Rohes Steak und Duralex-Teller: Streit um ländliche Esskultur

Ein rohes Steak auf Vintage-Duralex-Tellern löst in Spanien eine Debatte über den Unterschied zwischen städtischem und ländlichem Gaumen aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rohes Steak und Duralex-Teller: Streit um ländliche Esskultur
Das rohe Steak und der Duralex-Teller, die Spaniens Esskultur spalten

Ein Steak von einer alten Kuh, bei so niedriger Temperatur zubereitet, dass es gekocht wirkt, serviert auf einem Duralex-Teller aus den siebziger Jahren neben einem Salat mit ganzen Tomaten und einem nicht identifizierbaren schwarzen Fleck. Die Szene, gepostet in einem Wirtschaftsforum, um mit dem Essen anzugeben, hat sich zu einer Diskussion darüber entwickelt, was gutes Essen in Spanien bedeutet, und damit auch über die Kluft zwischen dem Gaumen des Dorfes und dem der Stadt. Es ist keine Diskussion über Fleisch: Es ist eine Diskussion über Klasse, Nostalgie und darüber, was jeder für fotografierenswert hält.

Der am häufigsten wiederholte Konsens ist, dass dieses Steak **gekocht, nicht gebraten** ist. Die Temperatur war zu niedrig, das Fleisch wurde nicht versiegelt, und das Ergebnis ist ein graues Stück Protein, das weder optisch noch geschmacklich überzeugt. Manche vergleichen es mit gekochtem Fleisch, andere beschreiben es direkt als „ekelhaft“. Auch der Salat wird nicht verschont: Die ganzen Tomaten und das Ding mit den schwarzen Flecken werden als Reste eines nachlässig gefegten Obststands interpretiert. Das Einzige, was gerettet wird, sind Brot und Wein.

Der Krieg um den Gargrad: roh, durchgegart oder verkohlt

Der Gargrad des Fleisches ist das Schlachtfeld. Eine Strömung verteidigt, dass Chuletón (spanisches Rindersteak) selten gegessen werden muss, dass alles andere ein Verbrechen sei und nur sens Abweichler und psychisch Kranke blutiges Fleisch verabscheuen. Eine andere Strömung kontert, dass dies eine snobistische Mode sei, importiert von englischen Landeulen des 19. Jahrhunderts, dass ein Thermometer im Fleisch eine Gewohnheit gelangweilter Reicher sei und dass gutes Fleisch gut geröstet sein sollte, wie man es im Dorf schon immer gemacht habe. Das Ergebnis ist eine Diskussion, die Gastronomie mit territorialer Identität und der ewigen Skepsis gegenüber Trends aus Madrid oder London mischt.

Auch die Technik wird diskutiert. Manche behaupten, Chuletón werde niemals auf dem Grill zubereitet, das sei Ignoranz, während andere verteidigen, dass Pfanne und Ofen die richtige Methode zum Versiegeln und Fertigstellen seien. Die Erwähnung des Ofens sorgt für „episches Gelächter“ in Teilen der Unterhaltung. Niemand einigt sich auf das Wesentliche: ob das Fleisch versiegelt wird, ob der Ofen Häresie oder Notwendigkeit ist, ob der Grill der einzige Weg ist. Was alle teilen, ist die Meinung, dass das Steak auf dem Foto schlecht zubereitet ist.

Das 'Paco'-Chuletón und Geschirr aus den Siebzigern: Ästhetik des Provinzlers

Der Duralex-Teller ist der andere Protagonist. Mehrere Kommentare weisen darauf hin, dass dieses Geschirr aus den Siebzigern stammt und man nicht mit vierzig Jahre altem Geschirr angeben kann. Der Vergleich mit Autos ist sofort da: Wer einen alten Citroën fährt und Teller aus den Siebzigern benutzt, kann niemandem etwas beibringen. Die Ästhetik des „Paco“-Chuletón—das Viertel-, Straßenrestaurant- oder Tagesmenü-Steak—wird zum Symbol einer Lebensweise, die manche als authentisch verteidigen und andere als billig abtun. Die Diskussion driftet zur Nostalgie des Geschirrs, zur Mittelmäßigkeit des „Paquismus“ und zur Idee, dass man wissen muss, wann man Stagnation verlässt, um als Mensch zu wachsen.

