Smartphones und Uniformität lassen Subkulturen verschwinden

Weniger Jugendliche, mehr Bildschirmzeit und tote Konzertszene: So lösen sich urbane Subkulturen in einer immer uniformeren Jugend auf.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Smartphones und Uniformität lassen Subkulturen verschwinden
Urbane Subkulturen: Weniger Straße, mehr Bildschirm, alles gleich

Die heute um die Fünfzigjährigen wuchsen damit auf, Heavy Metal-Fans von Skinheads anhand ihres Aussehens, ihres Viertels und der Art ihrer Konzerte zu unterscheiden. Vier Jahrzehnte später sieht das Bild dieser Generation anders aus: Jugendliche auf E-Scootern, mit Helm, Jogginganzug und derselben Kappe. Von der alten urbanen Fauna – Rocker, Punks, Rapper, Skins, Yuppies, Ballermann-Gänger, Goths – sind nur noch Überreste übrig.

Es geht nicht um Nostalgie für das Viertel. Es geht um Wirtschaft. Urbane Subkulturen waren nie nur Ästhetik: Sie waren geschlossene Märkte, Freizeitkreisläufe und Konsumnetzwerke, die funktionierten, weil man sein Haus verlassen musste, um Gleichgesinnte zu finden. Dieser Mechanismus ist auf mehreren Wegen gleichzeitig gebrochen worden, und keiner davon erfordert eine Verschwörung.

Die Straße ist nicht mehr der Ort, an dem sich Menschen treffen

Das am häufigsten angeführte Argument verweist auf eine einzige materielle Veränderung: Beziehungen entstehen nicht mehr auf dem Bürgersteig. Wer früher mit seinesgleichen zusammenkommen wollte, musste zu einem Konzert, in eine Bar oder auf einen Platz gehen. Jetzt findet man sie online, ohne vom Sofa aufzustehen. Das Internet, das versprach, die Vielfalt zu vervielfachen, hat das Gegenteil bewirkt: Es drängt junge Menschen in dieselbe Richtung, weil alle denselben Inhalt schauen und dieselben sozialen Netzwerke frequentieren.

Es gibt eine zweite, weniger offensichtliche Ebene. Subkulturen brauchten Knappheit. Wenn Musik, Kleidung oder Vorbilder nur tröpfchenweise verfügbar waren, schloss sich jede Subkultur ab und grenzte sich ab. Mit einem unendlichen Katalog, der in der Hosentasche verfügbar ist, löst sich die Mystik des Ghettos auf. Warum eine ganze Ästhetik mieten, wenn man jedes Fragment an einem Wochenende kopieren kann?

Diese Nuance ist wichtig, weil sie die Nostalgie entkräftet. Man sehnt sich nicht nach einer besseren Jugend, sondern nach einer konkreten Infrastruktur – Lokale, günstige Konzerte, bildschirmfreie Freizeit –, deren Aufbau heute schwieriger ist. Wenn diese Infrastruktur verschwindet, wandert die Gruppenidentität an den einzigen Ort, wo sie weiterhin kostenlos und massenhaft existiert: ins Netz.

Weniger Jugendliche, weniger Konzerte und weniger Zeit auf der Straße

Die Demografie setzt diesem Phänomen eine harte Untergrenze. Ein Großteil jener Subkulturen war ein importiertes Produkt der Amerikanisierung und im Grunde ein internationales Phänomen: Die Globalisierung hat sie weder geschaffen noch getötet, aber erklärt, warum die verbleibenden so sehr zwischen den Ländern ähneln. Sie formten sich um Bandkonzerte herum. Diese Szene ist fast vollständig erloschen: Live-Musik hat ihre Funktion als Treffpunkt verloren, und Fußball, der an Spieltagen auch Gruppen konzentrierte, ist zu einer wohlhabenderen und weniger lautstarken Leidenschaft geworden.

