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San Diego: Trump-Flucht trotz hoher Lebenshaltungskosten
Ein Dokumentarfilm über US-Amerikaner, die vor Trump fliehen, ignoriert, dass San Diego in dem von Demokraten regierten Kalifornien liegt. Die Mieten betragen dort 4.000 Dollar.
San Diego: Flucht vor Trump bei Brotpreisen von 6 Dollar
Ein Laib Brot für 6 Dollar. Eine durchschnittliche Mietwohnung in San Diego für 4.000 Dollar. Und ein Durchschnittsgehalt in dieser kalifornischen Stadt von etwa 5.000 Dollar netto, das bei den lokalen Preisen nicht reicht, um wie ein spanischer Mindestlohnempfänger zu leben. Das ist der Ausgangspunkt eines deutschen Dokumentarfilms über US-Amerikaner, die angeben, ihr Land wegen der Politik von Trump zu verlassen und nach Spanien auszuwandern. Die Schlagzeile des Berichts – teures Brot, ideologische Flucht – entkräftet sich selbst beim Blick auf die Details: Kalifornien wird seit Jahrzehnten von den Demokraten regiert, wer also San Diego wegen Trump verlässt, geht aus einem Ort, wo Trump keine Macht hat. Diese Paradoxie hat eine Debatte angestoßen, die weit über den Film hinausgeht: Wer kann es sich leisten, nach Spanien zu ziehen, mit welchem Geld und auf Kosten welcher Viertel.
Was kostet das Leben in San Diego im Vergleich zu Madrid?
Die Erzählung des Films stützt sich auf die hohen Lebenshaltungskosten in den USA. Die Zahlen sind eindeutig: Das Durchschnittsgehalt in San Diego liegt bei rund 8.000 Dollar brutto pro Monat und etwa 5.000 Dollar nach Steuern, laut verbreiteten Berechnungen. Dem gegenüber steht eine Miete für eine normale Wohnung in der kalifornischen Stadt von etwa 4.000 Dollar. Auf der anderen Seite des Atlantiks kann ein Angestellter in Madrid, der 1.600 Euro verdient, sein gesamtes Gehalt für eine Miete in einem Wohnblock aus den Sechzigern an der M-30 ausgeben.
Mit diesen Zahlen hält sich der im Film gezogene Vergleich der Kaufkraft – das Dreifache in Kalifornien – kaum. In beiden Ländern frisst die Wohnkosten einen großen Teil des Gehalts auf. Wer viel verdient und remote für ein ausländisches Unternehmen arbeitet, lebt in Spanien wie ein König; wer hier einen Job finden muss und lokale Löhne bezieht, prallt auf die Realität. Dies ist die Grenze zwischen dem digitalen Nomaden und dem normalen Arbeitnehmer und erklärt, warum das im Film beschriebene Migrationsphänomen vor allem ein Phänomen der Besserverdiener ist.
Auswirkungen auf Mieten in Barcelona, Madrid und Málaga
Das gewählte Ziel ist auch kein Zufall. Barcelona, Madrid, Valencia und Málaga konzentrieren diese Zuwanderungsprofile und damit den Druck auf den Mietmarkt. In Barcelona ballen sich die Neuankömmlinge in sehr spezifischen und teuren Gebieten: Paseo de Gracia, Diagonal, Gran de Gracia. Sie kaufen Wohnungen oder mieten sie zu Preisen, die die alteingesessenen Nachbarn verdrängen. In Málaga und Madrid passiert Ähnliches, mit der Besonderheit, dass das ausländische Geld nicht immer bleibt: Manche behaupten, viele langweilen sich nach zwei Jahren und kehren zurück.
Die häufigste Kritik richtet sich nicht gegen die Ankommenden, sondern gegen die Konzentration. Es wird argumentiert, dass das Phänomen stets dieselben Viertel belastet und die Hälfte Spaniens aus dem Blickfeld gerät, wo ländliche Gebiete und mittlere Städte ausbluten. Das Ergebnis ist ein Mietmarkt, der in vier Hauptstädten steigt und im Rest des Landes sinkt.
Remote-Arbeit: Der Schlüssel, der alles verändert
Hier liegt der Kern der Sache. Wer mit einem US-Gehalt per Remote-Arbeit kommt – man spricht von 6.000, 7.000 oder 8.000 Euro netto pro Monat – lebt in Spanien mit einer Kaufkraft, die kein lokaler Arbeitnehmer erreicht. Das Gesundheitssystem erscheint ihm günstig, die öffentliche Sicherheit ein Luxus und die Gastronomie ein Geschenk. Müsste er sich um einen spanischen Job bewerben, wäre das Szenario anders. Diese Asymmetrie macht die Ankunft für die Zugewanderten zu einem Win-Win-Situation und zum Problem für die bereits Anwesenden.
Manche behaupten, der Strom habe gerade erst begonnen. Andere antworten, dass das Abenteuer kurzlebig sei: Kultur schock, Bürokratie und Heimweh führen dazu, dass viele früher als erwartet die Koffer packen. Kaum jemand bestreitet jedoch die zugrunde liegende Diagnose: Der Wohnungsmarkt ist zum Flaschenhals jeder Migration geworden, egal ob aus San Diego oder Cuenca.
Politische Paradoxie: Von Kalifornien nach Spanien wegen Trump
Das Detail, das jeden verwirrt, der die Schlagzeile genau liest: San Diego liegt in Kalifornien, dem am stärksten demokratisch geprägten Bundesstaat des Landes, der ununterbrochen seit 27 Jahren von Sozialdemokraten regiert wird. Wer dort wegen Trump weggeht, verlässt einen Ort, an dem Trump nicht regiert. Die Erklärung der Protagonisten des Films lautet anders: Lebenshaltungskosten, Unsicherheit und ein idealisiertes Bild von Europa. Der föderale Rahmen mit seinen Kontrollmechanismen begrenzt die staatlichen Politiken; in Spanien sind die Handlungsspielräume unterschiedlich.
Dieser Widerspruch hat die Diskussion ausgelöst. Es ist keine politische Flucht, sondern eine wirtschaftliche Flucht mit ideologischem Deckmantel. Und der Deckmantel fällt, sobald man auf die Karte schaut.
Es bleibt die verwirrende Tatsache: Wer mit ausländischem Gehalt kommt, kann in jedem beliebigen Viertel jeder spanischen Hauptstadt leben. Wer ohne dieses Gehalt kommt, nicht. Unterdessen kostet die Miete einer durchschnittlichen Wohnung in San Diego weiterhin 4.000 Dollar, exakt so viel wie ein ganzes Monatsgehalt in Madrid.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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