Russlands Papiertiger-Armee: Panzer ohne Diesel, Plünderungen im Supermarkt

Wegen Treibstoffmangel verlassene russische Fahrzeuge und Plünderungen stehen im krassen Kontrast zu den roten Platz-Paraden und offenbaren logistische Defizite.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vom Roten-Platz-Parade zum von einem Traktor geschleppten Tor-Raketensystem

Was passiert, wenn eine Armee, die sich als zweitbeste der Welt verkauft, mitten auf dem Weg den Diesel ausgeht? Die Erzählung bricht zusammen. Die Bilder vom russischen Vormarsch in der Ukraine zeigen wegen Treibstoffmangel verlassene Fahrzeuge, ein von Bauern geschlepptes Tor-Raketensystem und Soldaten, die in Supermärkten einkaufen. Der Kontrast zu den Paraden auf dem Roten Platz – wo neue gepanzerte Fahrzeuge im Vordergrund glänzen – ist so brutal, dass er das Phänomen benannt hat: der russische Papiertiger-Effekt.

Die These dieser Analyse ist für beide Seiten unbequem. Es ist keine Propaganda: Es ist Logistik. Eine Armee, die einen Blitzkrieg plant und wegen eines leeren Tanks im Straßengraben strandet, hat ein Problem, das kein Fernsehbildschirm verdecken kann.

Was ist der russische Papiertiger-Effekt und warum wurde er zum Meme?

Der Begriff entsteht durch den Kontrast zwischen Schaufenster und Lagerhalle. Bei den Paraden sieht man Armata-Panzer und makellose Fahrzeuge; im Gelände tauchen verlassene Versorgungslaster, mit Holzplatten gepanzerte Fahrzeuge und stehende Kolonnen auf. Die Überlegung, die die Sache eröffnet, ist die materielle Elend: Wenn dies bei einer großangelegten Invasion passiert, was würde in einem vergleichbaren Szenario bei jeder anderen Armee geschehen?

Die Antwort, die sich aus der Analyse ergibt, ist, dass echter Krieg absolute Improvisation ist. Handgefertigte Panzerungen aus Schrott im Irak oder Baumstämme an finnischen Panzerfahrzeugen im Zweiten Weltkrieg sind Präzedenzfälle: Jeder nutzt, was er zur Hand hat. Der Unterschied hier ist, dass das Zurhand-Habende nicht einmal reicht, um die Front zu erreichen.

Die Logistik, die nicht ankommt: Treibstoff, Essen und Soldaten im Supermarkt

Das Muster wiederholt sich. Im Norden des Landes wegen Kraftstoffmangel verlassene Fahrzeuge. Ein von Bauern bei Mariupol erbeutetes Tor-Luftabwehrraketensystem. „Spezielle“ Versorgungslaster, die nie ihr Ziel erreichten. Russische Soldaten, die in Trostjanez im Supermarkt einkaufen und in Cherson plündern. Das Bild des Militärs, der nach der Lage in Kiew fragt und lacht, wenn ihm gesagt wird, dass die Russen verlieren, ist vielleicht das beredteste von allen.

Manche behaupten, dies sei nur die erste Welle: Vorreiter aus Schrottteilen wie römische Legionen mit Hilfstruppen, während die Elite für den Schlussaufgebot zurückgehalten wird. Das Problem dieser Lesart ist, dass auch die Elite nicht auftaucht. Und wenn sie kommt, ist sie zu spät dran.

Der nicht existierende T-14 Armata und der ununterscheidbare T-90

Die Diskussion über das Material hat einen Fakt, der die Fantasie entlarvt. Vom T-14 Armata wurden etwa 40 Stück produziert, wenn überhaupt. Sie werden nicht in der Ukraine eingesetzt, weil sie keinen Unterschied machen würden und ihre einzige Rolle wäre, es dem Westen zu ermöglichen, ein Exemplar zu erobern. Der T-90 ist ein modernisierter T-72, auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden, daher ist er wahrscheinlich vor Ort.

Die Schlussfolgerung ist, dass die russische Armee hat, was sie hat. Und was sie hat, ist größtenteils Schrott aus den Siebzigern mit bartlosen Soldaten und korrupten Offizieren. Die zweitbeste Armee der Welt, sagten sie.

Die Strategie der stehenden Kolonne: Inkompetenz oder Falle?

Die schwebende Frage ist, warum eine kilometerlange Kolonne ohne erkennbare Strategie in einem Gelände anhält, das sie auswendig kennen. Die verbreitetste Antwort ist, dass es keine Falle gibt: Es gab einen Plan, der minimalen Widerstand annahm, und eine Logistik, die das Tempo nicht trägt. Der Blitzangriff zur Einnahme Kiews in zwei Tagen, über Weißrussland und Tschernobyl, verlangte Qualität, nicht Quantität. Und die Qualität kam nicht.

Das Ergebnis ist eine Armee, die zum Gespött der Welt geworden ist. Videos von russischen Soldaten, die bitten, nach Hause abgeschleppt zu werden, sind keine Inszenierung: Sie sind die Konsequenz eines Modells, das die Parade mit dem Krieg verwechselte.



Am Ende stellt sich nicht die Frage, ob der russische Papiertiger-Effekt real ist. Sondern wie viele weitere Armeen derselben Prüfung standhalten würden, wenn man ihnen das Make-up der Parade abnimmt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (84 Antworten).

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