Augenringe, Ohrläppchen und der Verschleiß der Macht: So liest man Sánchez' Gesicht
Es gibt eine Szene, die sich jedes Mal wiederholt, wenn der spanische Ministerpräsident auf dem Bildschirm erscheint: der Vergleich mit seinem eigenen Gesicht von vor fünf Jahren. Ein Thread in einem Forum hat aus dieser Übung eine kleine Abhandlung über den Verschleiß der Macht, die Genetik und die Verschwörungstheorien rund um Pedro Sánchez gemacht. Auslöser war eine simple Beobachtung: ausgeprägte Augenringe, müder Blick und ein konkretes körperliches Merkmal, Ohren ohne Läppchen, die manche mit einem angeblich psychopathischen Profil in Verbindung brachten. Von dort aus driftete die Debatte in sumpfigere Gefilde: die Amnestie, die Pandemie, den Klimawandel als Vorwand für einen globalen Regimewechsel und die Möglichkeit, in manchen Köpfen nie ganz ausgeschlossen, dass der Ministerpräsident in Wirklichkeit eine Gummimaske oder ein Hologramm ist.
Körperlicher Verschleiß als politisches Barometer
Die erste Zeile des Threads zielte auf das Offensichtliche: Sánchez ist bis oben hin geschminkt, und trotzdem sieht man ihm die Augenringe an. Der Vergleich mit seinem Bild von vor fünf Jahren ist unvermeidlich, und mehrere Beiträge sind sich einig, dass die Alterung beschleunigt wurde. Die Erklärungen gabeln sich. Manche verweisen auf die Elbichito-Impfung, obwohl der Beitrag selbst zugibt, sich nicht vorstellen zu können, dass der Ministerpräsident sich Messenger-RNA spritzt. Andere führen es auf die Poppers zurück, die er laut einem Kommentar nimmt, um seinen Partner zu befriedigen. Und wieder andere behaupten, die Macht zehre: Er kam als übermütiger Jungspund und geht als kleines Greiserchen.
Dem Merkmal der Ohren ohne Läppchen widmete man ein eigenes Kapitel. Ein Teilnehmer gestand, selbst kaum ein Läppchen zu haben, und erschrak, als er las, dass dieses Merkmal mit Psychopathie assoziiert wird. Die Antwort war deutlich: Der Anteil der Menschen mit Läppchen ist deutlich höher als der ohne, daher ist es normal, mehr Ohren mit Läppchen zu sehen. Ein anderer erledigte die Sache mit Ironie: Das wirkt wie Spekulation, wie wenn Frauen sich die Finger ansehen, um die Penislänge zu ermitteln. Der meist wiederholte Schluss lautet, dass der Hinweis darauf, wie ein Mensch innen beschaffen ist, ein Gesamtbild des Gesichts ist, keine genetische Kleinigkeit.
Vom Ohr zum globalen Regimewechsel
Der Thread sprang schon bald von der Physiognomie zur Geopolitik. Ein Beitrag behauptet, der Klimawandel-Dauerbrenner der letzten Jahrzehnte sei in Wahrheit die Vorbereitung eines globalen Regimewechsels gewesen, um die Bevölkerung einzusperren und ihr alles wegzunehmen. Der Gipfel in Dubai, bei dem der Ministerpräsident das europäische Mandat zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verteidigte, erscheint als Belastungsbeweis. Die Verbindung zur Pandemie ist explizit: Wenn er die Plandemie überlebt hat, wird ihn die Amnestie auch nicht umbringen.
Auch die exotischsten Theorien kommen zu ihrem Recht. Ein Teilnehmer versichert, er habe zeitweise erwogen, dass Sánchez eine Gummimaske wie Biden sei, hielt die Verbindung aber für zu dünn. Ein anderer behauptet schlicht, er sei ein Hologramm und das Original liege kryogenisiert in einem öffentlichen Krankenhaus in Washington DC. Und ein dritter urteilt: Robotischer Reptiloid. Es gibt für nichts davon Beweise, und der Thread selbst präsentiert es als Spekulation, aber die Häufung der Theorien sagt viel über das Klima aus.
Die politische Rechnung: Nutzt ihm der Verschleiß?
Gegen die Austausch-Theorien gibt es eine Strömung, die den Verschleiß als Preis dafür interpretiert, in der Minderheit und gegen die Opposition zu regieren. Er hat seinen Sicherheitsring verstärkt, merkt ein Beitrag an, und wenn du im Fadenkreuz vieler Leute stündest, würdest du auch verschleißen. Ein anderer verteidigt, dass er in der Israel-Frage Mut bewiesen und die spanische Außenpolitik gegenüber der Ära Suárez verändert hat. Wir werden sehen, ob er die Weihnachtstage übersteht, fügt er hinzu.
Die Erwiderung kommt von der anderen Seite: Was die alle neidisch sind auf meinen bewunderten Chadsanchez, ironisiert ein Teilnehmer, der daran erinnert, dass viele zahlen würden, um mit 51 so auszusehen. Der meist wiederholte Gegenargument lautet, das Problem sei nicht das Alter, sondern die Verwandlung: Er sieht dem Schauspieler Tommy Lee Jones immer ähnlicher. Und das Grausamste: Er ist ein Lebendiger Toter, ein machtdurstiger Zombie.
Der Hintergrund: Amnestie, NATO und der Posten, der nicht kam
Im Hintergrund der Debatte schwingt eine konkrete politische Frage mit: Was passiert, wenn Sánchez die Regierung verlässt? Ein Beitrag merkt an, er hatte alle Voraussetzungen, in einem traumhaften NATO-Posten zu enden. Ein anderer behauptet, wer mit den dunklen Mächten paktiert, verliert alles, die Seele inklusive. Und ein dritter urteilt, dass jedes Schwein sein Waterloo erlebt, auch wenn das Glück ihm bisher gewogen war.
Der Thread endet, wie er begann: mit dem Äußeren. Jeden Tag ein bisschen weniger hübsch, resümiert ein Teilnehmer, der die schlechte Laune des Ministerpräsidenten darauf zurückführt, dass er sich morgens im Spiegel zerstört sieht. Die Diskussion über die Ohren ohne Läppchen bleibt, was sie ist: eine genetische Kuriosität, die zur Waffe gemacht wurde. Und die eigentliche Frage, ob der Verschleiß körperlich oder politisch ist, bleibt unbeantwortet. Wie fast alles in diesem Land.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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