Sánchez wusste 12 Stunden vor der DANA-Katastrophe

Analyse: Die spanische Zentralregierung kannte das Ausmaß der Flutkatastrophe in Valencia frühzeitig, informierte aber nur per E-Mail.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sánchez wusste 12 Stunden vor der DANA-Katastrophe
«Sánchez wusste 12 Stunden vorher von der DANA und mobilisierte weder die Armee noch andere Ressourcen»

Die Debatte um das Krisenmanagement der DANA (Depresión Aislada en Niveles Altos) in Valencia hat sich von meteorologischen Fragen auf die politische Verantwortung verlagert. Der Kernvorwurf lautet: Die Zentralregierung kannte das Ausmaß der Katastrophe Stunden im Voraus, beschränkte sich jedoch darauf, Mitteilungen per E-Mail und WhatsApp-Nachrichten an die Generalitat Valenciana zu senden. Die zentrale These ist, dass dieser Weg unzureichend sei, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen. «Bei so etwas reicht es nicht zu sagen: Wir haben Mazón einige Mitteilungen geschickt, ihm mehrere WhatsApps gesendet, eine E-Mail geschrieben. Das genügt nicht», fasst eine der am häufigsten zitierten Aussagen zusammen. Im Hintergrund schwebt die Zahl von über zweihundert Toten und die Erkenntnis, dass die Massenwarnung an die Bevölkerung erst eintraf, als der Barranco bereits über die Ufer getreten war.

Was die Regierung wusste und wann sie es wusste

Das Narrativ, das in der Analyse dominiert, beschreibt eine Kette von Warnungen, die auf halbem Weg stecken blieb. Die AEMET (Spanischer Wetterdienst) kündigte Niederschläge von bis zu 160 Litern pro Quadratmeter in Chiva an – eine Menge, die laut Berechnungen der Schlucht gerade so bewältigen konnte, höchstens zu einem leichten Hochwasser an den Bordsteinen führende. Was kein Kanalsystem aushalten sollte, waren die 680 Liter, die in derselben Ortschaft registriert wurden, während in Utiel 400 Liter fielen. Diese Akkumulation hatte laut Analysen keine Präzedenzfälle.

Die wiederkehrende Frage lautet, warum die Zentralregierung angesichts dieser Informationen nicht sofort alle staatlichen Ressourcen präventiv aktivierte. «Man muss alle Mittel und Personal des Staates sofort und präventiv einsetzen», argumentiert eine der kritischen Stimmen und fügt hinzu, die Kommunikation mit Mazón hätte «persönlich, vor Ort erfolgen müssen, um ihn zum Handeln zu zwingen und ihm die Schwere der Lage mitzuteilen». Der Vorwurf richtet sich nicht nur gegen die Generalitat, sondern auch gegen eine Regierung, die trotz Daten von Zivilschutz und Militär die Hände in den Schoß legte und auf das Handeln anderer wartete.

Die Version der Mehrheit

Gegen die These einer allgemeinen Fahrlässigkeit verteidigt ein Teil der Analyse, dass die meisten Betroffenen keine Möglichkeit hatten, das kommende Unheil vorherzusehen. «Wir wussten, dass die Gota Fría (Kaltlufttropfen) kam, wie jedes verdammte Jahr, aber wir konnten nicht wissen, was oberhalb der Schlucht passierte», fasst eine stark unterstützte Aussage zusammen. Das Argument lautet, dass niemand Maßnahmen ergreift, wenn keine sichtbaren Anzeichen für eine Gefahr vorliegen, und der Regen auf der Straße erlaubte es, ohne Schirm hinauszugehen.

Diese Strömung erinnert daran, dass 1982 die Menschen in Alzira durch die Straßen riefen, ihre Häuser zu verlassen, weil starkes Wasser nahte. Man wusste, dass der Stausee Tous brechen würde, und es gab Zeit für eine Warnung, die Leben rettete – in einer Ära ohne Handys oder soziale Medien. Die implizite Vergleichsbilanz ist vernichtend: Weniger Mittel führten zu mehr Warnung.

