Sanfermines: Vom Stierlauf zum Schmutz- und Gewaltbild

Geruch, Dreck und Übergriffe prägen das Bild der Sanfermines in Pamplona, während eine Minderheit den Stierlauf und die Feststimmung verteidigt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sanfermines: Vom Stierlauf zum Schmutz- und Gewaltbild
Sanfermines: Was bleibt, wenn das Chupinazo verstummt

Das erste Bild, das bei dem Wort Sanfermines auftaucht, ist nicht mehr der Stierlauf. Es sind Weinpfützen, Plastikbecher und eine Stadt, die nach Urin stinkt. Das ist die häufigste Antwort der Teilnehmer an der Diskussion auf die Frage, was sie mit dem Fest in Pamplona verbinden – eine Antwort, die sich so hartnäckig wiederholt, dass sie laut einigen Kommentaren eher einem Muster als einer bloßen Beschwerde ähnelt.

Den Wendepunkt markiert, laut dem Einstiegspost der Diskussion, ein konkreter Vorfall: ein Sturz und ein Griff während der Herdenjagd. Von da an, so heißt es dort, sei das Fest kontaminiert, und der Verfasser versichert, er werde es nie wieder erleben wollen. Dies ist keine Einzelmeinung, sondern das Tor, durch das alles andere Einlass findet.

Was antwortet man, wenn man nach den Sanfermines gefragt wird?

Der Gestank ist der gemeinsame Nenner. Beschrieben wird eine ganze Stadt, die nach verfaultem Wein riecht, Menschen, die vom Morgen bis zum nächsten Morgen trinken, am Boden liegende Becher mit Resten von Kalimotxo (Wein-Cola-Mix) und Personen, die hinter Containern urinieren. Das am häufigsten verwendete Wort ist Ekel, und dies bezieht sich nicht immer nur auf Pamplona: Mehrere Berichte dehnen dies auf die Vaquilla de Teruel aus, wo dieselben durchnässten Hosen voller ranzigem Wein und derselbe klebrige Dreck beschrieben werden.

Manche gehen über den Geruch hinaus und sprechen von Verwahrlosung. Straßen voller Urin, Betrunkene, Gedränge, hohe Preise und Schmutz. Die Schlussfolgerung dieses Abschnitts ist stets dieselbe: Wer kann, geht weg. Eine Bewohnerin von Pamplona verlässt, laut dem geteilten Bericht, jedes Jahr die Stadt, wenn ihre Ferien mit dem Fest zusammenfallen; muss sie arbeiten, schlüpft sie mit ihrem Mann um die Massen im Zentrum herum. Samstags wegen des Andrangs und sonntags wegen der französischen Besucher, sagt der Zeuge. An den übrigen Tagen muss man damit leben.

Müllprobleme, Politik und der Versprecher beim Chupinazo

Die politische Lesart taucht früh auf und bleibt. Es wird über Müll und „Paquismo“ (ein abwertender Begriff für vulgäre Massenkultur) gesprochen, über Lumpenproletariat in seinem Element, und manche korrigieren den Begriff, um direkt auf die kommunale Verwaltung zu verweisen. Ein Kommentar greift einen Versprecher einer Moderatorin auf, die das Chupinazo (das Startsignal des Fests) mit einem anderen Wort bezeichnete; die Interpretation ist nicht die eines harmlosen Fehlers: Man behauptet, es handle sich um subliminale Werbung, einfache Propaganda. Ein weiterer Hinweis erinnert an einen zweiten Versprecher derselben Moderatorin mit einem anderen Wort.

Die Kritik unterscheidet nicht nach Parteibüchern. Sie richtet sich gegen das Rathaus, die lokale Politklasse und jene, die behaupten, das Fest gehöre eigentlich den Außenstehenden, nicht den Bewohnern von Pamplona. Der Satz, der diese Position zusammenfasst, lautet, dass die Stadt sich leert und es organisierte Reisen eigens für diese Tage gibt.

Sens Übergriffe und Sicherheit bei den Sanfermines

Das ernsteste Thema kommt über die zitierten offiziellen Daten: ein sens Übergriff in den ersten Stunden des Fests, 58 Festnahmen wegen verschiedener Delikte und 259 Anzeigen nach der ersten Nacht. Dies sind die Zahlen, die in der Diskussion kursieren und auf denen das Argument fußt, dass das Fest ein Sicherheitsproblem hat, das sich nicht mit mehr Polizei lösen lässt.

Daneben taucht die Debatte über Einwilligung auf, mit frontal entgegengesetzten Positionen und einem zugrunde liegenden Gerichtsfall, der ohne Klärung erwähnt wird. Eine Seite vertritt die Ansicht, Männer seien bei bestimmten Anzeigen schutzlos ausgeliefert; die andere, tonangebende Mehrheit diskutiert dies nicht, sondern stellt lediglich fest, dass sich beim Fest Übergriffe konzentrieren. Die Angelegenheit bleibt offen, ohne Urteil, das sie abschließt.

Stierkampf, Tierquälerei und der grundlegende Widerspruch

Auch der Stierlauf als Spektakel wird diskutiert. Manche verteidigen, dass ein bisschen Laufen und Blödsinn machen das eine sei, aber etwas ganz anderes danach das Foltern und Töten des Tieres; sie bezeichnen das Ganze als tribalistische Gewohnheit aus einer anderen Epoche. Dem gegenüber steht die klassische Verteidigung: gute Stierläufe, fröhliche Atmosphäre und Leute, die ihren Spaß haben wie bei jedem Fest in jedem Dorf.

Der Widerspruch, der am schärfsten angeprangert wird, ist ein anderer. Jene, die die spanische Identität des Fests ablehnen, werden der Heuchelei bezichtigt, solange sein Eckpfeiler weiterhin ein Stierkampf ist. Dies ist das Argument mit der größten Resonanz im letzten Teil der Diskussion.

Sauftourismus und das Auslandsbild

Die wirtschaftliche Dimension tritt unbeabsichtigt zutage. Es ist die Rede von ausländischen Besuchern, Exzesstourismus, einer Stadt, die von Fremden übernommen wird, und der Gastronomie, die davon lebt. Die häufigste Beschreibung ist die von Besuchern, die ihren Körper zeigen und maßlos trinken, wobei der Satz, dass nichts besser sei, als mit mehreren unattraktiven Personen ins Bett zu gehen, als Zusammenfassung des importierten Folklores dient.

Nicht alles ist Ablehnung. Manche erinnern sich nostalgisch ans Fest: mit 19 Jahren, dem bestandenen ersten Studienjahr, dem frisch erworbenen Führerschein und dem Familien-Van, den man sich vom Vater „geliehen“ hatte, um mit Freunden zu fahren. Trinken bis zur Besinnungslosigkeit, über alles lachen und mitten in der Taconera (Park in Pamplona) mit mehr Alkohol im Blut als Verstand aufwachen. Dieser Minderheitsbericht ist der einzige, der den Geruch nicht erwähnt.



Mit diesen Zutaten hört die Frage auf, was man über die Sanfermines denkt, und wird zu einer anderen: Wie viel dieses Bildes ist das Fest selbst und wie viel ist das, was wir beschlossen haben, darüber zu erzählen? Die Zahlen der Anzeigen und Festnahmen stehen fest. Der Gestank auch. Was nirgendwo auftaucht, ist jemand, der bereit wäre, das Modell so zu verteidigen, wie es heute funktioniert.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (181 Antworten).

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