Sánchez gibt privaten Betreibern Schuld am Stromausfall und lehnt Atomkraft ab
Der Stromausfall, der die Iberische Halbinsel in Dunkelheit tauchte, hat noch keine offizielle abschließende Erklärung, und die Regierung hat bereits entschieden, wen sie beschuldigen will. Auf der Pressekonferenz nach dem Ministerrat beharrte Präsident Pedro Sánchez darauf, dass die Verantwortung bei den privaten Betreibern liege, und schloss aus, dass Kernenergie eine Lösung hätte sein können: „Weit davon entfernt, eine Lösung zu sein, ist es ein Problem, weil viel Energie umgeleitet werden musste, um ihre Reaktorkerne stabil zu halten“, sagte er. Das Zitat, wiedergegeben von El Mundo, traf die Befürworter der Kernenergie hart, die argumentieren, dass Kernkraftwerke als synchrone Generatoren der Netzstabilität in dem kritischen Moment Inertie hätten geben können.
Die offizielle Darstellung hat zwei Säulen. Erstens: Das System fiel nicht wegen eines Überangebots an erneuerbaren Energien zusammen. Zweitens: Wenn etwas versagte, lag es am Management der Unternehmen, die das Netz betreiben. Dies ist zumindest die Lesart aus den Worten des Präsidenten, der auch andeutete, dass Red Eléctrica de España (REE) das Problem erkannt habe, wobei er andere Hypothesen nicht ausschloss.
Wer ist der Hauptaktionär von Red Eléctrica?
Hier beginnt das Problem für die offizielle Version. Red Eléctrica ist kein normales Privatunternehmen. Die Sociedad Estatal de Participaciones Industriales (SEPI), eine staatliche Holdinggesellschaft, hält etwa 20 % des Kapitals und ist der größte Aktionär mit der gesetzlichen Pflicht, mindestens 10 % zu halten. Kein Aktionär darf mehr als 5 % des Kapitals besitzen oder mehr als 3 % der Stimmen haben, und die Stimmrechte der Energieversorger sind auf 1 % begrenzt. In der Praxis kontrolliert der Staat das Unternehmen und benennt seine Präsidentin. Die aktuelle Amtsinhaberin, eine ehemalige sozialistische Ministerin, wurde durch politische Entscheidung installiert.
Dieses Detail entkräftet die Ausrede. Wenn der Staat die Führungsspitze von REE benennt und seinen Vorstand kontrolliert, ist es mindestens ein rhetorischer Trick, „die privaten Betreiber“ für das Verhalten des Netzes verantwortlich zu machen. Manche fassen es mit Sarkasmus zusammen: Vom einer Regierung, die das Netz kontrolliert, Verantwortung vom privaten Stromnetz zu verlangen, ist ein Taschenspielertrick.
81 % Erneuerbare bis 2030 und die Netzinstabilität
Die andere Front ist technischer Natur. Der Nationale Integrierte Energie- und Klimaplan legt ein Ziel von 81 % erneuerbarer Erzeugung für 2030 fest. Dies ist ein politisches Ziel, keine Konsequenz des freien Marktes. Und hier liegt der Kern des Problems: Das Netz ist nicht dafür ausgelegt, die Anteile an nicht-synchroner Erzeugung zu bewältigen, die ihm aufgezwungen werden. Photovoltaik und Windkraft liefern keine Inertie, diese rotierende Masse, die die Frequenz stabil hält, wenn es zu einem starken Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Nachfrage kommt.
Die Sequenz, die kritische Analysten skizzieren, ist folgende: Im Bereich maximaler Solar- und Windproduktion, bei klarem Himmel auf fast der gesamten Halbinsel und ausreichendem Wind, wird der Überschuss nach Frankreich und Portugal geleitet. Wenn in diesem Moment eine Störung auftritt – ein Nachfragerückgang, ein Fehler in einer Interconnection –, verliert das Netz Frequenz, und automatische Schutzvorrichtungen trennen Erzeugungsanlagen ab, um größeren Schaden zu vermeiden. Die Kernkraftwerke schalteten sich selbst ab, als sie die Anomalie erkannten, und gingen auf Notstromgeneratoren über, um die Reaktorkerne gekühlt zu halten, laut dem Rat für nukleare Sicherheit. Sie waren nicht die Ursache, konnten aber auch nicht die Lösung sein: Sie waren bereits abgeschaltet.
Cyberangriff als Vorwand
In den Tagen nach dem Stromausfall gewann die Hypothese eines Cyberangriffs in bestimmten Kreisen an Gewicht. Die ihr zugeschriebene Logik ist doppelt: Einerseits soll sie von einem möglichen Designfehler des elektrischen Systems ablenken; andererseits soll sie Investitionen in Cybersicherheit gegenüber Europa rechtfertigen. Dass der Präsident diese Möglichkeit nicht ausschloss, obwohl Red Eléctrica sie nicht unterstützte, nährte den Verdacht.
Das Problem dieser These ist, dass sie Spanien als ein verwundbares Land darstellt, dessen nationale Sicherheit gefährdet ist, was in staatlicher Kompetenz liegt. Das heißt, der Schuss geht nach hinten los: Wenn es einen Cyberangriff gab, ist die letzte Verantwortung beim Staat, nicht bei den Energieversorgern.
Kernenergie fünf Tage später
Die Daten nach dem Stromausfall helfen nicht, die offizielle Version aufrechtzuerhalten. Fünf Tage danach war die Kernenergie immer noch auf einem Tiefstand: nur 5 % der Erzeugung, etwa 1.400 MW. Nur Vandellòs 2 und Ascó 1 waren angelaufen, bei 70 % ihrer Leistung. Währenddessen deckte die Photovoltaik fast 50 % der Erzeugung ab. Das bedeutet, dass das System weiterhin massiv von der Quelle abhängig war, die laut Kritikern die Instabilität verursacht hatte.
Die unbequeme Frage, die im Raum steht, lautet: Wenn Kernenergie ein Problem war, warum ließ ihre Abwesenheit das Netz so exponiert? Und wenn erneuerbare Energien nicht die Ursache waren, warum hat der Betreiber noch nicht genau erklärt, was passiert ist?
Das Handbuch des Bolivarianismus, laut Kritikern
In Wirtschaftsforen wiederholt sich das Muster mit einer fast liturgischen Mechanik. Erstens wird ein Parteimitglied an die Spitze des öffentlichen Unternehmens gesetzt. Zweitens führt das Management dazu, dass das Netz in einen prekären Zustand gerät. Drittens werden die privaten Unternehmen beschuldigt. Viertens wird alles Verbleibende verstaatlicht. Dies ist das Handbuch, das manche der Regierung zuschreiben und das zur Rhetorik passt, multinationale Energiekonzerne als Schuldige für alle Übel des Landes zu benennen.
Die Realität ist prosaischer. Die Techniker des Netzes kämpfen seit Jahren damit, Situationen an der Grenze des Machbaren zu meistern, um politische Ziele mit der Physik des Systems in Einklang zu bringen. Wenn die Politik Ziele setzt, die die Infrastruktur nicht absorbieren kann, muss jemand den Schalter umlegen. Und dieser Jemand sitzt normalerweise nicht in einem Vorstand.
Die Analyse stößt auf denselben Punkt: Es gibt keine abgeschlossene technische Erklärung, keinen endgültigen Bericht und keinen namentlich genannten Verantwortlichen. Es gibt nur eine Erzählung, die sich je nach politischem Wind ändert. Und ein Netz, das weiterhin an der Grenze dessen funktioniert, was die Physik erlaubt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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