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Rosenhan-Experiment: Das psychiatrische Etikett bleibt haften
1973 infiltrierten acht Gesunde zwölf US-Psychiatrien, ohne erkannt zu werden. Jahrzehnte später lassen sich Diagnosen kaum löschen.
Das psychiatrische Etikett, das niemand mehr abnimmt
Wie oft muss man beweisen, dass man geistig gesund ist, bevor das System aufhört, einen als krank zu behandeln? Der Psychologe David Rosenhan veröffentlichte 1973 den Artikel On being sane in insane places, um diese Frage zu beantworten. Die unbequeme Schlussfolgerung: Sobald eine Diagnose angeheftet ist, entfernt sie das System selten wieder. Acht gesunde Personen ließen sich in zwölf US-Krankenhäusern für Psychiatrie einweisen, indem sie vage akustische Halluzinationen wie „leer“ oder „hohl“ simulierten. Alle wurden aufgenommen, die meisten mit Schizophrenie diagnostiziert, und keine wurde vom medizinischen Personal als Betrüger erkannt.
Was passierte, als Gesunde in die Irrenanstalt kamen
Drinnen hörten die Pseudopatienten auf, Symptome vorzutäuschen, und verhielten sich normal. Das Personal bemerkte dies nicht nur nicht, sondern interpretierte alltägliche Handlungen, wie Notizen machen, als Krankheitssymptome. Sie blieben zwischen 7 und 52 Tagen stationär, bevor sie „in Remission“, aber nicht geheilt entlassen wurden. Das Auffälligste war, wer misstrauisch wurde: Viele echte Patienten ahnten, dass diese Leute genauso vernünftig waren wie sie selbst. Der institutionelle Blick fand hingegen nichts Ungewöhnliches.
Dieses Ereignis hat eine populäre fiktionale Version: Der Film Einer flog über das Kuckucksnest stellt denselben Mechanismus dar, und seine Parodie in einer Zeichentrickserie fasst die Absurdität der automatischen Diagnose zusammen.
Die gescheiterte Herausforderung des Krankenhauses
Nach der Kontroverse forderte ein Krankenhaus Rosenhan heraus, Pseudopatienten zu schicken, und behauptete, sie könnten diese erkennen. Von 193 evaluierten Patienten markierte das Personal 41 als mögliche Betrüger. Rosenhan hatte niemand geschickt. Der Bestätigungsfehler wirkte in beide Richtungen: Wenn man sagt, es gebe einen Betrüger, findet man ihn, auch wenn er nicht existiert.
Spätere Untersuchungen, gesammelt im Buch The Great Pretender, wiesen auf Unstimmigkeiten, Datenlücken und von Rosenhan veränderte Details im ursprünglichen Studienbericht hin. Die Studie, die das Vertrauen in die psychiatrische Diagnose erschütterte, hat ihre eigenen Risse.
Das Etikett, das dreißig Jahre später noch steht
Der Einzelfall zeigt den Mechanismus am brutalsten. Berichten eines Teilnehmers zufolge erlitt ein naher Verwandter um die 42 Jahre eine schwere Depression aufgrund konkreter Umstände, die nach etwa einem Jahr abklang. Fast drei Jahrzehnte später schrieben ihm seine Angehörigen jeden Charakterzug dieser vermeintlichen Geisteskrankheit zu. „Ich habe nie etwas Seltsames an ihm gesehen, eher im Gegenteil, eine super ruhige und freundliche Person“, fasst jemand zusammen, der es aus nächster Nähe erlebte. Das Etikett verfällt nicht.
Einige argumentieren, dass die Diagnose bei Kindern eine milde Seite hat: Was früher streng korrigiert wurde, wird heute verständnisvoll betrachtet, weil man es als Störung und nicht als schlechtes Benehmen versteht. Die Kehrseite ist, dass dieses Etikett den Erwachsenen sein Leben lang begleitet.
Von der Diagnose zum Medizinischen Gericht
Das institutionelle Misstrauen läuft auch in die Gegenrichtung. Wie ein Teilnehmer berichtet, traf ein LKW-Fahrer, der als bipolare Störung diagnostiziert und stark medikamentös behandelt wurde, auf ein medizinisches Gericht, das ihn zur Arbeit zwang. Eine kritische Strömung behauptet, die Zahlung für psychische Erkrankungen sei zu einem Weg geworden, den manche ausnutzen wollen, und Fachleute glaubten der Hälfte der Fälle nicht mehr. Es gibt keine Zahlen, die diese Debatte beenden können.
Das Ergebnis ist ein System mit zwei Türen: Wer vage Symptome simuliert, tritt leicht ein, und wer beweisen will, dass er gesund ist, kommt schwer heraus. Das psychiatrische Etikett funktioniert wie eine emotionale Hypothek: Man unterschreibt sie in einer Sprechstunde und tilgt sie jahrzehntelang mit Zinsen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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