Solaria wird die 5,7 Milliarden Dollar für den uruguayischen Campus nicht selbst aufbringen: Rund 200 Millionen steckt das Unternehmen in das 350-MW-Solarkraftwerk, den Rest finanzieren die Hyperscaler, die den energetisierten Boden anmieten. Das Unternehmen hat in sechs Monaten bereits 99,6 Millionen Euro mit seinem Datenzentrum-Bodenmodell umgesetzt.
Solaria wird die angekündigten 5,7 Milliarden Dollar für ihren Technologiecampus in Uruguay keineswegs selbst in die Hand nehmen. Das spanische Unternehmen tritt als Entwickler, Betreiber und Ermöglicher der Infrastruktur auf, und den Großteil des Kapitals werden die großen internationalen Technologiebetreiber beisteuern, die sich in der Freihandelszone ansiedeln. Es ist ein Modellwechsel, der sich bereits in den Zahlen zeigt, bevor in Lateinamerika auch nur ein Spatenstich erfolgt ist.
In der Ankündigung ist von einer geschätzten Gesamtinvestition von **5,7 Milliarden Dollar** die Rede, umgerechnet rund 5,08 Milliarden Euro. Von dieser Summe entfallen **5,5 Milliarden** auf den Campus und die Datenzentren selbst und **200 Millionen** auf die Photovoltaikanlagen mit bis zu **350 MW**, die den Komplex versorgen. Die Differenz zwischen dem, was angekündigt wird, und dem, was Solaria aus eigener Tasche riskiert, ist der Schlüssel zum gesamten Finanzierungsdesign.
## Die Kapitalaufteilung: wer was beisteuert
Solaria kümmert sich um die Verwaltung der Grundstücke, die Genehmigungsverfahren, den Bau der Basisinfrastruktur, die Hochspannungsanschlüsse ans Netz und die effizienten Kühlsysteme. Das ist ihre Aufgabe. Das Kapital für den Bau und die Ausstattung der Datenzentren, diese 5,5 Milliarden, wird von großen Technologiebetreibern wie **Amazon**, **Google** oder **Microsoft** kommen, denen Solaria den energetisierten Boden und die Dienstleistungen auf dem Campus vermieten wird.
Für den Solarteil verfügt das Unternehmen über einen langfristigen Stromabnahmevertrag, ein PPA mit einer Laufzeit von bis zu **40 Jahren**, mit dem uruguayischen Staatsunternehmen **UTE**. Dieser Vertrag absichert die klassische Bankfinanzierung der Photovoltaikphase. Der staatliche Versorger kauft 100 % des erzeugten Stroms der Parks, was Solaria einen planbaren Cashflow beschert, der vier Jahrzehnte lang gegen die Volatilität des Großhandelsmarkts geschützt ist.
Die tatsächliche Auswirkung auf die Schulden von Solaria ist weit geringer, als die Schlagzeile des Projekts vermuten lässt. Die direkte Nettoverschuldung, die das Unternehmen übernimmt, liegt laut Aufschlüsselung des Modells zwischen **140 und 160 Millionen Dollar**. Das Solarkraftwerk wird als Projektfinanzierung strukturiert: Die Banken verleihen 70 bis 80 % der Kosten, abgesichert durch den Vertrag mit UTE. Die restlichen 40 oder 60 Millionen stammen aus der eigenen Kasse, die nach einer Kapitalerhöhung und Aktienverkäufen über **300 Millionen Euro** gestärkt wurde. Die 5,5 Milliarden für die Datenzentren berühren die Bilanz von Solaria nicht: Diese Schulden gehen zu Lasten der Multinationals, die die Anlagen anmieten.
## Die Zahlen, die das Datenzentrum-Bodengeschäft bereits bewegt
Die Sparte Infrastruktur und Datenzentren ist zum wichtigsten finanziellen Motor von Solaria geworden, und das zeigt sich bereits in den Halbjahresberichten **2026**. Der Umsatz mit Verkauf und Erschließung von Flächen mit gesicherter Netzanbindung, dem sogenannten Powered-Land-Modell, stieg um **355 %** auf **99,6 Millionen Euro** in nur sechs Monaten. Diese Zahl übersteigt um **34 %** alles, was das Unternehmen im gesamten Vorjahr mit diesem Geschäft erlöst hat.
