Kostenlos im Wald sammeln: Vom Sparen zur Strafe
Kann man auf einen öffentlichen Hügel steigen, ein Kilo Thymian pflücken und wieder herunterkommen, ohne dass jemand einen anhält? Theoretisch ja. In der Praxis hängt die Antwort von der Autonomen Gemeinschaft, dem Grundstückseigentümer und der Auslegung des zuständigen Beamten ab. Der Ausgangspunkt der Diskussion ist eine Liste wilder Nutzpflanzen, die von Thymian, Oregano und Rosmarin über Lorbeer, Kamille, Kastanien, Haselnüsse, Pinienkerne, Spargel, Disteln, Brombeeren, Schlehen, Eicheln bis hin zum Wildpflaumenbaum reicht. All das wächst dort – und all das hat einen Eigentümer.
Die Debatte beginnt mit einer haushaltsnahen Rechnung: Wer in der Saison in den Wald geht, kann mehrere Kilo aromatische Kräuter sammeln, sie trocknen und Vorräte für Jahre anlegen. Das Kleingedruckte kommt schnell ans Licht. Ein im Austausch zitierter Fall erinnert daran, dass ein Hirte in der Alpujarra vor Gericht gestellt wurde, weil er eine Handvoll Kamillen einer geschützten Art gepflückt hatte, um seinen Kindern einen Tee zu kochen; sein Anwalt führte dies auf eine Depression des Angeklagten zurück. Eine andere Version desselben Vorfalls besagt, dass der Mann Heilpflanzen zum Verkauf sammelte und bereits vorherige Warnungen gesammelt hatte. Beide Lesarten bestehen nebeneinander, ohne geklärt zu werden.
Was man laut Autonomen Gemeinschaft sammeln darf und was nicht
Die am häufigsten wiederholte Schlussfolgerung ist, dass in Spanien neunzehn Umweltgesetze nebeneinander existieren: eines pro Autonome Gemeinschaft, plus das nationale und das europäische Recht. Was in einer Region erlaubt ist, muss nicht unbedingt in der Nachbarregion erlaubt sein. Die Kontrolle übt die Seprona (Umweltschutzabteilung der Guardia Civil) sowie die Forstbehörden jedes Gebiets aus, wobei die Zuständigkeiten ungleich verteilt sind.
Einige behaupten, dass nichts im Wald legal gesammelt werden darf, es sei denn, es liegt eine ausdrückliche Genehmigung vor. Es werden Fälle von Bußgeldern genannt, weil Rosmarin geschnitten wurde – eine Pflanze, die wild auf halber Iberischer Halbinsel wächst – und weil trockene Pinienzapfen vom Boden eines Kiefernwaldes aufgehoben wurden. Dieser letzte Fall ist besonders unbequem: Heruntergefallene Zapfen sind brennbares Material und ihre Entfernung reduziert das Brandrisiko, doch die Vorschriften belohnen diese Säuberung nicht, sondern ahnden sie. Die Paradoxie wiederholt sich beim Brennholz: Ein Hörer berichtete im Radio, dass ihm die Erlaubnis zur Sammlung verweigert worden sei und deshalb die Wälder voller Überreste lägen.
Der Gegenpunkt kommt aus der Erfahrung derer, die im ländlichen Raum leben. Manche versichern, sie hätten nie Probleme mit der Forstpolizei gehabt, weder beim Schlafen im Wald noch beim moderaten Sammeln, während andere antworten, dass gegen sie Protokolle erstellt wurden. Der Unterschied, so wird argumentiert, liege im Papierkram: Wer mit gültigen Genehmigungen eindringt, unterliegt Kontrollen; wer ohne Spuren hinterlässt, nicht.
Der Wald hat einen Eigentümer, auch wenn es nicht so aussieht
Das Argument, das die Fantasie der freien Nutzung entkräftet, ist das Eigentum. Ein Besitzer erzählt, dass er Kastanienbäume gepflanzt und jahrelang gepflegt habe und nun sehe, wie Wochenendbesucher seine Kastanien und die darunter wachsenden Pilze einsammelten. Der Wald ist kein Supermarkt ohne Kasse: Er ist ein Grundstück mit einem Titelhalter, katastermäßig erfasst oder nicht, und was er hervorbringt, gehört jemandem.
Die meistzitierte Anekdote zur Illustration des administrativen Eifers ist die eines Mannes, der ein Bußgeld erhielt, weil er zwei Stöcke von Sträuchern brach, die in einem Graben neben einem Anwesen standen. Die offizielle Erklärung war, dass man nichts von fremdem Eigentum nehmen dürfe. Der Betroffene argumentierte, er stehe im Graben. Das half nichts.
Pilze, Spargel und Schnecken: Der Parallelmarkt
Jenseits der aromatischen Kräuter ist das Sortiment der wilden Produkte mit kommerzieller Abnahme breit. Pinienkerne werden zu Preisen verkauft, die überraschen, wenn man sie mit dem Supermarktregal vergleicht. Wilder Spargel und Pilze ziehen in der Saison Enthusiasten an. Schnecken, so ein Zeugnis, sind in einigen Gebieten so zahlreich, dass sie Ernten ruinieren, werden anderswo aber nicht verzehrt, während sie in Katalonien knapp und teuer sind. Dasselbe Missverhältnis tritt bei Steinpilzen auf: In bestimmten Landstrichen Kastiliens wurden sie kistenweise gesammelt, als niemand sie wollte, während sie in Katalonien der begehrteste Pilz sind.
Die Grenze zwischen Nutzung und Plünderung ist verschwommen. Es wird kritisiert, dass der Spargelbestand dezimiert sei, weil selbst die kleinsten Triebe ausgerissen würden. Der Druck auf die Ressource kommt nicht nur von außen: Er kommt auch von denen, die seit Jahrzehnten dieselben Bestände betreten.
Meeresfrüchte und Fischerei: Andere Regeln, ähnliche Strafen
Die Debatte springt vom Wald an die Küste. In Galizien ist die Muschel- und Krustentierwirtschaft stark geschützt, da sie vielen Familien ihren Lebensunterhalt sichert, und die Bußgelder für Wilderei sind streng. In Asturien reicht eine Fischereilizenz, um Bignone-Schnecken oder Seeigel zu sammeln, während dieselbe Tätigkeit in Galizien sanktioniert werden kann. In Andalusien dürfen bis zu fünf Kilogramm Fisch gefangen werden, wobei das größte Exemplar abgezogen wird, aber das Nehmen einer Miesmuschel, einer Garnele oder eines Oktopus kann teuer werden. Die Fünf-Kilo-Regel lässt zudem großzügige Auslegungen zu: Wenn das größte Exemplar vom Gewicht ausgenommen wird, können zwei Fänge mehr als neun Kilogramm wiegen, ohne die Grenze zu überschreiten.
Die unbeantwortete Frage
Verhängt die Seprona ein Bußgeld gegen jemanden, der vier Pilze für den Eigenbedarf auf öffentlichem Gelände sammelt, ohne dass eine geschützte Art involviert ist? Niemand in der Unterhaltung liefert eine abschließende Antwort. Es werden Fälle von Sanktionen wegen Rosmarin, wegen gefallener Zapfen und wegen zweier Gräbenstöcke genannt. Ebenso werden Jahre des Sammelns ohne Zwischenfälle angeführt. Das vorherrschende Gefühl ist, dass die Beurteilung je nach Beamtem, Region und Sichtbarkeit des Sammlers variiert. Angesichts dieser Lage erscheint es nicht mehr übertrieben, mit einem Korb und einem Anwalt im Terminkalender in den Wald zu gehen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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