Russische Offiziere fallen in der Ukraine wie die Fliegen

Der angebliche Tod von Brigadegeneral Waleri Gerassimow reiht sich in eine stetige Serie getöteter russischer Offiziere in der Ukraine ein, während Zweifel an seiner Identität bestehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Waleri Gerassimow: Russische Offiziere fallen wie die Fliegen

Russische Offiziere fallen in einem Tempo, das keine Militärdoktrin als nachhaltig vorsieht. Der jüngste, den ukrainischen Streitkräften zugeschriebene Verlust ist der von Brigadegeneral Waleri Gerassimow, der direkt zwischen 3.000 und 5.000 Mann befehligt. Sollte sich das bestätigen, wäre er der zweite getötete russische General nach Andrei Suchowezki. Die Zahl wiegt schwerer als der Name: In nur zwei Wochen Invasion sprechen kursierende Schätzungen bereits von hundert Kommandeuren, die außer Gefecht gesetzt wurden. Und das alles in einer Armee, die auf dem Papier ihre Offiziere aus dem Hinterland befehligt.

Warum Waleri Gerassimow nicht der russische Generalstabschef ist

Hier sollte man auf die Bremse treten, bevor man losrennt. Der gefallene Brigadegeneral ist nicht der Chef des russischen Verteidigungsgeneralstabs, der jenes berühmte Schriftstück über hybride Kriegsführung unterzeichnete. Es sind zwei verschiedene Personen mit demselben Nachnamen, und die Verwechslung hat einen Großteil der Reaktionen vergiftet. Manche deuten sogar auf eine mögliche Verwandtschaft hin —Neffe, laut einigen Versionen—, ein Detail, das die Informationsverwaltung des Kremls erheblich erschweren würde, sollte es sich bestätigen.

Der Zweifel an der Identität ist nicht gering. Eine geteilte Analyse weist darauf hin, dass es mit diesem Vor- und Nachnamen mindestens zwei Militärs aus derselben Provinz gibt, Kasan, wo der Nachname sehr verbreitet ist, und beide 1977 geboren. Einer von ihnen wurde mit 38 Jahren und elf Monaten General; das verbreitete Bild von ihm soll aus der Zeit stammen, als er noch Oberst war, zwischen 2012 und 2014. Das heißt: Das kursierende Foto ist möglicherweise nicht das des Mannes, dem der Tod zugeschrieben wird.

Ab Oberst aufwärts alle an die Front

Der Tropfen beschränkt sich nicht auf Generalsterne. Oberst Konstantin Sizewski, Befehlshaber des 247. Luftlanderegiments, vergrößert die Liste der von der russischen Armee offiziell bestätigten hohen Offiziere. Auch ein tschetschenischer Oberst, getötet in Wolnawacha. Und der auffälligste Fall: Wladimir Schoga, Kommandeur des Bataillons Sparta, starb mit weniger als dreißig Jahren —geboren im Mai 1993— und wurde mit militärischen Ehren und der höchsten russischen Auszeichnung beerdigt.

Dort fällt das gängigste Argument, dass ein Offizier sich niemals in Reichweite des Feindes begibt. In Einheiten aus selbsternannten Gebieten ist ein dreißigjähriger Oberst an vorderster Front keine Ausnahme, sondern Methode. Sein Vater, Artjom Schoga, der 2014 mit ihm in die Miliz eintrat, übernimmt nun das Kommando über das Bataillon.

Warum setzt sich ein russischer General feindlichem Feuer aus?

Weil in der sowjetischen Militärtradition die Befehlshaber Schlachten in Frontnähe oder von der Front selbst aus leiten. Das ist die am häufigsten wiederholte Erklärung. Die spanische hingegen schickt ihre Offiziere, um in der Kantine Kriegsgeschichten zu erzählen, wie mehr als einer ironisch anmerkt. Und es gibt einen zusätzlichen Faktor, der die Befehlshaber nach vorne treibt: Kommunikationsprobleme.

Das von den russischen Streitkräften verwendete Verschlüsselungssystem —bekannt als Era— benötigt 4G-Antennen, um zu funktionieren. Die Bombardierung der ukrainischen Infrastruktur hätte es unbrauchbar gemacht, sodass viele Offiziere gezwungen sind, sich an die vorderste Linie zu begeben, um Befehle persönlich zu erteilen. Das Ergebnis ist ein exponierter Befehl, an einer Front, an der die Artillerie keine Ränge unterscheidet.

Die Abnutzungsrechnung: hundert Kommandeure und tausend Offiziere

Die Zahlen, mit denen hantiert wird, sind hart. Ausgehend von 10.000 russischen Verlusten in fast zwei Wochen Krieg spricht die kursierende Schätzung von mindestens hundert gefallenen Kommandeuren, eine Zahl, die sich der Tausend nähert, wenn man Hauptleute und Leutnants hinzuzählt. Die Argumentation ist einfach: Jeder Befehlshaber, der fällt, reißt seinen Stab mit sich. Manche behaupten, mit dem Verlust eines Brigadekommandeurs sei auch seine Kolonne vernichtet worden.

Einen Brigadegeneral zu verlieren bedeutet nicht, einen Mann zu verlieren. Es bedeutet, eine gesamte Entscheidungsstruktur zu verlieren, mit Jahren der Ausbildung dahinter. Eine unbequeme Frage bleibt im Raum: ob Russland dieses Humankapital in dem Tempo ersetzen kann, in dem es es verbraucht, oder ob die Abnutzung der Befehlsebene letztlich schwerer wiegen wird als die der Truppe.

Ist Gerassimows Tod eine Ente?

Nicht jeder glaubt diese Verluste. Manche behaupten, ein hoher Offizier begebe sich niemals in Reichweite feindlicher Waffen, und manche entgegnen, in diesem Konflikt seien die Regeln von beiden Seiten gebrochen worden. Eine der kursierenden Hypothesen deutet auf Operationen ukrainischer Spezialkräfte hin, die gezielt auf bestimmte Befehlshaber angesetzt wurden, die Schule der nassen Angelegenheiten. Die andere, zynischere, vermutet, alles sei eine Kampagne zur Demoralisierung der ranghöchsten Offiziere.

Desinformation spielt in beide Richtungen. Eine bekannte Quelle veröffentlichte sogar, Gerassimows Tod sei schlicht falsch, ohne weitere Belege. Wenn weder die Identität noch die Tatsache bestätigt sind, bleibt dem Leser nur das einzig Solide: ein Muster von Verlusten in der militärischen Führung, das sich nicht mehr allein dem Zufall zuschreiben lässt.

Was zu erwarten ist

Das Vorhersehbare, wenn der Tropfen von Verlusten unter den Befehlshabern anhält, ist, dass die russische Armee ihre Offiziere letztlich von der vordersten Linie zurückziehen wird, auch wenn das ihre Operationen vor Ort noch weiter verlangsamt. Aber vorhersehbar heißt nicht wahrscheinlich. Die Starrheit der sowjetischen Doktrin wiegt schwerer, als öffentlich zugegeben wird, und Kommunikationsprobleme lassen sich nicht per Dekret lösen. Es bleibt der grundlegende Zweifel, den niemand ausräumt: Jedes Mal, wenn ein neuer Name auftaucht, ist es unmöglich zu wissen, ob es sich um einen echten Verlust, reine Propaganda oder —am unbequemsten— beides zugleich handelt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (104 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver