Rubén Sánchez: Widerspruch zwischen Anarchismus und Demokratie

Der Aktivist Rubén Sánchez bezeichnet sich als Demokrat und Anarchist, was in sozialen Medien heftige Kritik und Spott auslöst.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rubén Sánchez: Widerspruch zwischen Anarchismus und Demokratie
„Demokrat und Anarchist“: Das Video, das die politische Debatte anheizt

Kann man gleichzeitig Demokrat und Anarchist sein und zudem ankündigen, dass man Anderswählende nicht respektieren wird? Dies ist der Konflikt, den ein Video des Aktivisten Rubén Sánchez hinterlässt. Es wurde als Reaktion auf den Aufstieg der extremen Rechten verbreitet und stieß auf eine Mischung aus Spott, Empörung und Skepsis. Der Ausschnitt zirkuliert in den sozialen Netzwerken und hat erneut die Diskussion darüber entfacht, was es heute bedeutet, gegen den Faschismus zu kämpfen, und wie weit diese Bezeichnung reicht.

Was folgt, ist kein Streit über ein einzelnes Video. Es ist die Röntgenaufnahme einer Rede, die in sich zusammenfällt, sobald man ihr das Etikett vorhält.

Zwei Etiketten, die nicht in denselben Satz passen

Der Kern des Streits ist Grundlagenwissen der politischen Theorie: Jemand, der sich als Demokrat und Anarchist präsentiert, kombiniert zwei Konzepte, die sich widersprechen. Demokratie impliziert die Akzeptanz des Mehrheitsvotums und der Spielregeln; der klassische Anarchismus strebt die Auflösung von Autorität und Staat an. In derselben Aussage klingt das – wie die Reaktionen zeigen – nach einem wandelnden Widerspruch. Die Nuance, dass es „Volksdemokratien“ oder „demokratische Republiken“ sowjetischer Prägung gibt, löst das Dilemma nicht; es vergrößert es.

Zu diesem logischen Problem kommt ein weiteres, unbequemes hinzu: anzukündigen, dass man Anderswählende nicht respektieren wird, während man sich selbst als Verteidiger der Demokratie ausgibt. Dort, so argumentieren die Kritiker, handelt es sich nicht mehr um einen terminologischen Streit. Es ist eine Absichtserklärung.

Was lastet auf dem Protagonisten des Videos?

Parallel zum Video kursieren Nachrichten über das Privatleben des Protagonisten. Es wird behauptet – und sollte mit Vorsicht gelesen werden, da es keine Bestätigung gibt –, dass seine Partnerin Anzeige wegen geschlechtsspezifischer Gewalt erstattet habe und ihm den Kontakt zu seinen Töchtern im Rahmen einer Scheidung untersage. Es sind unbestätigte Anschuldigungen, die in den sozialen Medien ohne rechtskräftiges Urteil oder endgültige Entscheidung erhoben werden und daher nicht als Fakten hingenommen werden dürfen.

Diese Seite hat einen großen Teil der Unterhaltung vom Ideologischen ins Persönliche gelenkt. Für manche widerlegen solche Hinweise die Person; für andere sind sie genau das Beispiel dafür, wie der Überbringer angegriffen wird, wenn die Botschaft unangenehm ist. Die Trennlinie ist schmal und hängt davon ab, worauf jeder seinen Fokus legt.

Das Gespenst von 1936: Milizen, Tschekas und geliehene Erinnerung

Wenn die Rede episch wird, richtet sich der Scheinwerfer auf 1936. Mehrere Nachrichten setzen den Protagonisten mit den anarcho-syndikalistischen Milizionären der CNT-FAI gleich, erinnern an „Paseos“ (Hinrichtungen) und Tschekas (Geheimdienstzentren) und verweisen auf britische Dokumentationen über den Spanischen Bürgerkrieg. Es ist der alte Trick, die Gegenwart auf eine bequeme Vergangenheit zu projizieren, die schwer abzuschließen ist.

Der Vergleich hat seinen Reiz, aber auch seine Falle: Einen aktuellen Aktivisten mit einer Milizkolonne gleichzusetzen, ist eine Analogie beim Abendessen, keine Analyse. Sie dient dazu, zu empören, nicht zu verstehen. Und genau das ist das Grundproblem der Debatte: Die Diskussion über den Faschismus findet fast immer auf der Ebene des Symbols statt, nicht der Daten.

Der andere Feind: Faschismus oder Kapitalismus?

Unter den fundierteren Antworten ist jene, die das Ziel verschiebt: Manche behaupten, der bekämpfte Faschismus existiere kaum noch als organisierte Kraft, und das eigentliche Schlachtfeld sei der Finanzkapitalismus und seine Auswirkungen auf die Arbeit. Dies ist eine Minderheitsthese im Ton, aber solider im Argument. Dem gegenüber steht der Beweggrund des Videos selbst: die Sorge vor dem Aufstieg der extremen Rechten, die der Protagonist zu bekämpfen vorgibt.

Zwei Erzählungen, beide mit Munition. Die Ironie besteht darin, dass sie sich gegenseitig als Verräter bezeichnen.

Warum dieses Video so viel Unbehagen auslöst

Es ist nicht das Video. Es ist das Muster. Das Gefühl, bei vielen kritischen Stimmen, dass ein Teil der Linken das Projekt durch Pose ersetzt hat, das Programm durch Gestik, und das Wort „faschistisch“ zu einem Joker gemacht hat, der für alles taugt und wenig erklärt. Wenn das passiert, hört der Gegner auf, ein politischer Rivale zu sein, und wird zum sarracena Feind. Mit sarracena Feinden debattiert man nicht: Man zeigt auf sie.

Diese Entwicklung nährt die Entfremdung, sogar bei denen, die nicht rechts wählen. Das Echo des Videos selbst beweist dies.



Am Ende hat ein Mann mit lackierten Nägeln und einem Etikett als Demokrat-Anarchist erreicht, was Kundgebungen nicht schaffen: dass über ihn gesprochen wird. Vielleicht funktioniert die Figur einfach. Und wenn sie funktioniert, liegt das Problem vielleicht nicht am Video, sondern daran, was es über die sagt, die es teilen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (212 Antworten).

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