León verliert 107.000 Einwohner, Valladolid wächst

Während Valladolid wuchs, verlor León in einem halben Jahrhundert 107.000 Einwohner. Die Debatte um die Hauptstadt von Kastilien und León bleibt offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

León verliert 107.000 Einwohner, Valladolid wächst
Valladolid und León: 107.000 Einwohner und eine unbestrittene Hauptstadtfunktion

Valladolid gewinnt, so sehen es seine Befürworter, bei fast allem, was messbar ist, und auch bei vielem, das nicht quantifizierbar ist. Der Vergleich mit León – einer geordneten Stadt mit Hochgeschwindigkeitszug (AVE), teuren Hotels und nur einer Stunde bis Madrid im Gegensatz zu einer anderen mit mittelalterlicher Altstadt, Universität und einem demografischen Problem, das sich nicht schönreden lässt – ist wieder ins Zentrum der öffentlichen Diskussion gerückt, stark politisiert und wenig neutral. Denn Daten gibt es. Und die meisten sind für jemanden unbequem.

Der Streit ist nicht neu. Seit ihrer Gründung als autonome Region schleppt Kastilien und León eine territoriale Spannung mit sich, die alle paar Monate wieder aufbricht: der Konflikt zwischen dem westlichen Teil, mit León als Bezugspunkt, und dem östlichen Teil, wo Valladolid faktisch die Hauptstadtrolle einnimmt, ohne dass dies, wie einige Teilnehmer behaupten, durch ein feierliches Dokument festgelegt wäre.

Was wird verglichen, wenn man Valladolid und León gegenüberstellt?

Auf der einen Seite wird eine saubere, gut vernetzte Stadt mit erstklassigen Diensten verteidigt: Hochgeschwindigkeitszüge, Hotels, deren Preise durch die Nachfrage gerechtfertigt sind, Restaurants der gehobenen Küche und ein historischer Park, der als bestgepflegtes grünes Lunge des Landesinneren beschrieben wird. Dem gegenüber steht das Bild einer düsteren Stadt mit engen Gassen, alternder Bevölkerung und einem Gastviertel, das eher durch den Umgang des Wirts als durch die Speisekarte bekannt ist.

Die Gegenargumente berufen sich auf das Kulturerbe. Kathedrale, Stadtmauer, Altstadt, Picos de Europa, Esla-Tal, Fleisch und Blutwurst (morcilla). Und universitäres Ambiente. In dieser Lesart wäre Valladolid eine Stadt ohne vergleichbare historische Kernstadt und mit einer unfertigen Kathedrale. Mit Ironie zu betrachten: In Valladolid wurde Philipp II. geboren, Christoph Kolumbus starb hier und die Katholischen Könige heirateten. Ihre Universität wurde 1241 gegründet; die von Alicante erst 1979. Sieben Jahrhunderte institutionelle Tradition lassen sich nicht improvisieren.

Die 107.000 Einwohner, die zwei Entwicklungslinien trennen

Die härteste Zahl ist die demografische. In den letzten fünfzig Jahren hätte León rund 107.000 Einwohner verloren, ein Rückgang von 19,23 %, während Valladolid wuchs. Die Provinz León, fast dreimal so groß wie Kantabrien, hat etwa 200.000 Einwohner weniger als die kantabrische Gemeinschaft. Addiert man die drei Provinzen des alten Königreichs, ergibt sich nach Ansicht der Kritiker eine der niedrigsten Bevölkerungsdichten Europas.

Die Größe der Provinz liefert Argumente für die Gegenseite: Die Provinz Valladolid ist viermal größer als Guipúzcoa und Biskaya und anderthalbmal so groß wie Kantabrien. Für die Befürworter dieser These gilt in einem autonomen Modell mit wenigen urbanen Zentren die Fläche nicht mehr als Ausrede, sondern als Vorteil.

Warum entvölkert sich die Provinz Palencia?

Palencia dient als Laboratorium für die Verödung. Ihr Bevölkerungsmaximum erreichte sie 1960 mit 237.000 Einwohnern; heute sind es 80.000 weniger. Die Hauptstadt hatte damals kaum mehr als 48.000 Einwohner, und Villamuriel, Standort der wichtigsten Fabrik, kam nicht auf 2.000. Seitdem wanderte die Bevölkerung nach Süden ab, in den an Valladolid angrenzenden Streifen, der rund 50.000 Einwohner hinzugewann.

