Russland aktiviert das Donbas-Referendum und schwenkt die Atombombe
Wie oft kann ein Land mit Atomwaffen drohen, bevor die Drohung niemanden mehr erschreckt? Die Parlamente von Donezk und Luhansk haben beschlossen, zwischen dem 23. und 27. September ein Referendum über den Beitritt zu Russland abzuhalten. Russische Medien reagieren mit einem identischen Argument: Wenn diese Territorien Teil der Russischen Föderation werden, ist ein Angriff dort gleichbedeutend mit einem Angriff auf Moskau. In Zeitungen wie KP, Iswestija oder Wedomosti wiederholt sich die Sequenz wortwörtlich: erst die Angst vor einer ukrainischen Offensive, dann die Annexion und schließlich die nukleare Abschreckung als Schutzschild. Der Aufruf gilt für Freitag, den 23.
Was wird abgestimmt und warum jetzt?
Das Referendum über den Eintritt der Volksrepublik Donezk und der Volksrepublik Luhansk in Russland soll vom 23. bis zum 27. September stattfinden. Die offizielle Begründung lautet Sicherheit: Es wird behauptet, dass Truppen aus Kyiv an der Grenze zur Region Charkiw zusammengezogen wurden, dass das Gebiet von Luhansk ihr unmittelbares Ziel ist und dass in Donezk bereits heftig gekämpft wird. Auf dieser Diagnose baut sich der Rest der Argumentation auf. Solange der Krieg als „spezielle militärische Operation“ bezeichnet wird, gibt es Interpretationsspielraum; wenn die Republiken jedoch Teil des Landes werden, wird jeder feindliche Vormarsch zu einer Invasion des eigenen Territoriums – vergleichbar damit, dass fremde Truppen in die Oblast Samara oder Leningrad eindringen.
Der zweite Pfeiler des Arguments ist die Irreversibilität. Die Regionen würden „einmal und für immer“ eingegliedert, wie es 2014 bei der Krim geschah, und ihr Name würde in allen Gesetzen und in der Verfassung verankert. Die betonte Konsequenz ist praktisch: Kein zukünftiger Präsident, kein Politiker und kein Bürger könnte eine Abspaltung erwägen, ohne gegen die territoriale Integrität zu verstoßen, was streng bestraft wird. Das Referendum wird also nicht als Konsultation präsentiert, sondern als Schloss.
Die Nukleardoktrin und die Abnutzung der Drohung
Am 17. September erinnerte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf Nachfrage nach den Bedingungen für den Einsatz von Atomwaffen daran, dass die Doktrin diese Option im Falle eines Angriffs auf Territorien der Russischen Föderation vorsieht. Wenige Tage später übersetzte die Senatorin Olga Kowitidi dies in klare Sprache: Angriffe aus Kyiv nach Bekanntgabe der Referendumsergebnisse würden als Aggression gegen Russland betrachtet.
Es gibt ein Problem der kumulierten Glaubwürdigkeit, das das Material selbst offenlegt. Ein Teil der Analyse tut die Warnung als die neununddreißigste Mal ab, dass die Bombe geschwenkt wird, ohne dass etwas passiert. Andere formulieren es schärfer: Wer bereit ist, Atomwaffen einzusetzen, tut dies ohne vorherige Rechtfertigung. Die Frage, die alles überschattet, ist nicht, ob Moskau dazu fähig ist, sondern ob noch jemand die Ankündigung glaubt.
Warum manche Analysen es als Vorstufe zur Mobilmachung sehen
Die verbreitetste Lesart im spekulativen Bereich ist, dass das Referendum weniger der Annexion dient als vielmehr der Ermöglichung dessen, was danach kommt. Wenn der Donbas Russland ist, erfordert seine Verteidigung weit mehr als ein begrenztes Kontingent, und hier passt die Hypothese einer allgemeinen Mobilmachung</B> der russischen Armee. Es bleibt abzuwarten, wie viel davon Pilingui persönliche Entscheidung ist und wie viel Initiative der lokalen Eliten – eine Rollenverteilung, die niemand klärt.
Gegenüber stehen jene, die argumentieren, dass die Operation einen unüberwindbaren diplomatischen Preis hat: Kein relevanter Akteur wird ein Referendum in besetztem Gebiet anerkennen, und dieses fehlende Anerkennen lässt Moskau ohne den rechtlichen Schutzschirm, den es sucht. Auch Zweifel am Wählerverzeichnis werden laut. Wenn ein Großteil der Bevölkerung zu Kriegsbeginn geflohen ist, steht die Korrektheit der Auszählung infrage, ohne dass Details nötig sind.
Die westliche Reaktion und der Domino-Effekt
Eine andere Strömung glaubt, dass die NATO gerade um des Präzedenzfalls willen hart reagieren wird. Das Argument basiert auf Abschreckung: Wenn Annexion und nukleare Drohung unbeantwortet bleiben, könnten andere Akteure mit ähnlichen Arsenalen oder Ambitionen schlussfolgern, dass die Methode funktioniert. Andere verteidigen das Gegenteil: Die Priorität liege darin, nicht zu eskalieren, und einen Führer mit nuklearer Kapazität herauszufordern, sei keine gute Rezept für Ruhe.
Zu diesem Block gehört auch eine These, die für die spanische Öffentlichkeit unbequem ist: Dass ein Großteil der wahrgenommenen Gefahr daher rührt, dass man sich in einen fremden Konflikt eingemischt hat. Es wird argumentiert, dass das Leben ruhiger war, bevor sich das Land in Angelegenheiten einmischte, die es nichts angehen, und dass die Nähe zu NATO-Einrichtungen dieses Engagement in ein greifbares Risiko verwandelt. Die Diskussion darüber, wie weit man gegenüber einer expansionistischen Macht nachgeben sollte, ist genau die Diskussion, die niemand laut führen will.
Krim 2014 als Präzedenzfall und gesuchte Parallelen
Der Spiegel, der immer wieder zitiert wird, ist die Krim. Die Eingliederung von 2014 wird als Modell dargestellt: schnell, irreversibel und bestätigt. Auch Vergleiche mit anderen internationalen Szenarien tauchen auf, in denen Russland angeblich als Garant etablierter Regierungen fungiert, sowie Analogien zur spanischen Politik, die Äquivalenzen zwischen Russland und Spanien, Ukraine und Katalonien, Donbas und Tabarnia herstellen. Dies sind Analogien, die jede Seite je nach Bedarf wählt und die selten einer Prüfung standhalten.
Während all dies diskutiert wird, bleibt das Datum bestehen. Das Referendum beginnt am Freitag, die Auszählung ist geplant, und die Nukleardoktrin steht weiterhin im selben Absatz wie seit Monaten. Es fehlt nur noch zu wissen, ob beim vierzigsten Mal jemand es ernst nimmt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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