Russlands Rüstungsindustrie wächst trotz kleiner Wirtschaftsleistung

Trotz eines BIPs auf italienischem Niveau baut Russland seine Militärproduktion aus, gestützt durch Ressourcen und niedrige Schulden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russlands Rüstungsindustrie wächst trotz kleiner Wirtschaftsleistung
Russland verdoppelt Waffenfabriken mit einem BIP wie Italien

Eine Karte Russlands, übersät mit neuen Punkten: Industriekomplexe zur Ausweitung der Rüstungsindustrie. Die Frage bleibt: Wenn die russische Wirtschaft so groß ist wie die spanische – oder kleiner –, woher kommen das Geld, die Maschinen und die Menschen? Der Auslöser ist eine Behauptung aus angloamerikanischen Propagandaschriften, wonach im ganzen Land solche Komplexe entstehen. Das erste Erstaunen weicht einer unbequemen These: Ein in Dollar gemessenes BIP, nach üblichen Kriterien, beschreibt nie ein Land gut, das auf Energie, Land und Rohstoffen sitzt.

Wie finanziert Russland seine Rüstungsindustrie bei italienischem BIP-Niveau?

Hier beginnt die Verwirrung. Vergleicht man das russische Bruttoinlandsprodukt mit dem spanischen – oder italienischen, je nach Version –, sollte die Rechnung für neue Fabriken nicht aufgehen. Doch die Mehrheit der Analysen bestreitet die Kapazität nicht; sie hinterfragt den Maßstab.

Die häufigste Antwort verweist auf drei Säulen: Natürliche Ressourcen aller Art, einen Staat, der nach dem Zerfall der UdSSR seine industrielle Basis nicht abbaute, und eine Bevölkerung, gehärtet durch successive Krisen. Manche nennen eine vierte: Souveränität. Die wiederkehrende Idee lautet: Mit Energie, Mineralien, Territorium und Menschen reicht es; der Rest ist Organisation, und die haben sie nun auch.

Dagegen greift die monetaristische Lesart zu kurz. Geld drucken stützt den Konsum, nicht die Schwerindustrie. Eine Waffenfabrik verschlingt Stahl, Aluminium, Titan und Strom in Hülle und Fülle. Keine Dienstleistungen.

Stahl, Nickel, Gas und Uran: Ressourcen, die man nicht drucken kann

Hier sind die Daten stur. Eine oft zitierte Analyse listet China als größten Produzenten von Stahl, Aluminium und Titan; Indonesien bei Nickel; Südafrika bei Palladium; Chile bei Kupfer; die USA bei Öl und Gas; und Kasachstan bei Uran. Russland selbst taucht in fast allen Tabellen auf, führt aber keine an. Sie haben alles, fasst die sarkastischste Version zusammen.

Hinzu kommt die physische Inventur, die nicht in Bilanzen steht. 20 Eisbrecher gegenüber den zwei, die den USA zugeschrieben werden. Beteiligung an der Internationalen Raumstation, wobei 80 % dort gebaut wurden, laut Material. Pipelines und Kernkraftwerke mit eigener Technologie. Dies ist die alte sowjetische Basis, die nicht verschrottet, sondern nur vernachlässigt wurde und nun wieder geöffnet wird.

Ein Ansatz geht weiter: Wenn der Plan aufgeht, würde diese Kapazität die US-amerikanische verdoppeln und die chinesische verdreifachen. Eine andere Antwort kontert spöttisch, dass es leicht sei, von Verdopplung und Verdreifachung zu sprechen, wenn der Ausgangspunkt bereits enorm war und niemand die Zahlen prüft. Eine feine Berechnung, kapazitätsweise aufgeschlüsselt, wäre eine eigene Diskussion wert.

