Schulden, Tattoos und Lärm: Spaniens Kultur-Indikatoren

Eine viral gegangene Liste in Spanien führt geringe Bildung auf Konsumverschuldung zurück. Kritiker sehen darin jedoch eher einen Indikator für das Einkommen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Schulden, Tattoos und Lärm: Spaniens Kultur-Indikatoren
Schulden, Tattoos und Lärm: Indikatoren für geringe Bildung

Kann man an Auto, Zähnen oder Kontoauszug erkennen, ob jemand gebildet ist? Das versucht eine seit über zwei Jahren kursierende Liste zu beantworten, die hunderte Kommentare gesammelt hat und weiter wächst: ohne Quelle, ohne Methode, mit einer Mischung aus Überprüfbarem und bloßem Ärgernis. Sie begann mit elf Signalen und ist heute ein Katalog fremder Gewohnheiten. Die Kernfrage – misst dies Kultur oder Einkommen – bleibt offen.

Die elf Startsignale: von Übergewicht bis zum Fan-Shirt

Die ursprüngliche Liste vermischt sehr verschiedene Themen: Übergewicht, iPhones und kreditfinanzierte Reisen, der Glaube, Newton habe Kekse erfunden, Fußball-Trikots überall tragen, laut sprechen, Reisebilder auf Instagram, Juli-August-Urlaub am vollen Mittelmeerstrand, schlechte Zahnpflege, gelegentliches Rauchen oder Drogenkonsum sowie mangelnde Hygiene. Danach fügt jeder hinzu, was ihm einfällt: Tattoos, Shirts mit zufälligen englischen Wörtern, Kappen (besonders drinnen) und Rechtschreibfehler. Auch Aufkleber am Auto und die Angewohnheit, Bekannte nach Beruf und Gehalt zu fragen, tauchen auf.

Das Inventar hat eine Tugend und einen Fehler. Die Tugend ist, dass es sich in drei Sekunden visuell überprüfen lässt. Der Fehler ist, dass fast alles durch die Rechnung erklärt wird: Zahnarzt, Fitnessstudio, Kleidung, Urlaub.

Übergewicht: vom Statussymbol zur Klassenzugehörigkeit

Einer der umstrittensten Punkte ist das Körpergewicht. Ein wiederholtes Argument besagt, dass Fettleibigkeit in Mangelgesellschaften ein Statussymbol war und heute als Marker für niedrige soziale Klasse fungiert, weil billiges Essen kalorienreich ist und Zeit zum Kochen oder Trainieren in den unteren Einkommensschichten knapp ist. Die Gegenreaktion kommt schnell: Was hat Gewicht mit der Kultur eines Menschen zu tun? Ein dritter Ansatz fügt hinzu, dass die Statur auch von Genetik und verfügbarem Einkommen abhängt, nicht davon, welche Bücher man gelesen hat.

Zähne und Hygiene hängen nicht immer vom Urteilsvermögen ab

Bei den Zähnen passiert Ähnliches, und hier ist der Einwand ökonomischer Natur. Es wird darauf hingewiesen, dass hochgebildete Personen oft prekäre Jobs hatten und sich keine Behandlung leisten konnten, und dass Zahnfleischprobleme oder Entkalkungen weder von Hygiene noch von Interesse abhängen. In derselben Linie verteidigt ein anderer Strom, dass gelegentliches Rauchen oder Drogenkonsum alle Klassen durchdringt und niemanden unterscheidet.

Die unbequemste Verteidigung der Liste behauptet, Intelligenz und persönliche Nachlässigkeit gingen oft Hand in Hand: brillante Leute, die sich isolieren, etwas süchtig werden und schließlich Hygiene und Routine vernachlässigen. Selbstzerstörerisch, heißt es in der meistzitierten Zusammenfassung.

Lärm und Auspuff: wenn die Lautstärke die Botschaft ist

Lärm hat sich einen festen Platz verdient. Der Bedarf an konstantem Sound – Fernseher auf voller Lautstärke, verkettete Videos, Musik beim Essen – wird als ziemlich zuverlässiger Detektor für Ungebildetheit beschrieben. In dieselbe Familie gehört der manipulierte Auspuff: wer einen handgemachten Endtopf kauft, damit das Auto lauter klingt, im Gegensatz zu dem, der ein Modell kauft, das ab Werk laut ist. Die häufigste Schlussfolgerung ist, dass das Problem nicht der Ton ist, sondern das Bedürfnis, aufzufallen. Und die vernünftigste von allen: Man muss nur den Nachbarn nicht stören.

Autokredit, Golduhr und Meeresfrüchte: Ausgaben als Thermometer

Ostentativer Konsum nimmt das andere große Kapitel ein. Sich für den Kauf materieller Dinge zu verschulden – außer für die eigene Wohnung – gilt als Lehrbuchsignal. Das wiederkehrende Beispiel: 1.500 Euro monatlich für die Rate eines Premium-SUV zahlen, während der Partner 900 verdient. Dazu kommen die Golduhr mit dickem sichtbarem Band, der Mercedes oder BMW zweiter Hand aus Deutschland mit salzgefressenen Unterteilen und der SUV als Bonuspunkt.

Manche fügen Reisen hinzu: elf Monate im Jahr sparen, sich von fremdem Essen ernähren und das Zwölf-Monats-Budget in zehn Tagen an einem Ziel fünf Flugstunden entfernt ausgeben, mit 37 Fotos und keinem Museumsbesuch. Und wer mit dem größten Bildschirm im Wohnzimmer prahlt, verrät laut dieser Schule seinen Besitzer.

Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Inflation kommen auf die Liste

Ab einem gewissen Punkt politisiert sich die Liste. Es erscheinen Wähler der beiden großen Parteien, die Flagge am Balkon als Armband, das republikanische Armband und Ablehnung oder Zustimmung zu bestimmten Sozialpolitiken je nach Unterzeichner. Ein Kommentar schreibt der massiven Ankunft qualifizierter ausländischer Arbeitnehmer die Lösung des Pensionsproblems zu und manipuliert dabei eine Verschuldung von über 170 % des BIP, mehr als zwei Millionen Arbeitslose und eine jährlich steigende Inflation: Zahlen ohne Quelle. Auf der Gegenseite zählt es laut einem anderen Beitrag, zu sagen, die Wirtschaft sei wie eine Rakete, oder Pilingui die Inflation anzulasten.

Es schleichen sich auch einige leugnerische Aussagen über die Pandemie oder das Klima ein, ohne jeglichen Beweiswert. Und eine Antwort, die beide Lager verwirrt: Nichts davon misst Kultur, es misst etwas anderes.

Der fehlende Indikator: sich um das Kulturniveau anderer kümmern

Am Ende wendet sich die Ironie gegen die Übung selbst. Jemand schlägt als endgültigen Indikator vor, „Listen mit Indikatoren für geringe Bildung zu erstellen“, und ein anderer deutet an, dass sich um das eigene Kulturniveau zu sorgen das Niedrigste überhaupt sei. Ein Beitrag erinnert an Unamuno, für den die einzigen gebildeten Menschen, die übrig blieben, Analphabeten waren. Ein anderer unterscheidet zwischen Intelligenzquotient und Kultur und behauptet, ersterer erkläre den sozioökonomischen Status viel besser als letztere.

Die Liste wächst auch nach über zwei Jahren weiter. Das nächste Zeichen geringer Bildung wird wahrscheinlich sein, daran teilgenommen zu haben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (258 Antworten).

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