Sohn des TC-Präsidenten wegen Vergewaltigungsvorwurfs festgenommen

Der Sohn des Präsidenten des Verfassungsgerichts wird nach einer Anzeige wegen Gruppenvergewaltigung ohne Auflagen freigelassen, während das Amnestiegesetz beraten wird.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sohn des TC-Präsidenten wegen Vergewaltigungsvorwurfs festgenommen
Sohn des TC-Präsidenten wegen Vergewaltigungsvorwurfs festgenommen

Ein 43-jähriger Strafverteidiger und Sohn des Präsidenten des Verfassungsgerichts (Tribunal Constitucional) wurde nach einer Anzeige einer Frau wegen mutmaßlicher Gruppenvergewaltigung in seiner Villa im Madrider Stadtteil San Blas vorläufig festgenommen und anschließend ohne Sicherungsmaßnahmen auf freien Fuß gesetzt. Das Besondere ist nicht nur der Name. Es ist der Zeitpunkt: Der Fall taucht mitten in den Beratungen über das Amnestiegesetz auf – genau jenes Gesetz, das sein Vater, Cándido Conde Pumpido, als Präsident des Verfassungsgerichts prüfen muss. Für manche sind das zu viele Zufälle. Für andere sprechen die Vorgeschichten für sich.

Die Anschuldigungen und die medizinische Untersuchung

Wie berichtet, nahm die Nationalpolizei Cándido Conde Pumpido Varela zusammen mit zwei weiteren Männern nach der Anzeige einer brasilianischen Staatsangehörigen fest. Die junge Frau wurde ins Krankenhaus La Paz gebracht, wo das Protokoll für sensual Gewalt aktiviert wurde. Laut Berichten bestätigte die ärztliche Untersuchung Verletzungen, die mit einer Vergewaltigung vereinbar waren; die Frau musste stationär behandelt werden. Sie identifizierte die drei Männer, die daraufhin festgenommen wurden.

Die Verteidigung vertritt eine andere Version. Der Anwalt des Beschuldigten erklärte, die Klägerin wirke wie eine Prostituierte, falls sie es denn nicht sei. Diese Aussage allein erklärt einen Großteil der folgenden Empörung. Die Richterin ließ ihn schließlich frei.

Die Richterin und die unbestätigte Verwandtschaft

Hier beginnt der Aspekt, der alles vergiftet. Die ermittelnde Richterin und die Staatsanwältin, die von Amts wegen gegen Luis Rubiales wegen des Kusses an Jenni Hermoso ermittelt hatte, sollen Schwestern sein, so behaupten verschiedene Analysen. Gleicher Familienname, gegensätzliche Maßstäbe: In einem Fall wird von Amts wegen wegen einer Geste gehandelt; im anderen Fall verhindert ein Bericht, der auf Vergewaltigung hindeutet, die Freilassung nicht. Eine offizielle Bestätigung dieser Verwandtschaft gibt es nicht, aber der Vergleich wurde oft angestellt.

Vater am TC, Mutter beim CGPJ

Das familiäre Umfeld des Beschuldigten ist kein Detail am Rande. Sein Vater leitet das Verfassungsgericht, das Organ, das über die Verfassungsmäßigkeit des Amnestiegesetzes entscheiden muss. Seine Mutter, Clara Martínez de Careaga, ist Richterin am Fünften Senat des Obersten Gerichtshofs (Tribunal Supremo) und Mitglied des Allgemeinen Rates der Justiz (Consejo General del Poder Judicial), wo sie die Kommission für Gleichstellung leitet. Dass die Gleichstellungsbeauftragte des Richterrats die Mutter eines Beschuldigten wegen sens Gewalt ist, ist zumindest eine unbequeme Schlagzeile.

Die ihm zugeschriebenen Vorstrafen

Auch die Vorgeschichte hilft nicht weiter. Laut zitierten Informationen war er wegen Geldwäsche im Zusammenhang mit einer Zuhälterbande unter Verdacht, wobei 1,09 Millionen Euro in Banknoten beschlagnahmt wurden. Im September soll er festgenommen worden sein, weil er Unternehmer angeblich mit einer Pistole bedroht habe, um eine Schuld einzutreiben. Nichts davon ist ein rechtskräftiges Urteil. Alles ist bisher Material aus Ermittlungen und Pressearchiven.

Die anderen Festgenommenen und der Phantomname

Die beiden anderen Festgenommenen haben Namen: Fidel Emilio Cerecedo Mandillo und Mayker Isaac Ramírez Rivera. Von dem ersten wurden binnen Minuten Fotos und Daten veröffentlicht. Von dem zweiten fast nichts: Er verschwand aus den sozialen Medien, seine Spur wurde schwer fassbar. Dieses Ungleichgewicht zwischen zwei Mitbeschuldigten hat alle möglichen Theorien darüber genährt, wer im Haus in San Blas wer ist. Wenn ein Aktenzeichen einen Namen enthält, der verschwindet, entstehen Lücken in der Erzählung.

Freilassung ohne Auflagen und Krankenhausaufenthalt

Die Freilassung ohne Annäherungsverbot war die erste Wendung. Die Richterin war der Ansicht, dass die im Haus aufgenommenen Videos die Version der Klägerin entkräften würden. Wochen später tauchte der Beschuldigte selbst mit einer unerwarteten Erklärung wieder auf: Er arbeite als Lieferfahrer bei Glovo. Zuvor war er wegen selbstverletzendem Verhalten und Angstzuständen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Der Mann, der eines Tages mit einer Pistole drohte und am nächsten Bestellungen auslieferte. Dieses Drehbuch hat niemand geschrieben.

Die mediale Aufarbeitung des Falls

Die Angelegenheit ist zur Munition für alle Seiten geworden. Ein Teil nutzt sie, um die Regierung und die Justizspitze anzugreifen; ein anderer schweigt dazu. Im öffentlichen Fernsehen nannte ein Moderator die Klägerin versehentlich „Beschuldigte“, bevor er sich korrigierte – ein Versprecher, der zusammenfasst, wie hier berichtet wird. In Spanien gilt laut Gesetz die Unschuldsvermutung. Je nach Nachnamen scheint es manchmal auch noch etwas anderes zu geben.

Mit diesen Bausteinen lautet die Frage nicht, ob es zum Prozess kommt. Sondern ob jemand mit diesem Nachnamen je auf der Anklagebank sitzt oder ob die Akten wie so viele andere eingestellt werden. Und ob der Vater in der Zwischenzeit weiterhin das Gericht präsidiert, das entscheidet, was verfassungsgemäß ist und was nicht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (677 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver