Galizischer Boykott katalanischer Produkte wächst zu Weihnachten

Galicien importiert Waren im Wert von 1,2 Milliarden Euro aus Katalonien, doch Cava, Wurst und Obst verlieren in den Weihnachtskörben an Bedeutung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Boykott katalanischer Produkte erreicht die Weihnachtskörbe

Ein Mann schlägt eine Obsthändlerin in A Coruña, weil sie Birnen aus Lleida verkauft. Der Vorfall bleibt eine Randerscheinung, dient aber als Gradmesser: Der sogenannte Katalonien-Konflikt ist nicht mehr nur Sache der Politiker, sondern hat den Einkaufswagen erreicht. In Galizien verlieren Lebensmittel und Getränke, die Kunden mit Katalonien verbinden, an Bedeutung bei Weihnachtseinkäufen und Firmengeschenken. Der Boykott katalanischer Produkte wird nicht mehr diskutiert: Er wird praktiziert.

Was die Daten zeigen: Weniger Cava, weniger Wurst, weniger Obst

Großflächenmärkte stellen einen Rückgang der Nachfrage nach Artikeln fest, die mit Katalonien assoziiert werden, insbesondere Cava, bestimmte Wurstwaren und Obst. Es gibt keine offizielle Erklärung oder Kampagnen-Label, nur ein Kaufverhalten, das sich verfestigt hat. Galizische Distributoren, die mit katalanischen Marken arbeiten, bestätigen dies unumwunden: Ein Unternehmen aus A Coruña stellte den Vertrieb einer Butifarra und einer Longaniza ein, die „hervorragend“ waren, einfach weil sie sich nicht verkauften.

Die Zahl, die alles in Kontext setzt: Katalonien exportiert Waren im Wert von rund 1,2 Milliarden Euro nach Galizien. Die galizische Gemeinschaft ist einer der zwanzig wichtigsten Märkte für katalanische Unternehmen und absorbiert etwa 3 % ihrer interregionalen Exporte, laut dem Bericht C-Intereg 2019 (basierend auf Daten von 2016). Zahlen, die heute etwas schwächer erscheinen dürften.

Katalanischer Cava verliert den Binnenmarkt und tarnt sich als valencianisch

Die Produktion von Cava für den spanischen Markt sank um 12,1 % im Jahr 2018, und dieser Trend hielt im Folgejahr an. Von den produzierten 244 Millionen Flaschen wurden 79 Millionen für den Binnenmarkt bestimmt, fast zehn Millionen weniger als geplant. Im Juli gab der Consejo Regulador del Cava seine Besorgnis über den Rückgang des Inlandsverbrauchs zu.

Bisher kompensierte die Kellereien dies durch Exporte. Nun taucht eine weniger elegante Strategie auf: Partien bereits abgefüllter, unetikettierter Flaschen werden reserviert, um als valencianischer oder extremadurischer Cava verkauft zu werden. Bilder einer katalanischen Bodega, die Käfige voller Flaschen zeigt, die angeblich nach Valencia geschickt werden, um dort als eigene Ware etikettiert zu werden, haben die Branche erschüttert und sowohl Freunde als auch Gegner verärgert.

Ist es Boykott oder einfach geänderter Konsum?

Hier spaltet sich die Erzählung. Eine Strömung behauptet, es gebe einen Überzeugungstatbestandenen Ablehnung, und viele Firmen verlangen ausdrücklich, dass ihre Weihnachtskörbe kein einziges katalanisches Produkt enthalten. Eine andere hält dagegen: Es gibt keinen organisierten Boykott, sondern galizische Schaumweine sind in Mode gekommen, und der Kunde hat seine Präferenz ohne Weiteres geändert. Eine dritte reduziert es auf die Krise des katalanischen Cavas, der beim Durchschnittsverbraucher nie der Favorit war.

Das unbequemste Argument liefern jene, die warnen, dass die Strafe KMUs mit Belegschaften trifft, nicht politische Parteien. „Ihre Produkte sind sehr gut, und dahinter stehen viele betroffene Arbeitnehmer“, fasst die Leiterin eines Vertriebsunternehmens aus A Coruña zusammen. Niemand bestreitet das; niemand ändert jedoch sein Verhalten.

Codorníu-Werbung, die den Markt entfachte

Innerhalb von 24 Stunden forderten fast 10.000 Menschen in sozialen Netzwerken den Rückzug einer Codorníu-Kampagne, die den Slogan „Wir tun es wieder“ nutzte – dasselbe Motto, das von inhaftierten Unabhängigkeitsbefürwortern und bei Demonstrationen in Barcelona verwendet wurde. Es half der Marke wenig, zu erklären, dass alles nur ein Zufall sei. Der Vorfall bestätigt, wie stark Verbraucher Politik auf jedem Etikett lesen.

Wie viel wiegt Galizien bei den katalanischen Verkäufen?

Weniger, als es scheint, und mehr, als zugegeben wird. Die 3 % der interregionalen Exporte sind ein bescheidener Anteil, konzentrieren sich aber auf sensible Kategorien. Parallel dazu haben sich fast 300 katalanische Unternehmen, die Katalonien wegen des politischen Klimas verlassen haben, in Galizien niedergelassen – eine Umsiedlung, die die Gemeinschaft selbst mit Häme zur Kenntnis nimmt.

Am Ende steht das Detail, das die Erzählung der beiden Lager bricht: Galizien hat nie einen offiziellen Boykott erklärt. Es war nicht nötig. Während katalanischer Cava nach reist, um sich als heimisch zu tarnen, erleben galizische Schaumweine ihre beste Zeit. Der Markt vergibt nicht und erhebt zudem Zinsen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (168 Antworten).

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