29 % Staatsverschuldung und die realen Kosten der Sanktionen

Ein weiteres wiederkehrendes Argument: Makrozahlen bilden Moskau nicht ab. Eine Staatsverschuldung um die 29 % des BIPs, laut den Daten der Analyse, zeigt, dass das Land nicht von der Druckerpresse lebt. Dies verfälscht den direkten Einkommensvergleich mit hochverschuldeten Volkswirtschaften.

Hinzu kommen die Arbeitskosten. Derselbe Panzer kostet weniger, wenn Löhne niedrig sind und die Inflation nicht explodiert: Die interne Kaufkraft kompensiert, was die nominelle Zahl verbirgt. Ein Argument, das angesichts der europäischen Inflation durchaus Humor hat.

In dieser Lesart haben Sanktionen in bestimmten Sektoren sogar geholfen. Das genannte Beispiel ist die Landwirtschaft: Marktschließungen zwangen zur lokalen Produktion dessen, was früher importiert wurde, und man behauptet, Europa werde nun jahrzehntelang nicht mehr benötigt. Die Gegenargumente sind offensichtlich: Technischer Isolation – Chips, Komponenten, Feinmaschinen – schlägt früher oder später zu Buche.

Und wenn sie nur vorgeben, Waffen zu produzieren?

Die Gegenthese bestreitet nicht die Karte, sondern die Punkte. Sie müssen es nicht tun, nur glauben lassen, dass sie es tun, fasst die skeptische Haltung zusammen. Demnach wären die Komplexe Schaufenster, hunderte Chips aus ukrainischen Waschmaschinen recycelt und der Armata ein Projekt, das keinen ersten echten Einschlag übersteht.

Der Zweifel konzentriert sich auf einen konkreten Engpass: Arbeitskräfte. Eine wachsende Industrie braucht Hände, und die russische Demografie spielt nicht mit. Hier klammern sich jene fest, die glauben, dass die Erzählung den Kranen vorausläuft.

Der Schlagabtausch verlief auf anderen Gleisen. Ein Teil der Analyse driftete in Beleidigungen gegen verschiedene Gruppen ab, die dieser Artikel weder unterstützt noch wiedergibt. Das Wesentliche trat in den Hintergrund: Die Rolle der NATO, der Euromaidan und die US-Hilfe für die UdSSR im Zweiten Weltkrieg sind historische Fäden, die in der Diskussion verwickelt sind.

Den Bären wecken: Die Heuchelei des Westens

Ein Großteil der Analyse spricht nicht von Fabriken, sondern davon, wer zeigt. Die wiederholte Anschuldigung lautet, dass die Angelsachsen bei anderen das kritisieren, was sie seit jeher tun, und dass es wenig Substanz hat, sich über russische Waffenproduktion zu empören, nachdem man das Land mit Basen umzingelt und einen Krieg an seiner Grenze angeheizt hat.

Die meistgenutzte Metapher ist die vom Bären. Den Bären wecken, gute Idee. Ein Land, das ruhig war und nun seine Wirtschaft für einen langen Konfrontationskurs neu ordnet. Von hier bis zur Warnung, dass man nichts aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt habe, ist es ein kurzer Schritt, und viele gehen ihn.

Die Schlussfolgerung im innenpolitischen Kontext ist bitterer. Während einige industrielle Fähigkeiten vergleichen, schauen andere auf ihren eigenen Hof und mögen nicht, was sie sehen: Schulden, Prekarität und einen Staat, der improvisiert. Der Vergleich mit Spanien taucht immer wieder als unangenehmer Kontrapunkt auf.

Die verwirrende Zahl

Hier gibt es keinen Konsens. Die russische Industriekapazität mag real sein, übertrieben oder beides gleichzeitig, je nachdem, wen man liest. Was niemand bestreitet, ist eine Zahl, die am Ende auftaucht, als das Thema schon anders lag: Bei der Verlustbilanz stehen acht zu eins zugunsten einer Seite, wie eine Partei behauptet. Mit dieser Zahl passt keine Fabrik. Und keine Rechnung.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (152 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver