Eine in sozialen Netzwerken kursierende Aufstellung schreibt der Regierung von Pedro Sánchez 45 negative Meilensteine zu, darunter einen Kaufkraftverlust, der seit 2018 über dem des übrigen EU-Raums liegt, sowie 213.000 Millionen Euro zusätzliche Steuern und Sozialabgaben. Die Liste vermischt wirtschaftliche Daten mit laufenden Gerichtsverfahren und rechtskräftigen Verurteilungen.
Es gibt Listen, die sich wie eine Abrechnung lesen, und andere, die wie ein Inventar funktionieren. Diejenige, die Pedro Sánchez 45 Meilensteine seit seiner Machtübernahme 2018 zuschreibt, gehört zur zweiten Gruppe, auch wenn ihr Ton dem der ersten entspricht. Es empfiehlt sich zu trennen, was überprüfbare Zahlen sind und was laufende Gerichtsverfahren, denn vermischt verlieren beide an Wirkung.
## Kaufkraft, Armut und Wohnungsmarkt
Der erste Block ist wirtschaftlicher Natur. Laut dieser Aufstellung ist Spanien das Land der Europäischen Union mit dem größten Kaufkraftverlust seit 2018, liegt beim Kindesarmut-Indikator an erster Stelle, bei der relativen Gesamtarmut an dritter und bei der absoluten Armut an fünfter Stelle. Das sind relative Positionen innerhalb der 27, keine absoluten Zahlen, und das ist wichtig: Der dritte Platz bei relativer Armut bedeutet, dass der Abstand zwischen niedrigen Einkommen und dem Durchschnitt zu den größten der EU gehört – nicht, dass es absolut mehr Arme gibt als in Ländern mit niedrigeren Durchschnittseinkommen.
Den vierten Platz belegt Spanien bei den Familien, die sich nicht einmal eine Woche Urlaub im Jahr leisten können. Das ist ein klassischer Indikator für materielle Entbehrung, den Eurostat mit der Frage misst, ob ein Haushalt sich eine Woche außer Haus erlauben kann. Dass ein Land mit Küste und Massentourismus so weit oben auftaucht, hat seine Logik: Wohnung und Energie fressen das Budget, bevor Freizeit drankommt.
Die Liste nennt zudem **213.000 Millionen Euro** zusätzliche Abzocke durch Steuern und Sozialabgaben seit 2018 sowie **400.000 Wohnungen**, die dem Mietmarkt entzogen worden sein sollen. Auch die Zahl zum IMV taucht auf: **2,7 Millionen** Menschen, die offiziell über das Ingreso Mínimo Vital (spanische Mindesteinkommensleistung) als arm anerkannt sind. Das heißt: Der Staat selbst bescheinigt die Armut, die die Leistung lindern soll.
## Die Gerichtsverfahren und Verurteilungen
Hier bewegt sich die Liste auf anderem Terrain. Sie nennt **15 Korruptionsfälle** im Umfeld des Ministerpräsidenten, die Verurteilung des Generalstaatsanwalts **Álvaro García Ortiz**, die des ehemaligen Organisationssekretärs **José Luis Ábalos** wegen Bereicherung mit Masken während der Pandemie – als in Spanien mehr als **120.000 Menschen** starben – sowie die seines Beraters **Koldo García Izaguirre**. Außerdem bringt sie **Begoña Gómez** wegen mutmaßlicher Vetternwirtschaft an Universitäten auf die Anklagebank und bezeichnet den neuen Organisationssekretär der PSOE, **Santos Cerdán**, als mutmaßlichen Kopf einer Machenschaften.
Nicht alle diese Fälle befinden sich im selben Verfahrensstadium. Eine rechtskräftige Verurteilung ist nicht dasselbe wie eine Anklage, und eine Anklage ist nicht dasselbe wie eine Voruntersuchung. Die Liste präsentiert sie gemeinsam, und dabei verliert sie an Präzision: Wer sie am Stück liest, könnte denken, alles sei verhandelt und abgeschlossen, was nicht der Fall ist. Der Maskenfall endete tatsächlich mit einer Verurteilung. Andere Dinge laufen noch.
Der Text spricht von einem Netzwerk über **700 Millionen** in der SEPI (spanischer Staatsbeteiligungskonzern), von willkürlich vergebenen öffentlichen Bauaufträgen und von zwei Rettungspaketen für Fluggesellschaften, wegen mutmaßlicher Einflussnahme untersucht werden. Das sind Ermittlungen, keine Urteile. Der Unterschied ist keine juristische Kleinigkeit: Es ist der Unterschied zwischen einer Tatsache und einer Anschuldigung.
## Amnestie, Begnadigungen und Außenpolitik
Der politische Block beginnt mit der Amnestie und den Begnadigungen als Regierungsbedingungen und fährt mit der parlamentarischen Unterstützung durch Gruppierungen wie Bildu fort. Er erwähnt die Entlassung von mehr als **100 ETA-Terroristen** aus dem Gefängnis, die Auseinandersetzung mit **Israel**, den **USA**, **Deutschland** und der eigenen **NATO** sowie das, was er als Begünstigung der Migrationslage in **Ceuta** beschreibt. Außerdem wirft er der Regierung vor, die Drogenbekämpfungseinheit **OCON Sur** aufgelöst und die Führung der Policía Nacional manipuliert zu haben.
Der institutionelle Teil ist der heikelste. Er spricht von einem Angriffsversuch auf die Justiz, von der Infiltration des Verfassungsgerichts und des Rechnungshofs, von schwarzen Listen mit Journalisten und von einer Schmutzkampagne-Einheit, die Kontakt mit Drogenhändlern aufgenommen haben soll, um Richter auszuschalten. Solche Behauptungen, ohne dass ein Urteil sie stützt, sind Anschuldigungen. Man kann sie wiedergeben, aber nicht als erwiesen hinnehmen.
Den Abschluss der Liste bildet ein Satz, der den Ton zusammenfasst: mehr Angeklagte als Abgeordnete. Das ist ein rhetorischer Schlag, keine Zahl. Und als rhetorischer Schlag funktioniert er, aber wer ihn liest, sollte wissen, dass es keine offizielle Zählung gibt, die ihn stützt.
## Was man im Kopf behalten sollte
Von der gesamten Aufstellung lassen sich mit öffentlichen Quellen überprüfen: die relativen Positionen bei Armut und Kaufkraft, die Zahlen zu Steuer- und Abgabenbelastung sowie die bereits existierenden rechtskräftigen Verurteilungen. Der Rest sind offene Verfahren, laufende Anschuldigungen oder Behauptungen, die noch nicht vor einem Gericht standen.
Die Liste hat 45 Punkte, und für den, der sie geschrieben hat, ist keiner zu viel. Für den Leser ist die nützliche Übung ein anderes: zu trennen, was bereits verurteilt ist und was aussteht, und was eine Zahl ist und was eine Meinung im Gewand einer Zahl. Das macht die Liste nicht weniger unbequem. Es macht sie schwerer anfechtbar.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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