Niño Becerra warnt vor Zwangsräumungswelle wie 2008

Santiago Niño Becerra verneint eine Immobilienblase, prognostiziert jedoch extrem hohe Preise und eine Welle von Mietzwangsräumungen bei wirtschaftlichem Abschwung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Niño Becerra warnt vor Zwangsräumungswelle wie 2008
Niño Becerra schließt Blase aus, warnt aber vor Räumungen wie 2008

Santiago Niño Becerra behauptet, es gebe keine Immobilienblase, und prophezeit gleichzeitig eine Welle von Zwangsräumungen. Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man die gesamte Argumentation betrachtet: Das Problem sind nicht die heutigen Preise, sondern wer sie morgen bezahlen kann. Der Ökonom, einer der meistzitierten Experten in Spanien, hat den Geist von 2008 wieder heraufbeschworen.

Seine Diagnose besteht aus drei Teilen. Die Wohnraumnachfrage übersteigt das Angebot. Ein Großteil des Kapitals sucht Schutz, da es «wenige Anlagemöglichkeiten» gibt. Und mit seinen eigenen Worten: «In manchen Taschen ist Geld übrig.» Mit diesem Cocktail sinken Verkaufs- und Mietpreise nicht: Sie stabilisieren sich «in den Wolken», sobald die Nachfrage nicht mehr zahlen kann.

Der zweite Akt ist beunruhigend. Wenn die Wirtschaft einbricht, kommt «eine Reihe von Insolvenzen» und die Arbeitslosigkeit explodiert. Dann steigen Zahlungsausfälle, Banken bemerken dies und die Welle der Zwangsräumungen beginnt. «Teilweise wird es wie 2008 sein», fasst er zusammen.

Warum Kredite nicht mehr der Auslöser sind

Hier kollidiert die Erzählung mit der aktuellen Marktstruktur. Die Blase von 2008 war vor allem eine Kreditblase: Es wurde an Personen verliehen, die nicht zurückzahlen konnten. Das heutige Szenario ist anders. Hypotheken sind selten und werden nur an solvente Profile vergeben, deren Zahlen vor Unterzeichnung von der Bank geprüft werden.

Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Es wird keine massenhaften hypothekarischen Zwangsräumungen geben, aber sehr viele mietbezogene. Wer bar zahlt, hat keine Rate zu tilgen; sein Risiko ist ein anderer Wertverlust bei Marktkorrekturen. Das Risiko der Zwangsräumung hat sich vom verschuldeten Eigentümer zum Mieter verlagert.

Das fehlende Angebot und die nicht so große Nachfrage

Gegen die Erzählung einer unkontrollierten Nachfrage steht eine unbequeme Berechnung: In Spanien werden jährlich etwa 600.000 Kaufverträge abgeschlossen. Das ist keine Zahl für einen Käuferfieber. Was den Preis erklärt, argumentieren Kritiker, ist der Mangel an Neubauten und Kapital, das über andere Kanäle fließt: Goldene Visa, digitale Nomaden und vorteilhafte Steuerregime für neu ankommende Hochverdiener.

Dazu kommt Wohnraum als sicherer Hafen, ähnlich wie Gold. Man kauft, weil die Mieten steigen, weil eine leichte Renovierung den Weiterverkauf ermöglicht, weil die Wohnung nach zwölf Monaten mehr wert ist. Und eine territoriale Asymmetrie, die jede nationale Durchschnittszahl bricht: Was in bestimmten Stadtvierteln passiert, passiert im Rest des Landes nicht.

Die Blase, über die kaum jemand spricht: Der Tourismus

Es gibt eine alternative These, die an Gewicht gewinnt: Die reale Blase ist nicht die im Wohnungsmarkt, sondern im Tourismussektor. Ein Branchenvertreter fasst es ohne Nuancen zusammen: Wenn sie platzt, reißt sie Wohnungspreise, Mieten, Geschäfte und Infrastruktur mit sich. «Sie wird alles verwüsten.»

Die Gegenreaktion lässt nicht auf sich warten: Wenn der Tourismus den Markt verzerrt, tut der anhaltende Migrationsstrom dasselbe oder mehr, da er jedes Jahr zusätzliche Bevölkerung auf denselben Wohnungsbestand bringt. Es sind zwei Druckwellen auf einen Bestand, der nicht wächst.

Von der richtigen Prognose der 20%-Arbeitslosigkeit zur wöchentlichen Krisenvorhersage

Seine Bilanz spaltet die Gemüter. Manche erinnern daran, dass er bereits 2004, als die Arbeitslosigkeit bei 9% lag, als Erster ankündigte, dass sie die 20%-Marke überschreiten würde, und dass seine großen makroökonomischen Vorhersagen eingetreten sind. Andere behaupten genau das Gegenteil: Eine stehende Uhr liegt auch zweimal am Tag richtig, und seine periodischen Katastrophenankündigungen haben durch nie eingetroffene Prognosen an Glaubwürdigkeit verloren.

Die an Boden gewinnende Hypothese für die nächste Krise ist kein klassischer Crash, sondern eine durch Automatisierung ausgelöste Krise. Und sie würde jene treffen, die sich bisher als sicher wähnten: die Mittelschicht mit Hypothek, zwei Autos, guten Urlauben und Nachmittagskursen für Kinder.

Der fiskalische Spielraum ist erschöpft

Wenn jemand gerettet werden muss, sollte man wissen, womit. Hier ist die Antwort unbequem: Der Spielraum ist aufgebraucht. Man erinnert an die Erhöhung der MwSt von 18% auf 21%, zwei Prozentpunkte mehr Einkommensteuer und den Sprung der Kapitalertragsteuer von 15% auf 19%, sowie die Abschaffung der Absetzbarkeit beim Wohnungskauf. Die detaillierte Aufschlüsselung dieser Belastung und ihre Wirkung auf ein durchschnittliches Gehalt ergibt ein Ergebnis, das überrascht, mehr als die Schlagzeile vermuten lässt.

Auf der Ausgabenseite ist der Vergleich ebenso hart: Etwa 200.000 öffentliche Bedienstete wurden entlassen, danach wuchs die Zahl wieder auf 3.500.000. Erneute Steuererhöhungen, so die Warnung, sind politisch keine billige Option mehr.



Im Hintergrund bleibt ein Begriff, den die Quelle selbst prägt und der das Klima zusammenfasst: Zahlungsausfallquote statt einfachem Zahlungsausfall. Das Wort ist hässlich, aber das Konzept ist altbekannt.

Mit den Preisen dort, wo sie sind, den Löhnen dort, wo sie sind, und dem Kreditvergabe unter strengen Augen, lautet die Frage nicht mehr, ob es eine Korrektur geben wird. Sondern ob der Fehler des Propheten darin besteht, die Krise anzukündigen, oder darin, anzunehmen, dass die nächste der vorherigen ähneln wird.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (204 Antworten).

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