Soziale Medien rufen zu Protesten gegen Amnestie in Spanien auf

Am 10. September sollen vor Rathäusern in ganz Spanien Proteste gegen die von Junts und ERC geforderte Amnestie für Sánchez stattfinden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Soziale Medien rufen zu Protesten gegen Amnestie in Spanien auf
Proteste gegen die Amnestie vor den Rathäusern

Hat es Sinn, sich am Sonntagmittag vor dem Rathaus des eigenen Dorfes einzufinden? Diese Frage kursiert in den sozialen Medien, seit eine parteilose Mobilisierung verbreitet wird: Kundgebungen um 12:00 Uhr am 10. September vor den Rathäusern aller Städte und Gemeinden Spaniens als Ablehnung eines möglichen Amnestiegesetzes. Die Nachricht, weitergeleitet mit der Aufforderung an alle Kontakte teilen, behauptet, dass die Begnadigung der Verurteilten im Zusammenhang mit dem Referendum vom 1. Oktober den Separatisten erlauben würde, „die spanische Demokratie auszulachen“, mit der Unterstützung von Pedro Sánchez.

Der Aufruf stammt nicht von einer Partei. Das ist gleichzeitig seine größte Stärke und seine größte Schwäche.

Was Junts und ERC für die Wahl von Sánchez fordern

Die Amnestie ist keine Internet-Erfindung. Sie ist die Bedingung, die Junts und ERC nach den Parlamentswahlen vom 23. Juni als Voraussetzung für die Investitur von Pedro Sánchez auf den Tisch gelegt haben. Die Zahlen erklären warum: 7 Abgeordnete von ERC und 7 von Junts im Kongress sind unerlässlich, um eine sozialistische Regierung mit Unterstützung von Sumar zu bilden. Ohne diese vierzehn Sitze geht die Arithmetik nicht auf.

Hier liegt der Kern der Sache. Was der Straßenaufruf als kostenlose Zugeständnis darstellt, ist in Wirklichkeit der Preis für eine parlamentarische Mehrheit. Und die virale Botschaft formuliert dies in sarracena Begriffen – ausgelachte Demokratie, lachende Separatisten – eher als in arithmetischen.

Die Kosten, die nicht in der Schlagzeile stehen: 70.000 Millionen

Unter den zirkulierenden Nachrichten gibt es ein Argument, das über die strafrechtliche Begnadigung hinausgeht. Es wird behauptet, dass das Paket der separatistischen Forderungen nicht nur die Amnestie umfasst, sondern auch die Übernahme der katalanischen öffentlichen Schulden durch die übrigen Autonomen Gemeinschaften, beziffert auf 70.000 Millionen Euro. Die wiederholte Logik ist unbequem: Sie wollen die Unabhängigkeit, aber mittelfristig, und währenddessen versuchen sie, ihre Ungleichgewichte den zukünftigen Generationen aller Spanier aufzuhalsen.

Dies ist der Punkt, der im Lärm am wenigsten auftaucht, aber auf der Rechnung am schwersten wiegt. Denn eine Amnestie wird juristisch und politisch diskutiert; ein Schuldenerlass wird bei jedem Gehaltsscheck bezahlt, Jahr für Jahr, ohne dass jemand darüber abstimmt.

Eine Mobilisierung ohne Partei dahinter

Das Detail, das die meisten Diskussionen auslöst, ist nicht der Inhalt, sondern die Logistik. Da der Protest weder von der PP noch von Vox organisiert wird, fehlt ihm die Struktur: keine Busse, keine offiziellen Banner, kein Apparat, der den Platz füllt. Die ersten Schätzungen deuten auf schwache Versammlungen hin, mit Zahlen wie 300 oder 400 Personen in Alcorcón zu Beginn. Manche sehen darin Anzeichen der Bürgerermüdung; andere antworten, dass ein einzelnes Korn keinen Speicher füllt, aber dem Nachbarn hilft.

Über das Profil der Teilnehmer werden Diagnosen getauscht. Ein Teil der Analyse weist darauf hin, dass die Jüngeren zwischen nationalistischen Forderungen und sukzessiven Zugeständnissen aufgewachsen sind und normalisiert haben, was ihren Älteren als rote Linie erscheint. Ein anderer Teil deutet auf etwas Prosaischeres hin: Der Aufruf wird als nutzlos wahrgenommen, und Nutzlosigkeit demobilisiert stärker als Uneinigkeit.

Wie viele Menschen sind bereit, auf die Straße zu gehen?

Weniger als das digitale Echo des Aufrufs vermuten lässt. Die Kluft zwischen dem, was auf dem Bildschirm geteilt wird, und dem, was sich in physischer Präsenz niederschlägt, ist hier der zentrale Faktor. Eine tausendfach weitergeleitete Nachricht entspricht nicht tausend Menschen vor einer Fassade, und alle Beteiligten wissen das, auch wenn es wenige laut aussprechen.

Hinzu kommt der Kalenderfaktor. Wenn eine Investiturvereinbarung noch nicht abgeschlossen ist, richtet sich der Protest gegen eine Hypothese: das Gesetz, das noch nicht existiert. Das zwingt dazu, gegen einen Entwurf zu demonstrieren, was immer schwieriger durchzuhalten ist als gegen vollendete Tatsachen zu protestieren. Je nachdem, wie die Verhandlungen fortschreiten und der Text konkretisiert wird – oder fällt –, muss sich die Temperatur auf der Straße neu einstellen.

Selbst Odón Elorza widerspricht

Eines der Argumente, das unter denen, die den Protest verteidigen, am häufigsten zitiert wird, stammt nicht von der Rechten. Es wird betont, dass sogar Odón Elorza, ein historischer sozialistischer Führer, sich gegen die Amnestie ausgesprochen hat, was die Erzählung bricht, es handle sich um eine rein parteipolitische Reaktion. Wenn innerhalb des politischen Raums, der die Begnadigung fördert, kritische Stimmen auftauchen, hört die Angelegenheit auf, ein Blockkampf zu sein.

Das nährt die These der Organisatoren: Es ist kein ideologisches Duell, sondern eine Diskussion darüber, wo die Grenze liegt. Die Frage bleibt jedoch ohne verifizierbare Antwort. Niemand weiß, wie viele diese Grenze auf der Straße teilen werden.

Der Punkt, an dem alles offen bleibt

Der Aufruf wird seinen Weg fortsetzen, unabhängig davon, ob die Amnestie zustande kommt oder sich auflöst. Die am häufigsten wiederholten Botschaften weisen darauf hin, dass Empörung nicht nach unmittelbaren Ergebnissen bemessen wird: Sie existiert, organisiert sich und hinterlässt Spuren. Andere erinnern daran, dass ein Protest ohne Partei dahinter und mit diskreter Beteiligung sich binnen 48 Stunden von selbst archiviert.

Am Ende wird die einzige Zahl, die zählt, weder die der Sitze sein, die Junts fordert, noch die 70.000 Millionen Schulden, noch die vierzehn Abgeordneten, die das Gleichgewicht halten. Es wird sein, wie viele Menschen entscheiden, einen Sonntag zu opfern. Wenn die Sofas gewinnen, wird die Bedrohung so lange gedauert haben, wie eine weitergeleitete Nachricht braucht, um zu verfallen.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (174 Antworten).

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