Hinzu kommt der Einbruch der Zeit auf der Straße. Eine kleinere Generation mit mehr Bildschirmen und mehr häuslicher Freizeit – Videospiele, Prono, Streaming-Plattformen – hat weniger Stunden auf dem Bürgersteig und weniger Gründe, eine Gruppenidentität gegenüber anderen Gruppen zu entwickeln. Die frühere Heftigkeit war keine Tugend: Sie war der Preis dafür, physischen Raum zu teilen und um ihn zu konkurrieren.

Warum ähnelt der aktuelle Anti-Establishment so sehr dem nebenan?

Weil der Rahmen uniformiert wurde, und dies ist der umstrittenste Teil der ganzen Angelegenheit. Eine Strömung behauptet, die Jugend sei angepasster als je zuvor: Sie unterstützt mehrheitlich die offizielle Linie bei Klima, Gleichstellung, Impfungen und Außenpolitik und lässt als einzigen echten Widerstand den gegen den Konsens übrig. Der Einwand ist berechtigt: Vielleicht gibt es keine Unterwerfung, sondern einen breiten gesellschaftlichen Konsens, der jede Abweichung aufgefressen hat.

Was kaum jemand bestreitet, ist der ästhetische Effekt. Rebellion ist zur Uniform geworden: Tattoos auf allen Armen, dieselbe Kleidung, dieselben Gesten und dieselben Apps. Ein Gymnasiallehrer beschreibt es ohne Beschönigung: Es gibt ganze Jahrgänge, die dasselbe hören, sich gleich kleiden und dieselben Anxiolytika konsumieren. Die Paradoxie ist perfekt: Je mehr die Einzigartigkeit proklamiert wird, desto ähnlicher sehen alle aus.

Digitales Flirten und Theorien der Uniformität

Es gibt Thesen für jeden Geschmack. Die frivolste scheint die wirksamste: Wenn das Ziel der Jugendlichen das Flirten war und dieses nun über Apps läuft, verlieren Subkulturen ihre Funktion als Schaufenster. Die schonungsloseste Analyse reduziert den Markt auf drei erfolgreiche Profile – der klassische Schönling, der Typ mit Trap-Ästhetik und Jogginganzug, der Angehörige einer sehr spezifischen Nische – und lässt jeden außen vor, der nicht passt. Alle anderen imitieren diese drei Modelle. Und Imitation ist genau das Gegenteil einer Subkultur.

Andere Erklärungen sind älter oder düsterer. Man weist auf die Uniformität als natürliche Tendenz reifer Gesellschaften hin, mit dem Beispiel des Römischen Reiches: anfangs diverse Völker und Sprachen, am Ende eine einzige Verwaltung und ein einziger Glaube. Auch ein verdächtiges physikalisches Element wird erwähnt, das Blei im Benzin, das mehrere Generationen atmeten, und es zirkulieren Theorien über soziale Fragmentierung als Kontrollinstrument. Letztere sollte man dort belassen, wo sie sind: ohne Beweise.

Der Punkt, an dem die Analyse feststeckt

Niemand kann ganz erklären, warum es in Großstädten trotz des Drucks zum gleichen Gussformmodell immer noch sichtbare Vielfalt gibt, mit neuen Untergruppen und erkennbaren Ästhetiken. Vielleicht sind die Subkulturen nicht tot: Vielleicht sind sie kleiner, kürzerlebig und schwerer von der Straße eines Schlafstadtviertels aus zu erkennen.

Was sicher erscheint, ist die Auflösung der alten Fauna. Heavy Metal-Fans, Punks und Goths gelten als ausgestorben; Rapper haben sich in Trap-Künstler verwandelt; Yuppies sind nie gegangen. Der Rest ist eine Masse mit demselben Jogginganzug und demselben Smartphone. Die Möglichkeit bleibt offen, dass die Frage falsch gestellt ist: Vielleicht fehlen nicht die Subkulturen, sondern die Straßen, um sie zu bilden.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (152 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver