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Severodonetsk: Die ukrainische Gegenoffensive und ihre Folgen
Die ukrainische Gegenoffensive in Severodonetsk im Juni 2022 eroberte Teile der Stadt zurück, führte jedoch zu einer raschen Einkesselung.
Innerhalb weniger Tage wandelte sich die ukrainische Gegenoffensive in Severodonetsk vom Beweis für einen russischen Fehler zum Problem mit nur einem Ausweg. Anfang Juni 2022 bestätigten pro-russische Berichte, dass die Truppen aus Kiew wieder in die Stadt eingedrungen waren und bis zur Hälfte des Stadtgebiets sowie das benachbarte Metolkine zurückerobert hatten. Die Erzählung drehte sich um den vermeintlichen Rückzug, durch den Ukraine dem Invasor maximale Verluste zufügen wollte. Der Optimismus hielt nur so lange an, bis der nächste Lagebericht eintraf.
Die Finte, die zur Sackgasse wurde
Die Darstellung war einfach: Zunächst schienen die ukrainischen Streitkräfte Severodonetsk aufzugeben, während Russland vorrückte; dann folgte die Kehrtwende mit Verstärkungen und Gegenangriffen. Berichten zufolge wurden bis zu 20% des Stadtgebiets zurückerobert. Ein deutscher Analyst fasste zusammen, dass die pro-ukrainischen Kräfte nach einer simulierten Flucht massiv zurückkehrten. Das unbequeme Detail: Etwa 5.000 Zivilisten blieben inmitten eines harten Häuserkampfes gefangen.
Der physische Engpass war offensichtlich. Die Stadt wurde über eine einzige Brücke nach Lyssytschansk versorgt. Wer diese Route kontrollierte, bestimmte den Ausgang der Schlacht.
Verteidigung mit nur einem Nachschubweg: Ein strategischer Fehler
Sobald bestätigt wurde, dass weitere Truppen in die Tasche geschickt wurden, entstand Kritik. Eine Position mit nur einer Versorgungsstraße, die Artilleriefeuer ausgesetzt ist, zu verstärken, macht jede Verteidigung zu einem riskanten Spiel. Skeptiker argumentierten, ein geordneter Rückzug und die Zerstörung der Brücken seien klüger als die Entsendung von Kräften in eine Falle. Im Gegensatz zu historischen Beispielen wie Bastogne oder Stalingrad fehlte hier ein vorbereiteter Gegenstoß im Hintergrund.
Die Gegenargumentation lautete: Die Stadt selbst sei sekundär. Wichtig sei es, den Invasor abzunutzen, der sie aus politischen Gründen um jeden Preis nehmen musste. Jeder Tag Häuserkampf kostete die Angreifer Material und Leben, was angeblich zum Einsatz veralteter Panzer führte.
Beide Narrative konnten nicht gleichzeitig wahr sein. Der Kalender entschied.
Wer verliert mehr Menschen? Der Streit um Zahlen
Hier herrschte totale Uneinigkeit. Auf der einen Seite die Behauptung, russische Kräfte hätten eine Verlustquote von acht zu eins gegenüber Ukrainern erlitten, wobei 40% dieser Verluste auf ehemalige Bewohner der Ukraine entfielen. Auf der anderen Seite die Ansicht, das Konzept des "Abnutzungs" sei Propaganda: Langsame Angriffe führen zu weniger eigenen Verlusten.
Angesichts von Vorwürfen wegen Massakern – dokumentierte Gräber in Mariupol und Vorfälle in Butscha – wurde der Ton schärfer. Wer die Invasion als "Polizeioperation" bezeichnete, sah sich dem Argument gegenüber, dass Polizeioperationen keine Marschflugkörper einsetzen. Keine dieser Anschuldigungen wurde hier als rechtskräftiges Urteil validiert; zum Zeitpunkt der Diskussion handelte es sich weiterhin um gegenseitige Vorwürfe.
Mariupol als Vorbild: Azovstal, zweimal
Das oft zitierte Beispiel war das Stahlwerk Asow-Stal. Dort endete eine Garnison von 14.000 Soldaten mit etwa 3.500 Gefangenen; der Rest war tot oder zerstreut. Die Schlussfolgerung: Die Verstärkung einer industriellen Festung mit prekärer Versorgung führt zum gleichen Szenario, diesmal mit mehr ausländischen Kämpfern und höherem medialen Kostenfaktor.
Im Forum wurde auch argumentiert, dass das Industriegebiet von Severodonetsk, der Komplex Azot, noch nicht gefallen sei und dort der Kampf Haus für Haus stattfinde. Dieser Ringen um ein Industriegebiet wurde als exaktes Echo von Mariupol gelesen: zwei Belagerungen, ein wahrscheinliches Ende. Es blieb abzuwarten, wie schnell sich dies wiederholen würde.
Drei Wochen später zog man Bilanz
Der prognostizierte Zeitraum von zwei bis drei Wochen traf ein. Die letzte Brücke zwischen Severodonetsk und Lyssytschansk wurde zerstört, womit der einzige sinnvolle Weg für Nachschub und Verstärkung abgeschnitten war. Soldaten und internationale Freiwillige in der Chemiefabrik waren nun praktisch isoliert, außer durch Schwimmen oder provisorische Furten.
Die Entwicklung ließ widersprüchliche Prognosen offen. Wer den schnellen Zusammenbruch Russlands vorhersagte, wartete vergeblich; wer den nahen Kollaps der russischen Armee ankündigte, wartet immer noch. Selenskyj besuchte den Frontvorsprung mitten in der Schlacht, ein Zeichen der Standhaftigkeit, kurz bevor die Realität auf der Karte diesem Gestus widersprach.
Die erschütternde Tatsache ist nicht eine spezifische Zahl oder Karte: Es ist die Erkenntnis, dass die Einnahme einer Stadt der Größe von Getafe unter konzentriertem Artilleriefeuer und ohne Zeitdruck 95 Tage dauerte. Bei diesem Tempo stellt sich die Frage, wie viele solche "Finten" möglich sind, bevor die Stadt, die Armee oder die narrative Unterstützung für beide Seiten ausgehen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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