Krawalle in Frankreich und Italien und das Narrativ, das mehr Härte fordert

Krawalle in Frankreich, Proteste in Italien und ein Generalstreik in Spanien: Eine Analyse, die im Chaos den Vorwand sieht, Rechte zu kürzen und Gefängnisse zu füllen

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Krawalle in Frankreich und Italien und das Narrativ, das mehr Härte fordert
Frankreich, Italien und Spanien: das Chaos-Narrativ, das den Kürzungen vorausgeht

Straßenkrawalle in Frankreich, zunehmende Proteste in Italien, Ausschreitungen in Albanien und ein angekündigter Generalstreik in Spanien. Vier Brennpunkte im selben Kalender, die für eine Strömung der Wirtschaftsanalyse keine Einzelfälle sind, sondern derselbe Film, der in vier Sälen läuft. Die These: Das Chaos wird wachsen gelassen oder sogar direkt inszeniert, damit die gesellschaftliche Nachfrage nach Ordnung am Ende akzeptiert, was sie vor zwei Jahren noch abgelehnt hätte. Weniger Sozialausgaben, mehr Gefängnis und deutlich mehr staatliche Härte.

Warum werden die Proteste in Frankreich, Italien und Spanien zusammen gesehen?

Weil sie zeitlich zusammenfallen und weil sie nach dieser Lesart auf dasselbe Ziel verweisen: Protest in Angst verwandeln und Angst in die Forderung nach Ordnung. Das Argument braucht keine Verschwörungstheorien. Schwere Ausbrüche vermischen berechtigte Anliegen mit Gewalt, Plünderungen und der Stärkung krimineller Banden – und in diesem Mix wechselt die öffentliche Meinung die Seite. Die Priorität ist nicht mehr der Anlass des Protests, sondern die Härte des Staates.

Dazu kommt der europäische politische Kalender: Regierungswechsel stehen in mehreren Ländern an, mit der Besonderheit, dass nach dieser Lesart der Wechsel an der Substanz nichts ändern würde, weil das System weiter defekt ist. Das Einzige, was der Staat unangefochten ausüben kann, ist das Gewaltmonopol. Und im spanischen Fall würde die Regierung noch vor jedem Wechsel als unfähig oder komplizenhaft gegenüber Protesten dastehen, die als unzivil beschrieben werden. Die Causa Ceuta wird ohne weitere Ausführung in das Bild eingefügt.

Die Schulden, die niemand anzweifelt, und der Sozialstaat als Anpassungsvariable

Das Fundament sind die Schulden. Sie gelten als unstrittig, und daraus wird gefolgert, dass Europa seine Bevölkerung mit dem jetzigen Serviceniveau weder verwalten noch versorgen kann. Gesundheitswesen, öffentlicher Beschäftigungsbereich und Bildung wären die drei Beine, die einknicken – oder bereits einknicken. Auch das Strafvollzugssystem entgeht der Überlegung nicht: Es ist nicht rentabel, und wenn es aufhört, öffentlich zu sein, kommt es nicht zurück.

Uneinig ist man über das Tempo. Gegen die Idee eines plötzlichen Kollapses gewinnt eine unbequemere Beschreibung an Gewicht: ein kontrollierter Abriss ohne Stichtag, bei dem die Schulden nicht neu sind und die Proteste auch nicht – nur die Ausrede wechselt. Die Folge sieht in beiden Szenarien gleich aus: Bricht der Gesellschaftsvertrag, werden Jahrzehnte nötig sein, um wieder wirtschaftliches Niveau zu erreichen, das dem bisherigen entspricht.

Megagefängnisse in Belgien und Frankreich: das Geschäft mit den leeren Zellen

Vor diesem Hintergrund beginnt die Infrastruktur zu entstehen. Verwiesen wird auf Megagefängnis-Projekte in Belgien und Frankreich, die viele Insassen in Randgebieten, fern des Zentrums, unterbringen sollen. In Europa existiert bereits ein gemischtes öffentlich-privates Modell, und das beschriebene Risiko ist ein rechnerisches: Landet die Verwaltung in privater Hand, wird der Betreiber pro belegtem Platz bezahlt und kann den Staat für leere Zellen zur Kasse bitten. Der Anreiz liegt also darin, sie zu füllen. Mit welcher Straftat auch immer.