Das „Paco“-Chuletón, das zu Hause in der Pfanne zubereitet und auf Duralex serviert wird, wird von einigen als Essen der dörflichen Provinzler dargestellt und von anderen als das einzige ehrliche Essen. Ironie durchzieht den Thread: Man spricht davon, „im Wettbewerb um das rohste und ekelhafteste Paco-Chuletón“ teilzunehmen, oder „sich stark auf die Brust zu schlagen“, um zu sehen, wer billiger ist. Essen als Wettkampf der Männlichkeit, als Schaufenster des Selbstwertgefühls, als Art, mit dem anzugeben, was man nicht hat.

Wo man in Spanien gut isst: Die Fleischkarte

Die Unterhaltung leitet über zu einer gastronomischen Karte. Manche argumentieren, dass man für Spanferkel oder Lamm nach Segovia gehen muss, aber nicht zu Cándido, weil es überfüllt ist und die Servicequalität gelitten hat. Für ein gutes Ochsen- oder Kuh-Grillsteak: Ávila. Für dicke Sardinen und Meeresfrüchte: Galicien oder Asturien. Für Churrasco schlägt die galizische Version die argentinische. Die Diskussion wird zu einer Rangliste der Territorien und einem Wettbewerb darüber, wer besser weiß, wo man gut isst. Auf dieser Karte hat das „Paco“-Chuletón keinen Platz: Es ist das Haus-Steak, das Pfannen-Steak, das nicht mit Restaurant-Grills konkurriert.

Der Vergleich mit argentinischem Churrasco ist wiederkehrend. Manche ziehen vor, „lieber tausend Mal von einem argentinischen Glut-Churrasco geplagt zu werden als halb-rohes Medium-Rare-Fleisch“. Argentinisches Fleisch wird als appetitlichere Alternative zur alten spanischen Kuh präsentiert, auch wenn es „verfaultes totes Vieh“ sei. Die Diskussion über den Gargrad mischt sich mit der über Herkunft und Rohstoffqualität.

Wein, Brot und Meeresfrüchte: Die einzigen Überlebenden

Brot und Wein sind die einzigen Elemente, die vom Feuer verschont bleiben. Der Wein jedoch erzeugt seine eigene Diskussion: Manche verteidigen, dass echter Wein aus Toro kommt, nicht aus Ribera del Duero. Das Brot wird von einigen als „Mist-Brot“ kritisiert. Der Salat mit ganzen Tomaten und schwarzen Flecken ist das Beispiel für Nachlässigkeit. Antiker Senf in Form einer Quenelle wird als „Hundekotze“ und „wenig fotogen“ beschrieben.

Auch Meeresfrüchte tauchen auf, wenn auch am Rande. Diskutiert wird, ob Meeresfrüchte vor den Galiziern dort waren, ob Coca kolumbianisch ist und ob Galizier unter Inzucht leiden. Die Unterhaltung driftet zu territorialen Klischees, gemischt mit Essen und Politik. Ironie über regionale Stereotype ist konstant, bleibt aber im humorvollen Ton.

Essen als Schaufenster des Selbstwertgefühls

Der Thread endet als Reflexion über die Notwendigkeit, mit dem eigenen Essen anzugeben. Manche behaupten, nichts sei dümmer als ein Foto vom Essen hochzuladen, dass Essen essentiell zum Leben sei und kein Verdienst darin bestehe, ein rohes Steak zu essen. Essen als Wettstreit, als Schaufenster des Selbstwertgefühls, als Beweis der Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Das „Paco“-Chuletón ist das Symbol eines Spaniens, das mit Billigkeit, Stagnation und Tradition angibt und sich beleidigt fühlt, wenn jemand sagt, dass dies kein gutes Essen sei.

Der Abschluss des Threads ist eine Mischung aus Ironie und Ermüdung. Man spricht von „Rage-Bait-Thread“ und „Cacamicción, die seit 2007 denselben Thread beschissen haben, um Diskussionen anzufachen“. Die Debatte um das „Paco“-Chuletón ist letztlich eine Debatte darüber, was es bedeutet, Spanier zu sein, über die Nostalgie des Geschirrs aus den Siebzigern und den Verdacht, dass das Steak auf dem Foto gar nicht so schlimm war. Die verwirrende Tatsache: Das „Paco“-Chuletón wird zu Hause in der Pfanne zubereitet und auf Duralex serviert. Und trotzdem verteidigen einige es als das einzige ehrliche Essen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (60 Antworten).

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