Russland warnt Schweden vor NATO-Basis auf Gotland
Das russische Außenministerium hat die Pläne Schwedens, eine NATO-Basis auf der Insel Gotland zu errichten, als „provokativ“ bezeichnet, wie die Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtet. Moskau warnt vor den Risiken der militärischen Expansion des Bündnisses in den neuen nordeuropäischen Mitgliedstaaten und behauptet, die NATO wolle ihre Präsenz im Baltikum ausbauen. Parallel dazu will Stockholm die strategisch wichtige Insel stärken. Die Debatte über Entscheidungsrechte in souveränen Gebieten ist damit eröffnet.
Was Russland konkret über Gotland gesagt hat
Das russische Außenministerium hat wiederholt vor den Gefahren gewarnt, die sich aus der militärischen Entwicklung der NATO in den Territorien der neuen nordeuropäischen Mitglieder ergeben. In diesem Kontext beabsichtigt Stockholm, die „strategisch wichtige“ Insel Gotland mit einer Basis des Bündnisses zu festigen. Die russische Seite betrachtet diese Pläne als „provokativ“.
Die Insel Gotland nimmt eine Schlüsselposition für die Kontrolle des Baltikums ein. Wer sie kontrolliert, kann den See- und Luftverkehr in einer Zone beeinflussen, die seit dem Ende der traditionellen Neutralität Schwedens und Finnlands zum militärischen Schachbrett geworden ist. Einige argumentieren, dass ein lebenswichtiger Enklave zur Kontrolle des Baltikums nicht unverteidigt bleiben sollte; dagegen steht das Argument, dass Moskau kein Vetorecht habe, was ein souveränes Land auf eigenem Boden tut.
Der doppelte Maßstab, der Moskau vorgeworfen wird
Der Vergleich mit der Kubakrise drängt sich auf, wenn man genauer hinsieht. Wenn Russland eine Basis mit Hyperschallraketen in Haiti errichte, so das Argument, würde dies den USA missfallen, obwohl Haiti souverän sei. Die Antwort folgt sogleich: Haiti ist souverän, und wenn es grünes Licht gibt, dass Russland eine Basis auf seinem Territorium installiert, gäbe es nichts auszusetzen. Schweden hat jedes Recht, die Errichtung einer Militärbasis auf Gotland zuzulassen. Tatsächlich wäre es, so wird hinzugefügt, unverantwortlich, dies nicht zu tun.
Die historische Bilanz lastet schwer. 1962 machte Kennedy deutlich, dass sowjetische Raketen in Kuba entweder entfernt würden oder der Dritte Weltkrieg beginne, egal wie souverän die Insel sei. Der Unterschied, erwidern einige, bestehe darin, dass die USA damals als Supermacht handelten und die UdSSR als zweitrangige Nation reagierte. Nichts habe sich geändert, schließen sie: Russland bleibe ein zweitrangiges Land, unfähig, seine Agenda durchzusetzen.
Kaliningrad, der andere Enklave, dessen Vorzeichen wechseln
Mit neutralen Schweden und Finnen befanden sich die baltischen Staaten in einer prekären Lage gegenüber Russland und hatten nur eine schwache Option, Verstärkungen zu erhalten. Mit Schweden und Finnland in der NATO verlagert sich das Problem nach Kaliningrad, das nun in einer prekären Situation ohne Optionen für Verstärkungen ist. Kaliningrad ist für Russland strategisch nicht mehr tragfähig; es dient nicht mehr dazu, eine Flotte zu unterhalten, die bei Auslauf ins Meer zerstört werden könnte, und jede dort stationierte russische Armee ist von Verstärkungen, Munition und sogar Verpflegung isoliert.
Das Argument wird durch den Appell an Kohärenz vervollständigt: Wenn akzeptiert wird, dass Enklaven verstärkt werden, soll man mit gutem Beispiel vorangehen und die Strukturen in Kaliningrad abbauen. Der Ball liegt nun beim Kreml, der sieht, wie seine Baltische Flotte den Hafen verliert, der ihr previously Luft verschaffte.
Der Vorwurf, Schweden sei ein Proxy der USA
Ein Teil der Analyse besagt, dass Schweden in NATO-Fragen ein Proxy der Vereinigten Staaten sei und dass faktisch Washington entscheide, was auf schwedischem Boden platziert werde. Eine NATO-Basis werde nicht von Schweden eröffnet, so das Argument, das sei offensichtlich. Diese These wird auch auf Spanien ausgeweitet: Man solle versuchen, zu sagen, dass man keine US-Basen mehr hier wolle, und schauen, was passiert. Der letzte, der den USA etwas verweigerte, endete zertrümmert auf einem Dach, wird erinnert.