Das Argument ist kein sarracena, sondern eines über Anreize. Schlecht qualifiziertes und schlecht bezahltes Personal in riesigen Anlagen, Druck, Plätze zu belegen, und ein Gelände, auf dem sich die Haft verlängert. Aus dieser Logik wird gefolgert, dass ein Täter außerhalb des Gefängnisses ein Kunde weniger ist und dass das Geschäft an seiner raschen Rückkehr interessiert ist. Das Megagefängnis funktioniert, zusammengefasst, als Druckkessel und als das Werkzeug, das für die nächste Phase vorbereitet wird.

Bukeles 40 Prozent und die Falle der Resozialisierung

Der Fall El Salvador dient als Spiegel und als Warnung. Zitiert wird eine Ankündigung vom 13. Oktober, als der Präsident des Landes seine Absicht äußerte, 40% der von ihm Inhaftierten freizulassen. Daraus ergibt sich das zentrale Argument: Wer einsperrt und wer freilässt, ist dieselbe Person, und es gibt keine andere Kontrolle als ihr Urteilsvermögen.

Auch die Verteidigung hat Zahlen. Es wird behauptet, diese Häftlinge kämen nur heraus, wenn die Macht wechselt, und falls sie herauskommen, kehrten sie auf demselben Weg zurück. Genau dort bricht die Diskussion auseinander: Die einen sehen eine Verfestigung der Kriminalität und künftige Rache; die anderen sehen wiederhergestellte Ordnung in einem Land, das – so wird erinnert – zuvor deutlich schlechter dastand. Eine Rückfallserie, die die Sache abschließt, liefert vorläufig niemand.

Wer das Narrativ verstärkt und was sich als Information einschleicht

In der Phase der Verwirrung erscheinen die Lautsprecher. Ohne Beweis wird behauptet, dass bestimmte Wissensvermittler und Geopolitik-Kommunikatoren – Namen wie Iker Jiménez, Rubén Gisbert oder Pedro Baños werden genannt – als Kanäle für Frustration und Desinformation fungieren, die einen nach innen, die anderen nach außen. Es ist ein Vorwurf, der als Hypothese kursiert, nicht als belegte Tatsache, und sollte auch so gelesen werden.

Gleichzeitig schleppt das Chaos-Narrativ selbst Material fragwürdiger Belastbarkeit mit. Da ist der Verweis auf die Kalergi-Pläne, eine Verschwörungstheorie ohne dokumentarische Grundlage, die seit Jahren wiederholt wird. Und da ist die Versuchung, jeden Krawall einer konkreten Gruppe zuzuschreiben – Studenten, Demonstranten, Migrantengruppen –, ohne Daten, die das stützen. Genau diese Zuschreibung ist es, die andere Stimmen als den nützlichen Teil des Drehbuchs identifizieren.

Gibt es einen Generalstreik in Spanien und Krawalle wie in Frankreich?

Im spanischen Fall herrscht Skepsis. Dem Aufruf zum Generalstreik wird im Privatsektor mit Vorbehalten begegnet; dort wird erwartet, dass ihm nur wenige folgen, und manche schließen einen Ausbruch schlicht aus: Hier, so heißt es, hält die Bevölkerung durch. Andere fügen hinzu, dass in Spanien der Protest von der Regierung selbst aufgerufen wird und sich nicht verstecken muss – eine Lesart, die schlecht zum Bild eines überforderten Staates passt.

Die andere Version der Geschichte richtet den Blick auf den Wohnungsmarkt, nicht auf die Straße. Dem Narrativ, das die französischen Mobilisierungen auf eine studentische Sensibilität zurückführt, wird mit der Evidenz der Bilder und einer einfachen Frage geantwortet: Wie viele Studenten sind dort eigentlich? Was bleibt, ist eine angespannte Ruhe, deren Dauer niemand kennt.

Mit diesen Zutaten bleibt die Diskussion an einem sehr konkreten Punkt hängen: Wenn alles choreografiert ist, fehlt die Antwort, wer das Drehbuch unterschreibt und wem die Rolle des Bösewichtes zufällt. An diesem Punkt gibt es vorläufig nur Verdachtsmomente.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (155 Antworten).

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