Spanien: 62.000 Familien durch Solarbetrug ruiniert

Nachdem das BOE 2007 Solarprämien bewilligte, tragen zehn Jahre später 62.000 spanische Familien die Schuldenlast.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: 62.000 Familien durch Solarbetrug ruiniert
Die Sonne gehört euch: 62.000 Familien, ein BOE und unbezahlbare Schulden

Im Jahr 2007 brachte die spanische Regierung ein Anlageprodukt mit dem Siegel des BOE (Boletín Oficial del Estado) und dem Slogan «Die Sonne kann euch gehören» auf den Markt. Das Versprechen war klar, nachhaltig und sicher: Wer eine kleine Photovoltaikanlage errichtete, erhielt jahrelang eine staatlich garantierte Einspeisevergütung. Ein Jahrzehnt später berichteten Medien von 62.000 Familien, die sich lebenslang verschuldeten, unter Depressionen litten, psychologische Hilfe suchten und in einigen Fällen Suizid begingen. Ob dies Betrug oder schlechtes Finanzmanagement war, bleibt ungeklärt.

Was das BOE kleinen Anlegern versprach

Der Mechanismus schien einfach. Jeder Investor baute eine Photovoltaikanlage, schloss sie ans Netz an und speiste Energie in den nationalen Pool ein. Dafür erhielt er den Strompreis plus eine vom Staat festgelegte Prämie, veröffentlicht im Boletín Oficial del Estado. Ein Königliches Dekret bürgte für die Operation, offizielle Werbung animierte zur Verschuldung und die Botschaft lautete: Eine «100% sichere» Investition – günstigere Energie, weniger Ölabhängigkeit und Demokratisierung des Elektrizitätssektors.

Getrieben von dieser Erzählung kamen sehr unterschiedliche Profile zusammen. Unternehmer, die Rendite suchten, überzeugte Umweltschützer und Sparer, die noch nie einen Finanzmarkt betreten hatten. Alle teilten dieselbe Gewissheit: Wenn der Staat unterschreibt, zahlt der Staat. Genau diese Gewissheit wurde später gebrochen.

Der Fall, der den Absturz zusammenfasst: Eine Million Euro und das Elternhaus als Sicherheit

Der meistzitierte Fall ist der des Schauspielers César Vea. Zusammen mit seinem Bruder sammelte er fast eine Million Euro für einen Solarpark in La Rioja: 200.000 Eigenkapital und 800.000 Bankkredit. Das Haus seiner Eltern diente als Kreditsicherheit. Die Berechnung sah vor, die Investition in etwa dreizehn Jahren zurückzuzahlen und das Geschäft als Erbe zu hinterlassen. Die Rechnung ging nicht auf.

Vea verlor seine Wohnung, droht nun auch das Elternhaus zu verlieren und seine Ersparnisse sind verschwunden. Im Dezember 2017 trat er in einen Hungerstreik, um auf seine Situation aufmerksam zu machen. Sein Bericht – Investition in Nachhaltigkeit, Glaube an das Klimaziel – steht im Widerspruch zu denen, die behaupten, niemand nehme einen Kredit über 800.000 Euro aus Liebe zum Planeten auf. Beides kann gleichzeitig wahr sein, und hier beginnt der Dissens.

Betrug oder politisches Risiko? Zwei Lesarten des Absturzes

Die erste Lesart ist die der Betroffenen: Die aufeinanderfolgenden Regierungen, erst PSOE, dann PP, änderten die Regeln mitten im Spiel. Sie kürzten die Prämien, begrenzen die Produktionsstunden und ließen die Kleinproduzenten faktisch mit den Schulden, aber ohne das Geschäft zurück. Manche nennen es unverhohlen einen vom BOE gedeckten Betrug.

Die zweite Lesart weist auf das politische Risiko hin. Wer sein Vermögen zu 80% auf einer regulatorischen Zusage hebelt, kauft einen Vermögenswert, dessen Wert davon abhängt, dass ein Parlament nicht seine Meinung ändert. Und Parlamente ändern ihre Meinung. Aus dieser Sicht waren die Prämien von Anfang an nicht tragfähig, und wer sich verschuldete, übernahm ein Risiko, das er nicht erkannte. In der Mitte steht der Schatten des elektrischen Lobby, der kein Interesse daran hatte, dass Bürger ihm Konkurrenz machen.

Die genaue Renditeberechnung liefert Munition für beide Lager. Einige behaupten anhand der im Diskurs kursierenden Zahlen, dass Barzahler von rund 10% jährlicher Rendite auf 4-5% fielen, während Kreditnehmer sahen, wie Zinsen jede Rendite auffraßen. Rajoy wird zugeschrieben, laut einer im Thread zitierten Referenz gesagt zu haben, dass PV-Investoren zwischen 20% und 25% gewinnen wollten. Diese Zahl widerspricht frontal den Angaben der Anleger selbst.

Eine wachsende Zahl: Von 62.000 auf 65.000 Familien

Die Zahl der Geschädigten stieg über die Jahre. 2018 lag sie bei 62.000 Familien. Später erhöhte Tamames in seiner Rede zum Misstrauensantrag die Zahl auf 65.000 Familien, «Pioniere der Photovoltaik», die durch Politikwechsel betrogen wurden, die versprochene Rechte verletzen – was er als Rechtsunsicherheit beschrieb.

Dass der Staat das Problem anerkennt, bedeutet nicht, dass er es bezahlt. Hier stockt die Analyse: Es gibt keinen Konsens darüber, wie viel bewusste politische Entscheidung, wie großer Kalkulationsfehler und wie viel einfache finanzielle Fehlentscheidung der Investoren dahinterstecken. Niemand bestreitet den Ruin. Alle streiten über die Schuld.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (161 Antworten).

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