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Silvia Intxaurrondo und die Lüge, die niemand mehr widerlegt
Silvia Intxaurrondo warnt, dass Lügen zur Normalität werden – die Antwort ist ein gegenseitiges Beschuldigen, wer mehr lügt, mit Ceuta und seinen 84 Toten als…
Die normalisierte Lüge: von Intxaurrndos Warnung zum „du lügst noch mehr“
Silvia Intxaurrondo sagte im Fernsehen, dass es zunehmend normalisiert werde, dass jemand lügt, widerlegt wird und trotzdem weiterredet, als wäre nichts gewesen. Der Satz, verbreitet von infoLibre, ist eine unbequeme Diagnose, eine von denen, die die Zuhörer genauso zeichnen wie den Sprecher selbst. Die Reaktion darauf war eine Kette von Vorwürfen darüber, wer mehr lügt. Das ist die eigentliche Schlagzeile: Der Lügensvorwurf ist zur Wurfmasse aller gegen alle geworden.
Was Intxaurrondo sagte und warum es wehtut
Die Journalistin moderiert La Hora de la 1, die Morgensendung von TVE, und ihr Beitrag richtete den Blick auf einen wohlbekannten Mechanismus: Jemand behauptet etwas Falsches, wird mit Daten widerlegt und tritt trotzdem weiter auf, als wäre nichts gewesen. Das ist keine Neuigkeit. Bemerkenswert ist der Rahmen. Ein öffentlich-rechtlicher Sender, zur besten Sendezeit am Vormittag, stellt fest, dass die Widerlegung nichts mehr kostet.
In der Diskussion spaltete sich die Reaktion sofort. Die einen halten, wer das jetzt erst entdecke, habe jahrelang nicht hingesehen, und das Problem sei nicht die Kritik, sondern die Bühne, von der aus sie geäußert werde. Andere geben ihr uneingeschränkt recht: Die Lüge ohne Kosten ist das Kennzeichen des öffentlichen Lebens. Und eine dritte Gruppe, die lauteste, schlägt einfach zurück. Die Klage wird mit verdächtiger Leichtigkeit gegen denjenigen gewendet, der sie äußert.
Das „du lügst noch mehr“ als automatischer Reflex
Fast kein Beitrag ging auf die Sache ein. Die meisten antworteten nach dem Lehrbuch der Umkehrung: den Vorwurf zurückgeben, bevor man ihn prüft. Wenn man dir Lügen vorwirft, wirf du dieselben vor – und wenn möglich, lauter. Im Schlagabtausch fiel alles: der Verdacht gegen einen Ex-Minister, der angeblich mit Korruption in Verbindung gebracht worden war, und die Dementi des Ministerpräsidenten selbst; der Vorwurf, bestimmte Medien agierten als Verlautbarungsorgan der Regierung; die Gegenbeschuldigung gegen Sender, die der Opposition dienen.
Manche fassen den Mechanismus in eine klassische Formel: dem Gegner die eigenen Mängel anhängen und Angriff mit Angriff beantworten. Ein altes Handbuch mit neuen Kürzeln. Aufschlussreich ist, dass niemand den Kern von Intxaurrndos Aussage bestreitet; alle streiten darüber, wessen Schuld es ist.
Ceuta, 84 Tote und der gegenseitige Vorwurf
Während das Gespräch um die Lüge kreiste, verlagerte eine zitierte Meldung den Fokus auf Ceuta. Die Zahl der Toten in der Migrationskrise der spanischen autonomen Stadt war auf 84 gestiegen, einschließlich der von der Guardia Civil (spanische Paramilitärpolizei) und der marokkanischen Polizei geborgenen Toten. Die Zahl, verbreitet von einem digitalen Medium, diente einem weiteren Vorwurf: Warum wird für diese Vorfälle keine gleiche Richtigstellung verlangt? Die Zahl wird als Munition einer Seite abgefeuert, nicht als Analysematerial behandelt.
Darin liegt das perfekte Beispiel für den Mechanismus, den Intxaurrondo anprangerte. Eine tragische Zahl hört auf, eine Tragödie zu sein, und wird zum Argument. Und die eigentliche Frage – wer für die Folgen verantwortlich ist – wird unter dem Streit begraben, wer welche Schlagzeile gebracht hat. Die Zahl liegt auf dem Tisch; das Schweigen darum ebenso.
Kostet eine Lüge Wählerstimmen?
Eine Richtung zeigt auf das Unangenehmste. Es wird behauptet, die Mehrheit der Wählerschaft bestrafe Lügen nicht: Wer lügt, verliert keine Stimmen, und wer sich beleidigt zeigt, gewinnt auch keine. Die logische Folge ist, dass der Anreiz zur Korrektur verschwindet – und mit ihm der Nutzen der Widerlegung. Die Parteien wüssten das seit Jahren und handelten entsprechend: Sie beleidigen nur die wenigen, denen es noch wichtig ist, und zahlen dafür keinen Preis an der Wahlurne.
Auch das Gegenargument kursiert. Es ist nicht so, dass der Wähler nicht bestraft: Es ist so, dass das Mediensystem die Grabenkämpfe belohnt. Jeder Sender hat sein Publikum, jedes Publikum seine Erzählung, und kaum jemand wechselt wegen einer Faktenprüfung die Seite. In diesem Rahmen hört Intxaurrndos Aussage auf, eine Diagnose zu sein, und wird zur Prophezeiung: Wenn das Dementi keine Folgen hat, ist die Lüge kein Risiko mehr, sondern eine Strategie.
Die Journalistin sagte laut aus, was viele denken und fast niemand in einem öffentlichen Fernsehstudio ausspricht. Der sofortige Vorwurf galt nicht dem Kern, sondern ihrer angeblichen Parteilichkeit. Die Frage bleibt in der Luft, und sie ist nicht rhetorisch: Wäre derselbe Satz aus einem anderen Mund gekommen, wäre das Dementi genauso schnell gefallen?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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