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Sozialismus: „Tut mir leid, kein Fisch. Das Fleisch gibt's drüben an der Ecke“
Im kommunistischen Polen ließ eine staatliche Preisfestsetzung das Fleisch aus den Läden verschwinden. Stefan Kisielewski fasste es mit Humor zusammen und bezahlte dafür. Eine Lektion für heute.
Wenn der Staat einen Preis unter dem Marktniveau festlegt, verschwindet das Produkt aus den Geschäften, und ein Schwarzmarkt entsteht, den der Staat selbst als Verbrechen verfolgt. Der Witz wird dann zum besten Lehrbuch der Volkswirtschaftslehre.
Im kommunistischen Polen verschwand das Fleisch aus den Läden. Es war kein Zufall und keine schlechte Ernte. Der Staat legte den Preis unter den tatsächlichen Wert fest, die Erzeuger verkauften nicht mehr zu diesem Preis, und das Produkt verflüchtigte sich. Danach kamen die Lebensmittelkarten. Später begannen die Leute, Fleisch privat zum echten Preis zu verkaufen. Der Staat nannte das „Spekulation“, schuf Sonderbehörden zur Verfolgung und machte das Volk für das Problem verantwortlich, das er selbst geschaffen hatte. Jeder Schritt wirkte wie eine Lösung. Das Ganze war eine Falle.
## Der Mechanismus, der ein Problem zur Industrie macht
Eine Höchstpreisfestsetzung unter dem Gleichgewichtspreis hat eine vorhersehbare Wirkung: Die Nachfrage übersteigt das Angebot, und das Produkt wird knapp. Im Nachkriegspolen wiederholte sich dieser Mechanismus bei Fleisch, Toilettenpapier und Dutzenden von Grundgütern. Der Staat gab nicht nach. Er fügte Schichten hinzu: Rationierung, Kontrollen, Gerichte für Schwarzhändler. Die Knappheit hörte auf, ein Versagen des Systems zu sein, und wurde zu seinem Daseinszweck. Je mehr es versagte, desto mehr Macht verlangte es, um es zu beheben.
Die Menschen lernten, in dieser Maschinerie zu leben. Man stellte sich an, ohne zu wissen, was verkauft wurde; erst stellte man sich an, dann fragte man. Man ging mit einer Rolle Toilettenpapier um den Hals nach Hause wie mit einem Trophäe. Auf Hochzeiten wurden die Witze laut erzählt, nicht geflüstert. Das System hatte Armee, Polizei und Presse. Die Leute hatten den Pointen.
## Kisiel: der Mann, der über das Regime lachte
**Stefan Kisielewski**, bekannt als **Kisiel** — der Name einer süßen Fruchtgelee-Speise —, war Komponist und Kolumnist. Die Leser schlugen die katholische Wochenzeitung auf der letzten Seite auf, um seine Kolumne zu lesen. Er war die einzige öffentliche Figur im kommunistischen Polen, die den Kapitalismus von der Tribüne des Parlaments aus offen lobte. **1968** nannte er das Regime eine „Diktatur der Dummköpfe“. Tage danach prügelten ihn „unbekannte Täter“ auf der Straße zusammen.
Seine Methode war das Zeigen der Zunge. Ein Regime, das verlangt, ernst genommen zu werden, fürchtet nichts mehr als einen Mann, der über es lacht und recht hat. Der Satz, der ihm zugeschrieben wird — „der Sozialismus kämpft heldenhaft gegen Probleme, die es in keinem anderen System gibt“ —, fasst in zehn Wörtern zusammen, wofür ein Volkswirtschaftslehrbuch Kapitel braucht. Ein guter Witz ist ein Modell des Systems, das in zehn Sekunden passt. „Sie tun so, als würden sie uns bezahlen, und wir tun so, als würden wir arbeiten“ ist eine ganze Abhandlung über Ökonomie in einer Zeile.
## Von der Schlange bis zur Mietpreisbremse: dasselbe Drehbuch
Deutschland schloss seine Kernkraftwerke und stand dann vor einer Energiekrise. **Berlin** führte eine Mietpreisbremse ein und stand dann vor einer Wohnungsknappheit. **Brüssel** erlässt Vorschriften, die die Industrie ersticken, und startet danach Pläne zur Rettung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Jedes Mal ist das Problem für sie neu. Im kommunistischen Polen war es nicht neu. Man kannte es von innen, aus der Schlange.
Das Lachen war kein Ausweg. Es war Verständnis. Die Kommunisten konnten Zeitungen zensieren, aber den Witz konnten sie nie zensieren. Der Westen lacht noch nicht, weil er noch glaubt, das Problem sei neu. Die Witze kommen später, direkt nach den Schlangen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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