nur 427 Personen erwähnt, um Ergebnisse auf 40 Millionen Einwohner zu übertragen; die Zusammensetzung wird kritisiert, denn Messungen in Madrid unterscheiden sich von denen in einem Dorf in La Mancha oder im Norden, wo körperliche Arbeit noch verbreitet ist; und Altersverzerrungen können die Ergebnisse entstellen. Dass etwas nicht stimmt, zeigen die Bulgaren: Sie schneiden auf der Karte schlecht ab, obwohl sie pro Kilogramm Körpergewicht als einige der Stärksten Europas gelten. Auch die Frage nach der Finanzierung der Studie fördert nicht gerade das Vertrauen.

Doch innerhalb und außerhalb der Labore argumentieren manche, dass die Daten kein biologisches Rätsel sind, sondern ein wirtschaftliches Spiegelbild. Spanien hat seine Wirtschaft seit Jahrzehnten tertiarisiert, und körperliche Arbeit ist auf Nischen reduziert: Der Landwirt mit Maschinen trainiert keine Unterarme wie derjenige, der mit der Hacke arbeitet, und der Büroangestellte, der sein Handy hält, ebenfalls nicht. Man verweist auf prekäre Löhne, die zu zehn- bis zwölfstündigen Arbeitstagen führen, auf teure und minderwertige Ernährung sowie auf ein Klima, das eher zum langen Mittagessen als zu körperlicher Anstrengung einlädt. Das Ergebnis ist eine stärker urbanisierte Bevölkerung mit weniger dauerhafter Muskelaktivität und geringerer Kraft in den Händen.

Hier kommt die paradoxe Erkenntnis ins Spiel, die alle Erwartungen unterläuft: Griffkraft wird mit höherer Langlebigkeit assoziiert, doch Südeuropa – einschließlich Spanien – lebt länger als Nordeuropa. Wäre der Indikator so entscheidend, dürften die Mittelmeervölker nicht an der Spitze der Lebenserwartungslisten stehen. Ein Blick auf unbequeme Vergleiche genügt: Frauen leben länger als Männer und haben weniger Griffkraft; Japaner leben länger als Schweden und gewinnen beim Drucktest ebenfalls nicht. Griffkraft ist wichtig, aber nicht so sehr, dass sie alles erklärt.

Unter den Kuriositäten der Karte kursiert eine halb scherzhafte Erklärung: das deutsche Recycling. Dort werden Dosen und Plastikflaschen vor dem Entsorgen zerdrückt, und viele Haushalte besitzen Hebelgeräte zur Kompaktierung. Diese tägliche Geste trainiert die Hand ohne Fitnessstudio. In Spanien trinkt man wegen der Hitze Bier in kleinen Gläsern („tercios“), die weniger wiegen als die halblitergroßen Dosen des Nordens; jeder Schluck hebt weniger Gewicht. Die Theorie ist bescheiden, aber plausibel.

Im globalen Maßstab relativiert sich das Drama. Dieselben Daten, die Spanien in Europa ans Ende stellen, zeigen es außerhalb des Kontinents in einer respektablen Position:
  • 15 Kilogramm Vorsprung vor Südasien
  • 12 Kilogramm vor mehreren afrikanischen Ländern
  • 5 Kilogramm vor China
Spanien steht nicht völlig schlecht da; es ist von Slawen und Nordländern umgeben, die scheinbar aus anderem Holz geschnitzt sind. Die Frage lässt jedoch eine unbequeme Schlussfolgerung offen: Egal, wie fragwürdig die Studie sein mag, das Bild eines Landes, das besser die EC-Karte als den Spaten greift, enthält einen Kern Wahrheit. Und die letzte überraschende Tatsache ist eine andere: Trotz allem leben wir länger als fast alle, die stärker zudrücken.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (141 Antworten).

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