Beamte in Spanien: Gehalt reicht nicht für Miete

Immer mehr Beamte lehnen ihre Stellen ab, da das Gehalt die Mietkosten nicht deckt. Hotels sind günstiger als Wohnungen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Verzicht auf Beamtenstelle wegen der Miete: Die neue Wohnungskrise in Spanien

Das Bestehen einer Prüfung garantiert kein Dach über dem Kopf mehr. Immer mehr Bewerber, die eine Stelle erhalten – besonders in Tourismusgebieten wie den Balearen oder Ibiza –, müssen sie ablehnen, weil ihr Gehalt die Miete nicht deckt. Das Paradoxon: Wer die härtesten Prüfungen des öffentlichen Systems besteht, stellt fest, dass ihm der Immobilienmarkt die Tür weist.

Wenn die Miete das öffentliche Gehalt auffrisst

Ein vorläufiger Beamter der Gruppe C1 verdient netto rund 1.500 Euro im Monat. Auf Ibiza oder Mallorca kostet eine bescheidene Wohnung mindestens 1.200 Euro. Die Rechnung ist einfach: Über 80 % des Gehalts fließen in die Unterkunft. Manche entscheiden sich für ein Bett in einer „heißen“ Rotation (Wechselbelegung), teilen sich Schichten mit Kollegen oder leben direkt im Hotel, weil es billiger ist als eine Wohnungsmiete. Ein Bericht erwähnt, dass jemand die Hälfte dessen zahlte, was für eine Miete verlangt wurde, indem er im Hotel wohnte. Die Alternative ist die WG, aber selbst Zimmer kosten in angespannten Gebieten über 600 Euro.

Tourismus, Migration und Baustopp: Der perfekte Cocktail

Hinter dieser Situation stehen strukturelle Faktoren. Das Wachstum des Tourismus hat die Preise auf den Inseln und an der Küste in die Höhe getrieben; man schätzt, dass jährlich eine halbe Million Migranten hinzukommen, was die Nachfrage erhöht. Gleichzeitig ist der Bau von öffentlichem Wohnraum marginal. In den 40er-Jahren errichtete das Franco-Regime Millionen geschützter Wohnungen, doch in den letzten Jahrzehnten wurden kaum welche gebaut. Ein illustratives Beispiel: In Valencia konnte man vor der Pandemie eine Wohnung für 700 Euro mieten; heute findet man selbst in den umliegenden Dörfern keine Angebote unter 400 Euro. Laut einigen Analysen hat das Wohnungsgesetz (Ley de Vivienda) das Angebot gebremst, indem es Mieter übermäßig schützt.

Die Qual der langen Wege

Angesichts der Unmöglichkeit, am Zielort eine Miete zu bezahlen, entscheiden sich viele Beamte für lange Pendelwege. Das klassische Beispiel ist Segovia-Madrid: Zwei Stunden Busfahrt allein hin, plus der Weg von Moncloa zum Dienstort, ergeben drei tägliche Fahrstunden. Fachkräfte aus Valladolid oder Toledo pendeln ebenfalls nach Madrid, weil sie sich das Leben dort nicht leisten können. Die S-Bahn-Netze sind aufgrund von Zuverlässigkeitsproblemen keine echte Alternative. Andere, wie Assistenzärzte, schlafen im Krankenhaus, um Kosten zu sparen.

Von der Kaserne zur Wechselbelegung

Wer früher bestand, konnte sich eine Wohnung leisten. Vor 25 Jahren war das noch anders. Heute greifen neue Beamte auf die „heiße“ Bettrotation zurück, wechseln sich mit Kollegen ab. Früher gab es Kasernen für Polizisten und Soldaten; heute finden weder Polizei noch andere Beamte bezahlbaren Wohnraum in touristischen Hotspots.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (366 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver