Schweden vermehrt Milliardäre ohne Proteste

Schweden hat mehr Milliardäre pro Kopf als die USA; nur 32% fordern hohe Steuern für Reiche. Die steuerlichen Schlüssel zum schwedischen Erfolg.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Schweden vermehrt Milliardäre ohne Proteste
Schweden vermehrt Milliardäre ohne Proteste

Schweden hat mehr Dollar-Milliardäre pro Kopf als die Vereinigten Staaten und auf dem Papier reichlich Grund für Empörung. Es ist nicht empört. Das skandinavische Land gehört zu den europäischen Ländern mit der besten Haltung gegenüber Marktwirtschaft und Vermögensakkumulation, ein Faktum, das die These des Finanzanalysten Ruchir Sharma im Financial Times widerlegt, wonach steigende Vermögen zu antikapitalistischen Aufständen führen könnten.

Die oft zitierte Zahl von 45 Milliardären stammt aus der Forbes-Liste. Für die politische Debatte ist eine andere relevant: 32 Dollar-Milliardäre leben in Schweden, 13 im Ausland. Selbst mit dieser Anpassung übersteigt die schwedische Quote die amerikanische. Die interessante Frage ist nicht, wie viele es gibt, sondern warum das Land, einst Vorzeigefall des demokratischen Sozialismus, sie nicht mehr negativ betrachtet.

Vom Exodus der Unternehmer zur Rückkehr des Kapitals

Jahrzehntelang trieben konfiskatorische Kapitalsteuern und Verstaatlichungsdrohungen erfolgreiche Unternehmer aus dem Land. Sie nahmen ihre Firmen, ihr Geld und ihre Ideen mit. Der meistzitierte Fall ist IKEA-Gründer Ingvar Kamprad, der Schweden wegen Steuerdruck und Lohnfonds verließ. Die Folge waren weniger Wachstum, weniger Arbeitsplätze und weniger Wohlstand.

Das schwedische Parlament reagierte einstimmig: 2004 schaffte es Erbschafts- und Schenkungssteuern ab und tat dies einige Jahre später auch mit der Vermögenssteuer. Das erklärte Ziel war, die Übergabe von Familienunternehmen zu erleichtern und Unternehmer zur Rückkehr zu bewegen. Einige kehrten zurück, aber der entscheidende Effekt war ein anderer, damals weniger sichtbar: Die bereits Anwesenden hörten auf zu gehen. Sie begannen, Unternehmen zu entwickeln, Projekte zu starten und in Schweden zu investieren, statt Steueroasen zu suchen.

Warum der schwedische Markt zum Neid Europas wurde

Weil Geld einen Platz findet. Der schwedische Venture-Capital-Markt operiert global, und das Land ist zur Referenz für die Europäische Kommission und die OECD geworden, die einen breiteren Kapitalmarkt nachahmen wollen, der erfolgreiche Unternehmen finanzieren kann. Letztes Jahr titelte das Financial Times, dass die schwedische Börse zum Neid Europas geworden sei.

Zahlen stützen die Erzählung: Im letzten Jahrzehnt sind 501 Unternehmen in Schweden an die Börse gegangen, mehr als die kombinierten Börsengänge Frankreichs, Deutschlands, der Niederlande und Spaniens. Laut der Europäischen Investitionsbank belegt Stockholm den zweiten Platz weltweit bei Einhorn-Unternehmen pro Kopf, nur hinter dem Silicon Valley. Ein Land mit zehn Millionen Einwohnern vor viel größeren Mächten.

Schweden und seine Reichen: Umfragen widersprechen dem Drehbuch

Zwei Ipsos-MORI-Umfragen in Schweden, veröffentlicht in einem Artikel der britischen Zeitschrift Economic Affairs, zeigen deutlich positivere Einstellungen gegenüber Reichen als in Spanien, Frankreich, Deutschland oder Italien. Bezüglich der Marktwirtschaft übertrifft nur Polen Schweden unter den analysierten europäischen Ländern. Nur 32% der Schweden glauben, dass Reiche sehr hohe Steuern zahlen sollten.

Diese Daten verschärfen sich bei Betrachtung der Einkommensgruppen: Unter denen, die weniger als 300.000 SEK jährlich verdienen, lehnen 47% die Idee ab, dass die Belastung der Reichen übermäßig sei, gegenüber 37%, die sie erhöhen würden. Das Pew Research Center bestätigt diesen Trend in seiner globalen Studie: Schweden und Polen haben den niedrigsten Anteil an Bewohnern, die Ungleichheit als Problem betrachten.

Das sozialdemokratische Experiment, das niemand wiederholen will

Die lange Geschichte hilft beim Verständnis. Schweden war eines der ärmsten Länder Europas, als am 18. Juni 1864 der Freihandel eingeführt wurde. Zwischen 1870 und 1970 erlebte es intensives BIP-Wachstum pro Kopf bis 1950. Dann folgten lange sozialdemokratische Regierungen, eine schrittweise Radikalisierung und geschäftsfeindliche Politiken, mit Höhepunkt in den 1970er Jahren.

Heute lehnen selbst sozialdemokratische Führer jede Idee ab, Erbschafts- oder Vermögenssteuern wieder einzuführen. Das Experiment liegt hinter ihnen, und das Land ist dagegen immunisiert. Die offene Diskussion ist eine andere: Ob dieses Modell des freundlichen Kapitalismus Migrationsdruck, Überalterung und Steuerwettbewerb der Nachbarn überlebt. Mit diesen Grundlagen ist es vernünftig, mehr Börsengänge und mehr Einhörner zu erwarten. Was ungeschrieben bleibt, ist, wie lange die Ruhe anhält.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (121 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver