Rubel stürzt ab: Euro übersteigt 100 Rubel-Marke

Der Euro klettert erstmals seit März 2022 auf 107,6 Rubel. Der Rubel verliert binnen Jahresfrist 66 % an Wert, während die russische Zentralbank den Leitzins auf 10,5 % erhöht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rubel stürzt ab: Euro übersteigt 100 Rubel-Marke
Euro überschreitet 100-Rubel-Marke und steigt auf 107,6

Um 07:20 Uhr Moskauer Zeit sprang der Dollar über die Marke von 92 Rubel, während der Euro die Barriere von 100 durchbrach. Zehn Minuten später fiel der Euro wieder auf 99,88 zurück. Niemand glaubte an eine dauerhafte Beruhigung, und sie trat auch nicht ein: Von dort aus ging es Schritt für Schritt bis auf 107,6 Rubel. Dieser Wert fasst die Woche an der Moskauer Börse zusammen und ist aussagekräftiger als jede reißerische Schlagzeile zur russischen Wirtschaft.

Wie haben sich die Kurse für Euro und Dollar entwickelt?

Der Dollar erreichte erstmals seit dem 28. März 2022 wieder einen Stand über 92 Rubel, und der Euro überstieg die 100-Marke, was zuletzt am 29. März 2022 der Fall war. Um 07:20 Uhr legte der Dollar um 1,29 % zu auf 92,17 Rubel, der Euro um 1,33 % auf 100,31. Um 07:30 Uhr stieg der Dollar weiter auf 92,32 (+1,46 %), während der Euro auf 99,88 nachgab (+0,89 %). Auf und ab in zehn Minuten. Diese Volatilität ist kein kosmetisches Detail: Sie signalisiert, dass der Markt keinen Boden findet.

Die 66 %, die alle Importe Russlands verteuern

Eine Zahl ordnet alles andere: Ein Euro kostet heute 66 % mehr Rubel als vor einem Jahr. Das bedeutet importierte Inflation, und sie trifft genau dort, wo es wehtut, denn ein Land, das keine Chips, keine Präzisionselektronik und keine wettbewerbsfähigen Autos herstellt, muss einen Großteil seines Verbrauchs im Ausland einkaufen. Ein schwacher Rubel verbilligt Russlands Exporte, aber verteuert seine Importe. Besonders Technologie wird allein durch jede Bewegung des Wechselkurses teurer.

Warum der Rubel verfällt: Sanktionen, Ölpreisdeckel und Rabatte an China und Indien

Das Gesamtbild erklären drei verkettete Fakten. Erstens die Abkopplung vom internationalen Finanzsystem, was die Abrechnung in bestimmten Währungen erschwert. Zweitens der Preisdeckel für Rohöl, der Russland zwingt, Energie mit erheblichen Abschlägen an China und Indien zu verkaufen. Drittens eine unbequeme Konsequenz: Diese Käufer zahlen in Devisen, die Moskau im Überfluss hat, und einige argumentieren, dass Gazprom steuerliche Ausnahmen beantragen musste, um nicht unter Verlust zu verkaufen. Die BRICS sind keine Familie; sie sind Partner, die die Lage des Nachbarn nutzen.

Dem steht das Argument der Selbstversorgung gegenüber. Russland deckt Energie und Nahrungsmittel aus eigener Produktion, und die Handelsbilanz bleibt positiv, sodass steigende Importpreise die außenwirtschaftliche Bilanz nicht sprengen würden. Dies ist eine Argumentation, die im Aggregat trägt, aber beim Einkaufskorb versagt.

Was hat die Zentralbank Russlands unternommen?

Die Währungsbehörde hob die Leitzinsen um zwei Punkte auf 10,5 % und hatte zuvor den Ankauf von Rubeln aus Reserven eingestellt. Der Rückzug der Zentralbank vom Markt bewegte den Kurs nur für einen Tag minimal von 98 auf 97, bevor er am nächsten Tag wieder bei 99 lag. Optimisten glauben, höhere Zinsen steigern die Nachfrage nach Rubeln; Pessimisten erinnern daran, dass teures Geld auch den Nettoexport bremst. Niemand bestreitet, dass genug Munition vorhanden ist, um den Wechselkurs zu intervenieren. Diskutiert wird nur, zu welchem Preis.



Wer profitiert von einem billigen Rubel?

Theoretisch die Rohstoffexporteure. Ein schwacher Rubel multipliziert die lokalen Einnahmen pro Barrel oder Tonne Exportgut, weshalb der Absturz noch keine automatische Katastrophe ist. Aber dieses Argument gilt wortwörtlich auch für Argentinien oder Venezuela, und hier liegt das Problem: Eine Abwertung ist keine Politik, sondern ein Symptom, das nur so lange tragfähig ist, wie niemand importieren muss. Wenn das Land importieren muss oder Bürger im Ausland kaufen wollen, wird der Wechselkurs von einer Zahl zu einer stillen Steuer.

Verwirrend ist der Blick auf die Reserven. Laut verbreiteten Analysen halten sich die internationalen Reserven der Zentralbank und des Nationalen Wohlfahrtsfonds etwa auf dem Niveau vor Beginn der Invasion. Mit diesen Mitteln kann ein Kurs von 107,6 Rubel pro Euro entweder eine Katastrophe oder eine strategische Entscheidung sein. Den Unterschied macht die Frage, die niemand präzise beantwortet: Wer zahlt die 107,6 Rubel für jeden Euro?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (158 Antworten).

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