Die Gegenreaktion lässt nicht auf sich warten. Alles, was nicht dem Wunsch des Kremls entspricht, sei ein Proxy, lautet die Antwort, wie eine Sammelbüchse für alle möglichen Argumente. Die Diskussion driftet ab auf die Frage, ob irgendein europäisches Land wirklich souverän ist oder ob alle als von den USA eroberte Militärterritorien handeln.
Die Liste der Interventionen, die Moskau vorgeworfen werden
Die Liste der Konflikte, in denen Russland seit 1991 interveniert hat, wird detailliert aufgeführt: der georgische Bürgerkrieg 1991–1993, der Transnistrien-Krieg 1992, der Konflikt von Prigorodny Ost 1992, der Abchasien-Krieg 1992–1993, der tadschikische Bürgerkrieg 1992–1997, der Erste Tschetschenien-Krieg 1994–1996, der Zweite Tschetschenien-Krieg 1999–2009, der Russisch-Georgische Krieg 2008, der Inguschetien-Konflikt 2009, der Syrien-Krieg seit 2014, der Ukraine-Krieg seit 2022, die russische Intervention in Mali seit 2012, die russische Intervention in Burkina Faso seit 2024 und die militärische Intervention Russlands im Zweiten Zentralafrikanischen Bürgerkrieg seit 2018.
Diese Bilanz wird genutzt, um die These der imaginären Bedrohung zu entkräften. Wenn Russland in all diesen Fronten interveniere, so das Fazit, sei die Sorge Schwedens um Gotland keine Fantasie. Die NATO sollte ihre Waffenproduktion verzehnfachen, heißt es bisweilen: Mehr Kanonen, weniger Butter.
Donbas, Referenden und der Zahlenkrieg
Die Debatte verheddert sich im Donbas. Es wird behauptet, dass nach acht Jahren Bombardierung kein Gebäude stehen würde, was in Mariupol in weniger als zwei Monaten geschah. Wenn man eigene russische Daten heranzieht, zeigt sich, dass in den genannten Verlustzahlen auch ukrainisches Personal und Zivilisten in den damals von der Ukraine kontrollierten Gebieten enthalten sind. Die Bevölkerung des Donbas floh ab 2014 massenhaft, weshalb die Aussage, sie stimmten für Pilingui, absurd sei, da sie nicht mehr dort seien.
Gegenargumente kommen mit Zahlen: 2,8 Millionen Menschen gingen nach Russland. Aber vor den Wahlen hätten sie 2014 bereits gegen einen Verbleib in der Ukraine gestimmt, das Referendum gewonnen und dann seien Bomben auf sie geworfen worden. 2014 sei die Mehrheit geflohen, also hätten sie nicht über Unabhängigkeit abgestimmt, wird erwidert: Ein Referendum mit der Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht sei nicht legitim. Vor 2014 gewannen in diesen Regionen die Partei der Regionen mit Versprechen von EU-Abkommen und Beitritt. Diese Partei wurde am 21. Februar 2023 als politische Organisation verboten, trotz fehlender Aktivität in jüngster Zeit. Auch die Ukrainische Kommunistische Partei wurde illegalisiert.
GPS, Raketen und die unbeantwortete Frage
Das Stören des GPS-Empfangs in halb Europa sei weder provokativ noch schädlich, ironisiert man unter Verweis auf journalistische Berichte. Die Kernfrage lautet, ob ein Land das Recht hat, einen Enklave bestmöglich zu verteidigen. Heutzutage gebe es U-Boote mit Dutzenden Mittel- und Langstreckenraketen, bereit von überall abzuschießen, was den Wert einer festen Basis relativiere. Das sei die Welt, die Russland wolle, lautet das Fazit.
Die offene Frage bleibt, ob die USA diese Basen nutzen können, wann immer sie wollen. Sie könnten nicht einmal Angriffe von dort führen ohne Erlaubnis, lautet die Antwort. Die Diskussion endet ohne Abschluss: Die Logik in den internationalen Beziehungen hat sich verwischt, und jede Seite wartet ab, was die andere tut.
Am Ende steht die überraschende Tatsache: Während diskutiert wird, ob Schweden über sein Territorium entscheiden darf oder nicht, sitzt die russische Baltische Flotte in einem Hafen fest, der mit Schweden und Finnland in der NATO aufgehört hat, ein Zugang zum offenen Meer zu sein, und sich stattdessen in eine Falle verwandelt hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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