Das detaillierte Bild ist beeindruckend: Von den etwas mehr als 160.000 Provinzbewohnern leben über 100.000 in einem direkt an Valladolid angrenzenden Gebiet und etwa 25.000 in einem an Kantabrien grenzenden Bereich. Dazwischen bleiben knapp 30.000 Menschen in einem Streifen von 90 Kilometern Länge und 50 Kilometern Breite, konzentriert in Ortschaften mit 1.000 bis 2.000 Einwohnern wie Carrión de los Condes, Villada, Osorno, Saldaña, Herrera oder Paredes de Nava. Der Norden, betonen die Kritiker, sei nicht hässlich: Er sei einfach leer.

Hat Kastilien und León eine offizielle Hauptstadt?

Wie in der Debatte angeführt wird, erklärt keine Norm Valladolid zur Hauptstadt der Gemeinschaft, obwohl die Stadt diese Rolle seit Jahrzehnten ausfüllt: Dort befinden sich die Ministerien, Behörden und der Großteil der Verwaltungsapparate. Daraus resultiert die wiederkehrende Forderung, die Hälfte der Standorte nach León zu verlegen, mit dem Argument, dass die Autonomie eine Aufteilung sei und diese symmetrisch erfolgen sollte.

Die gegenteilige These besagt, dass das Problem nicht Valladolid sei, sondern das Management in León. Es wird daran erinnert, dass León Sitz der größten Sparkasse der Region und des Investmentvehikels von Kastilien und León war, aber darum herum kein Finanzzentrum für den Norden aufgebaut wurde. Der Bergbau brach zusammen, und niemand baute etwas anderes auf. Die Antwort darauf lautet, dass Valladolid ebenfalls von staatlichen Zuwendungen lebt, beginnend mit einer Hauptstadtfunktion, die, wie Kritiker behaupten, nie durch eine Wahl bestätigt wurde.

Die Metropolregion Valladolid-Palencia unter Verdacht

Es ist die Rede von einem Ballungsraum mit 600.000 Menschen zwischen Valladolid, Palencia und Medina del Campo, mit eng verbundenen Gemeinden und steigenden Zugfrequenzen nach Inbetriebnahme des Korridors. In Valladolid sagt man halb im Scherz, dass sein größter Stadtteil Palencia sei.

Die Zweifel betreffen die Größenordnung. Außerhalb der drei Hauptstädte sind die Siedlungen klein und die Entfernungen groß, dazwischen liegt Agrarland. Als Vergleich herangezogene Beispiele – Bilbao, San Sebastián, Santander, die asturische Agglomeration – weisen höhere Dichte, größere Nähe und mehr Aktivität auf. Das Unterfangen, sagen Kritiker, sei weit hergeholt. Eine andere Sache ist, dass die Untertunnelung der Gleise in Valladolid nicht umgesetzt wurde; manche sehen darin einen Vorteil wegen des zentralen Bahnhofs, während der AVE in anderen Hauptstädten Bahnhöfe am Stadtrand bedient.

Über dem Ganzen liegt eine bitterere Lesart: Dass die gesamte Gemeinschaft ein Altersheim im Freien sei und die übrigen Provinzen nicht zusammenpassen. Soria blickt nach La Rioja, Ávila und Segovia nach Madrid, Burgos nach Norden. Nur León, Zamora und Salamanca scheinen eine reale Region zu bilden, auch wenn nicht alle Salamantiner das hören wollen.

Mit diesen Voraussetzungen wird der Streit nicht durch Argumente gelöst werden. Wahrscheinlich wird weiterhin derjenige gewinnen, der bereits die Standorte hält, und León wird weiterhin Ungerechtigkeiten ansammeln, ohne Einwohner hinzuzugewinnen, es sei denn, die nächste Neuverteilung der Autonomie bringt etwas. Dafür gibt es keine Anzeichen. Man kann mit geringem Risiko prognostizieren, dass der Vergleich wiederkommen wird und Valladolid bei den Zahlen weiter gewinnt, während es bei den historischen Fakten verliert.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (480 Antworten).

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