Der Gesamtgewinn wuchs um **52 %** auf **124,9 Millionen Euro**, das EBITDA stieg um **50 %** auf **210,1 Millionen Euro**. Die Datenzentren ziehen bereits die Bilanz und gleichen die Preisschwankungen am traditionellen Stromnetz aus. Der Markt rechnet damit, dass das Unternehmen das Gesamtjahr mit einem Rekord-Nettogewinn von über **220 Millionen Euro** abschließen wird, bei einem EBITDA-Ziel von **331 Millionen**.
Die Rentabilität dieses Geschäfts erklärt die Begeisterung. Der Verkauf von konventioneller Energie am spanischen Strommarkt weist eine Nettomarge von üblicherweise **35 bis 45 %** auf und ist Wind- und Regentagen ausgesetzt, die den Strompreis drücken können. Die Datenzentrumssparte arbeitet laut den Finanzberichten des Unternehmens mit einer EBITDA-Marge von **94 %** und einer Nettogewinnmarge von bis zu **67 %**. Von 100 Euro Umsatz mit digitaler Infrastruktur fließen 67 Euro direkt in den Gewinn.
## Uruguay, Zeitplan und Absicherung gegen die spanische Politik
Der Zeitplan des uruguayischen Projekts hat konkrete Daten. Das endgültige Projekt wird im **Mai 2027** unterzeichnet, die Bauarbeiten beginnen **2029**. Wenn die digitale Infrastruktur ihre geplante Maximalkapazität von **500 MW** erreicht, werden Mietzahlungen sowie Hosting- und Konnektivitätsdienstleistungen an die Internetriesen eine weit höhere Marge bringen als der einfache Stromverkauf. Analysten schätzen, dass die Digitalinfrastruktur-Sparte nach Inbetriebnahme der ersten Phase 2029 von einem Bruchteil des Gewinns auf mehr als die Hälfte des gesamten operativen Konzernwerts steigen wird. Der strategische Plan sieht ein Konzern-EBITDA von **521 Millionen Euro** bis **2028** vor, und manche rechnen damit, dass die Datenzentrumssparte nach vollständigem Betrieb der ersten 500 MW mehr als **150 Millionen Euro jährlich** zum Nettogewinn beitragen wird.
Dieses langfristige Wachstum hängt nicht davon ab, was im spanischen Abgeordnetenkongress passiert. Die Absichtserklärung ist in Uruguay und mit UTE unterzeichnet, und die rechtliche und steuerliche Stabilität des Projekts ändert sich nicht mit der politischen Farbe der spanischen Regierung. Zum Geschäft in Spanien haben die großen Finanzhäuser die möglichen Auswirkungen eines Regierungswechsels nach den Wahlen vom **29. November 2026** analysiert. **Goldman Sachs** verweist darauf, dass eine Regierung der PP (Volkspartei) marktorientiertere Energiepolitiken verfolgen würde, was die strengen Zeitvorgaben des Gesetzentwurfs für Datenzentren lockern könnte, der verlangt, 80 % des Verbrauchs stundengenau mit erneuerbaren Energien zu decken, und jedes neue digitale Megawatt an eine 18 Monate zuvor errichtete grüne Anlage koppelt. Bei den erneuerbaren Energien ist der Spielraum jeder spanischen Regierung durch die Dekarbonisierungsverpflichtungen und die aus Brüssel vorgegebenen Mittel des Aufbauplans begrenzt.
Die aktuelle Nettokreditverschuldung von Solaria liegt bei **1.329 Millionen Euro**. Zusätzliche 140 bis 160 Millionen Dollar, gestaffelt zwischen 2027 und 2029, bringen ihre Kennzahlen nicht aus dem Gleichgewicht, zumal wenn das Datenzentrumsgeschäft in Spanien bis dahin ein deutlich höheres EBITDA als heute liefert. Das Unternehmen plant, seinen Capital Markets Day am **19. November** abzuhalten – ein Termin, bei dem der Einzelheiten zum Zeitplan und zur Struktur des uruguayischen Projekts erwartet.
All dies ist eine Analyse eines angekündigten Geschäftsmodells, keine Anlageempfehlung. Die Zeiträume sind lang, die Projektionen sind Projektionen, und der Kurs kann sich aus Gründen bewegen, die mit Uruguay nichts zu tun haben. Jeder Anleger sollte vor Entscheidungen mit seinem Geld einen Fachmann konsultieren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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