Crenshaw: Russische Armee ohne eigene US-Verluste zu zerstören, sei eine gute Idee

Der US-Kongressabgeordnete Dan Crenshaw befürwortet, „in die Zerstörung der russischen Armee zu investieren, ohne US-Soldaten zu verlieren“. Die Debatte über die Ukraine als Stellvertreterkrieg der…

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Crenshaw: Russische Armee ohne eigene US-Verluste zu zerstören, sei eine gute Idee
Crenshaw: Russische Armee ohne eigene US-Verluste zu zerstören, sei eine gute Idee

Der US-Kongressabgeordnete Dan Crenshaw schrieb es unumwunden auf seinem X-Konto: „Ja, weil es mir eine gute Idee erscheint, in die Zerstörung der Streitkräfte unseres Gegners zu investieren, ohne einen einzigen amerikanischen Soldaten zu verlieren. Das solltest du auch so sehen.“ Der auf einem Diskussionsforum verbreitete Satz löste eine Debatte aus, die weit über den Tweet hinausgeht: Ist die Ukraine ein Stellvertreterkrieg Washingtons? Wer zahlt eigentlich die Rechnung? Und wer geht als Gewinner hervor, wenn sich der Konflikt in die Länge zieht?

Was Crenshaw genau sagte und warum es als Geständnis gelesen wird

Der Beitrag des Kongressabgeordneten erwähnt die Ukraine nicht, doch der Kontext verrät ihn. Die Formulierung – in die Zerstörung des Gegners zu investieren, ohne einen einzigen eigenen Soldaten zu verlieren – beschreibt ein Modell des Stellvertreterkriegs, auf das einige Analytiker schon länger hinweisen. Im Forum war die überwiegende Reaktion Zustimmung: „Die USA nutzen jetzt Stellvertreterarmeen, ein Präzedenzfall ist Syrien, wo ihre Pläne nicht aufgingen, ebenso wenig wie sie in der Ukraine etwas erreichen werden – nun, wenn sie den Schwarzen Peter weiter nach Europa schieben, ist es ein Win-win.“

Die These, die die Debatte durchzieht, lautet: Washington hat die perfekte Formel gefunden – Moskau zu schwächen, ohne ein einziges amerikanisches Leben zu riskieren, während die Ukrainer die menschlichen Kosten tragen und Europa die wirtschaftlichen. „Das haben die USA jetzt und immer so gemacht. Wenn es klappt, umso besser für sie; wenn es scheitert, zahlt Europa den Preis“, fasst ein weiterer Beitrag zusammen.

Die Ukraine als Kanonenfutter: wer es sagt und mit welchen Argumenten

Der Ausdruck „Kanonenfutter“ taucht im Thread mehrfach auf, aber nicht immer mit derselben Bedeutung. Für die einen beschreibt er die Realität eines Landes, das die Toten stellt, während Washington das Material liefert. Für die anderen ist er eine Beleidigung derjenigen, die Widerstand leisten. „Selenskyj ist eine Marionette eines Landes, in dem die Macher des soros'schen Maidan-Putsches regieren. Russland schützt sich selbst und die massakrierten Ukrainer“, vertritt eine der härtesten Positionen.

Dagegen erinnert eine andere Richtung daran, dass die Ukraine selbst um Waffen gebeten hat und dass die Ukrainer ihr eigenes Land verteidigen. „Soweit ich weiß, war es Selenskyj, der um Waffen gebeten hat, und es sind die Ukrainer, die ihr Land verteidigen. Du schreibst, als würden es die Ukrainer toll finden, wenn die verdammten Russen sie überfallen“, kontert ein Beitrag.

Der Knackpunkt ist weniger, wer den Konflikt begonnen hat, sondern ob die westliche Unterstützung die Ukraine zum Instrument oder zum Verbündeten macht. Und daran zerbricht das Forum.

Die wirtschaftliche Rechnung: wer gewinnt und wer den Wiederaufbau bezahlt

Abgesehen von der Rhetorik bringt der Thread ein wirtschaftliches Argument ein, das meist in den Schlagzeilen fehlt: Die amerikanische Hilfe für die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg wurde Jahrzehnte später verzinst zurückgezahlt. „Die Schulden gegenüber den USA hat Pilingui vor vier verdammten Tagen endgültig beglichen – mit Zinsen. Die angloamerikanischen Piraten geben nie etwas umsonst“, heißt es in einem Beitrag.

Mit diesem Präzedenzfall wird prognostiziert, dass die Rechnung für den ukrainischen Wiederaufbau nicht gratis sein wird. Der Gedanke dahinter: Washington führt keinen Krieg, um Geld zu verlieren, und irgendjemand wird am Ende für Kredite, Waffen und Material aufkommen. Wer? Der Thread deutet auf Europa – und innerhalb Europas auf die Steuerzahler.

Die Zangen-These: USA und Russland gegen Europa

Eine der häufigsten Strömungen im letzten Teil der Debatte behauptet, Washington und Moskau würden – weit davon entfernt, unversöhnliche Feinde zu sein – als unfreiwillige Partner bei der Schwächung Europas agieren. „Viele von uns denken langsam, dass die USA und Russland am Ende eine Zange um Europa legen“, fasst ein Beitrag zusammen. Der Vergleich mit dem Zweiten Weltkrieg ist explizit: „Wie im Zweiten Weltkrieg. Da waren sie auch Erzfeinde und so, aber die USA haben vor, während und nach dem Krieg unaufhörlich Material und Technologie geschenkt.“

Die These ist nicht neu. Sie erinnert an den alten Verdacht, dass lang andauernde Konflikte denen nützen, die Waffen und Energie verkaufen, und denen schaden, die sie im eigenen Land erleiden. Im Thread verdichtet sich dieser Verdacht zu einer Prognose: Europa wird den Wiederaufbau bezahlen, die Flüchtlinge aufnehmen und an Energie-Wettbewerbsfähigkeit verlieren, während die USA Flüssiggas und Militärmaterial verkaufen.

Was ist mit China – und warum manche Russland nicht mehr als den eigentlichen Gegner sehen

Ein Teil der Debatte verlagert den Fokus: Der wahre Gegner der USA sei nicht Russland, sondern China. „Ich glaube nicht, dass Russland ein Gegner der USA ist; man hat es vielleicht manchmal benutzt, um die Militärausgaben zu rechtfertigen, aber der eigentliche Gegner ist China“, bringt ein Beitrag ins Spiel. Ein anderer ergänzt: „Von China lässt sich sowieso niemand etwas gefallen.“

Diese Strömung vertritt die Auffassung, dass die Schwächung Russlands in Wahrheit eine Vorbereitung auf den Konflikt mit Peking ist. Wird Moskau geschwächt, verliert China einen strategischen Partner und die USA gewinnen Spielraum. Die logische Folge dieser Lesart: Europa steckt in einem Krieg fest, der nicht der seine ist und der ihm jeden Handlungsspielraum nimmt.



Und wenn Crenshaws Tweet kein Geständnis wäre, sondern eine Binsenwahrheit? Den Gegner zu zerstören, ohne eigene Soldaten zu verlieren, ist buchstäblich das Ziel jeder Militärstrategie. Die unbequeme Frage ist eine andere: Wie viel ist Europa bereit zu zahlen für einen Krieg, den Washington als Investition betrachtet?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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