Schlafen im Abstellraum: Spaniens letzte Wohnlösung

In Spanien werden Abstellräume für 60 € und Garagenplätze für 50 € als Schlafplatz genutzt, da Mieten bei 800 € liegen. Das Phänomen fehlt in offiziellen Statistiken.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Schlafen im Abstellraum: Spaniens letzte Wohnlösung
Abstellräume, Garagen und Keller: Die letzte Grenze des Wohnraums

Die Tür stand nur einen Spalt offen. Als man sich näherte, wurde sie von innen mit einem Seil geschlossen. Drinnen lagerten keine Kartons oder Fahrräder: Ein Mann schlief in einer Kabine von einem Kubikmeter Größe in einem gemieteten Selbstlagerzentrum wie Bluespace, das theoretisch mit Kameras und Bewegungsmeldern ausgestattet ist, um unbefugte Anwesenheit zu erkennen. Wer ihn fand, wollte nachts etwas aus seinem eigenen Modul holen und stieß unversehens auf diesen Anblick.

Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Menschen in solchen Räumen schlafen. Auch nicht über jene, die es in Garagen, Kellern oder Hinterzimmern tun. Per Definition existiert diese statistische Kategorie nicht. Was es jedoch gibt, sind genug Einzelberichte, um zu vermuten, dass das Schlafen im Abstellraum kein isoliertes Kuriosum ist, sondern ein Symptom mit einem konkreten Preis.

Was kostet es, ohne Mietvertrag unter Dach und Fach zu schlafen?

Die Rechnung treibt die Entwicklung voran. Ein kleiner Abstellraum wird für etwa 60 Euro pro Monat vermietet. Ein geschlossener Tiefgaragenplatz für rund 50. Im Vergleich dazu verlangt eine übliche Wohnraummiete 800 bis 900 Euro, plus Kaution und Jahresvertrag. Diese Lücke macht improvisierte Lösungen für bestimmte Personen rational.

Der Rest wird mit Einfallsreichtum und etwas Kleingeld gelöst: Fitnessstudio-Abo zum Duschen, Waschsalon für die Kleidung, Toiletten in Einkaufszentren, Tankstellen oder Bibliotheken für den Bedarf. Manche stellen eine mobile Toilette auf, wenn der Ort eine Garage ohne Wasseranschluss ist. Die Summe liegt weit unter einer regulären Miete und erfordert vor allem keine Gehaltsabrechnung, Bürgschaft oder Mindestmietdauer.

Kann man einen Abstellraum zum Wohnen umbauen?

Nicht alles ist Überlebenskampf. Es steckt auch Geschäft dahinter. Ein 40 Quadratmeter großer Abstellraum, dunkel, mit Bad und voller Gerümpel, landete bei einem Architekturbüro, das sich auf die Umwandlung von Gewerbe- in Wohnflächen spezialisiert hat. Das Ergebnis: Zwei Zimmer und zwei Bäder auf derselben Fläche, zum Verkauf angeboten für 185.000 Euro und innerhalb weniger Monate verkauft.

Dieses Muster wiederholt sich. Auf einer Pferderennbahn wurden alte Ställe von 40 bis 50 Quadratmetern in Apartments umgewandelt, die für 700 Euro pro Monat vermietet werden. Der Keller eines zentral gelegenen Lokals verbirgt ein WC, eine Miniküche und ein Bett hinter einem Metallrollo. Und leerstehende Erdgeschossflächen werden in Wohnungen umgewandelt, teils für Tourismusvermietung, teils als Eigenheim. Das Wort Zulo (Loch) taucht oft auf, obwohl es immer seltener abwertend gemeint ist.

Die administrative Hürde: Ohne Meldeadresse geht nichts

Hier scheitert der Pragmatismus. Leben im Abstellraum kann billig sein, aber das System bestraft, bevor es verbietet: Ohne eine als Wohnung anerkannte Adresse gibt es keine Melderegister-Eintragung (Empadronamiento), und ohne diese können keine Dokumente beantragt, Beihilfen erhalten oder Einschreibungen vorgenommen werden. Man kann in einem Keller überleben; administrativ existieren kann man dort jedoch nicht.

Das verbreitete Argument lautet: Man verbietet das Nächtigen an einem Ort, ohne eine würdige Alternative anzubieten. Manche behaupten, wenn Umbauten von Hallen, Lokalen oder Grundstücken unter Einhaltung minimaler Sicherheitsstandards für Strom und Sanitär erlaubt wären, würde halb Spanien sein Wohnungsproblem lösen. Dagegen sprechen Baukontrollen, Sicherheitsbedenken und das Argument, dass heute geflickte Provisorien morgen zu chronischen Slums werden.

Der Blick ins Ausland: 2,9 Millionen Spanier im Exil

Während einige im Kubus nach einem Dach suchen, suchen andere es im Ausland. Das Melderegister der im Ausland lebenden spanischen Staatsbürger erreichte am 1. Januar 2024 2.908.649, ein Anstieg von 4,2 % gegenüber dem Vorjahr, laut Daten des INE (Nationales Statistikinstitut) vom März 2024. Diese Zahl erfasst nur jene, die sich beim Konsulat melden: Für die Behörden wohnen viele weiterhin hier.

Die Fiktion eilt der Realität voraus. Ein norwegischer Film, der auf der Berlinale gezeigt wurde, zeigt eine junge Architektin, die wegen steigender Mieten in einer Garage lebt: Der erwartete Zusammenbruch bleibt aus, weil Vermieter kreative Wege finden, mehr Menschen auf gleicher Fläche unterzubringen.

Genau hier stockt die Analyse. Preise erklären, warum jemand eine Garage akzeptiert; sie erklären nicht, warum das Phänomen unsichtbar bleibt, wie viele betroffen sind oder was passiert, wenn der Vermieter den Zähler abliest und den Strom abschaltet. Solange es keine offizielle Zahl gibt, bleibt die einzige verlässliche Statistik der Betrag, den jeder Nachtbewohner bezahlt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (146 Antworten).

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