Das System, das schützen sollte, aber versagte

Jenseits des Streits zwischen den Verwaltungen gewinnt eine strukturelle Diagnose an Gewicht. «Es konnte nicht verhindert werden, weil das System, das dies verhindern sollte, nicht funktioniert. Die parlamentarische Demokratie und der Autonomiestaat können das Leben der spanischen Bürger nicht schützen», lautet eine der härtesten Positionen. Das Argument stützt sich auf einen konkreten Fakt: Es gab eine Hubschrauberbasis des Militärs zwanzig Minuten entfernt, die am nächsten Tag nicht ausrückte.

Die Kritik besagt, dass das Militär gesetzlich, aus gesundem Menschenverstand und nach militärischer Doktrin kritische Infrastrukturen unabhängig überwachen sollte. Dass dies nicht geschah, ist nach dieser Lesart kein isolierter Fehler, sondern die Folge eines institutionellen Designs, das Zuständigkeiten verteilt und Verantwortlichkeiten verwässert. Die Schlussfolgerung lautet, dass neben der Suche nach direkten strafrechtlichen Verantwortlichen auch das System selbst neu überdacht werden müsste.

Der offizielle Bericht und seine Risse

Misstrauen gegenüber der offiziellen Darstellung prägt viele Beiträge. Manche behaupten, Informationen würden zurückgehalten, andere sprechen offen von Manipulation. «Sie haben uns Viruelo untergejubelt. Das ist die Malware», fasst ein Beitrag zusammen, der Humor mit Anschuldigung mischt. Die Erwähnung der Ministerin für Gleichstellung und ihrer Aussage, es sei «ihr Moment», wird als Beispiel für die wahrgenommene Entfremdung der Regierung von der Ernsthaftigkeit der Lage wiederholt.

Am extremen, wenn auch minderheitlichen Ende tauchen Verschwörungstheorien auf, die die Katastrophe mit der Umbettung der Überreste aus dem Valle de los Caídos verbinden. Solche Behauptungen sind durch keine Beweise gestützt und dienen eher der Katharsis als der Analyse. Weit verbreitet ist jedoch die Idee, dass Macht Information bedeutet und dass in Moncloa (dem Sitz der spanischen Regierung), wo 2.500 Personen arbeiten, alles Wissenswerte im Voraus bekannt war.

Erwartete politische Konsequenzen

Das skizzierte Szenario ist nicht das einer Krise, die durch schnelle Rücktritte beigelegt wird. «Sie wussten auch vom Zugattentat am 11-M, aber diesmal habe ich das Gefühl, dass es nicht auf dieselbe Weise enden wird», merkt ein Kommentar an, der die Distanz zur Politik und zu den Institutionen betont. Die zunehmend wahrscheinliche Prognose ist, dass das Management der DANA die Verantwortlichen politisch erledigt hat und sie ins Gefängnis gehören sollten, wenn man ein gesundes Land für die Zukunft will.

Der Vergleich mit dem 11-M (den Terroranschlägen vom 11. März 2004) ist kein Zufall. In beiden Fällen wird hinterfragt, was die Regierung wusste und wann. Der Unterschied liegt darin, dass die Bürger heute weiter von den Parteien entfremdet sind und stärker Rechenschaft verlangen. Die einzige humorvoll-zynische Lösung, die vorgeschlagen wird, ist die «Besen-Revolution»: Jeder soll mit einem Besen nach Moncloa gehen und dort bleiben, bis Sánchez abtritt.



Auf dieser Grundlage wird erwartet, dass die Angelegenheit nicht durch eine einzelne Anhörung beendet wird. Der gesellschaftliche Druck, das Misstrauen gegenüber den Medien und die Häufung von Zeugenaussagen deuten auf eine langwierige Belastungsprobe hin. Doch der Befund darf nicht abgeschlossen werden: Dieselbe Bürgerschaft, die Verantwortung fordert, war nach den verfügbaren Daten nicht in der Lage, das kommende Unheil vorherzusehen. Genau diese Widersprüchlichkeit trägt den Konflikt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (145 Antworten).

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