Richter lädt sechs Zeugen vor und ignoriert Staatsanwaltschaft im Fall Begoña Gómez
Kann ein ermittelnder Richter weiter recherchieren, wenn Staatsanwaltschaft und Guardia Civil sagen, dass kein Straftatbestand vorliegt? Genau das ist im Wesentlichen im Verfahren gegen Begoña Gómez passiert, wie der Tweet von Al Rojo Vivo, der die Diskussion auslöst, zeigt: Der Richter hat beschlossen, sechs Zeugen zur Vernehmung zu laden, und weicht damit von den Positionen der Staatsanwaltschaft (Ministerio Fiscal) und der Zentralen Operativen Einheit (UCO) ab. Die in einer Zeile zusammengefasste Nachricht hat eine Debatte ausgelöst, die weit über den konkreten Fall hinausgeht und die gesamte Architektur des spanischen Justizsystems betrifft.
Was hat der Richter entschieden und warum wird ihm vorgeworfen, die Staatsanwaltschaft zu ignorieren?
Der Ausgangspunkt ist einfach zu formulieren und schwer zu verdauen: Ein ermittelnder Richter hat ein Verfahren angenommen, Ermittlungsschritte angeordnet und ruft nun sechs Zeugen zur Vernehmung auf. Staatsanwaltschaft und UCO teilen laut dem geteilten Tenor diesen Fahrplan nicht. Für einen Teil der Beteiligten ist dies keine Anomalie, sondern das ABC des Berufs: Der Ermittlungsrichter ermittelt, und Polizeiberichte sowie Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft sind genau das – Berichte und Meinungen. Die endgültige Entscheidung liegt beim Richter.
Manche gehen weiter und behaupten, die UCO könne weder das Vorliegen noch das Nichtvorliegen einer Straftat feststellen, da dies nicht in ihre Zuständigkeit falle. Ihre Aufgabe sei es, Berichte über das zu liefern, was der Richter zu untersuchen anordnet. Der Ermittlungsrichter hingegen muss entscheiden, ob die Sache vor Gericht geht oder nicht. Diese beiden Ebenen – polizeiliche Ermittlung und gerichtliche Entscheidung – zu verwechseln, ist nach dieser Analyse die Wurzel des medialen Lärms.
Berichte der UCO, Beschlüsse und die Debatte um den Status als Beschuldigte
Die zweite Front ist technischer und komplizierter. Ist Begoña Gómez formal beschuldigt oder nicht? Die Staatsanwaltschaft vertritt laut Berichten die Auffassung, dass für den Erwerb dieses prozessualen Status ein spezifischer Beschluss des Richters erforderlich ist, der der Person mitgeteilt wird. Und dass dieser Beschluss, soweit bekannt, nicht ergangen ist. Allerdings bezeichnet der Ermittlungsrichter die Betroffene in seinen Entscheidungen als „beschuldigt“, was nach Ansicht der Staatsanwaltschaft zu berechtigter Verwirrung führt und deren wiederholte Anfragen nach Informationen erklärt.
Dem gegenüber erinnert eine andere Strömung daran, dass die vorläufigen Berichte der UCO nicht abschließend sind, dass die Erstellung der Berichte noch nicht abgeschlossen ist und dass das, was an bestimmte Medien durchsickert, nicht dem entspricht, was die am Verfahren beteiligten Parteien haben. Das heißt: gezielte Leaks als journalistische Gattung. Das Ergebnis ist ein informationales Limbo, in dem niemand mit Sicherheit weiß, wie die genaue prozessuale Lage ist, und jede Seite die Geschichte erzählt, die ihr passt.
Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs und der reale Spielraum des Ermittlungsrichters
Hier taucht das unbequemste Argument für alle auf, die ein schnelles Ende erwarten. Es wird darauf hingewiesen, dass der Richter diese Art von Strafanzeige unter Missachtung der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs (Tribunal Supremo) zugelassen hat, und dass dies Konsequenzen hat. Erstens: Ein Ermittlungsrichter, der sich auf dieses Terrain begibt, wird nicht so leicht davonkommen. Zweitens: Die Angelegenheit kann sich über Jahre hinziehen, mit Einstellungen, Beschwerden, Wiederaufnahmen und Instanzenwechseln. Am Ende, so die Prognose, wird alles im Sande verlaufen, aber mit zwei Jahren Justizaktivität davor.
Es fehlt auch nicht an Stimmen, die daran erinnern, dass die Rechtsprechung in Spanien keine formelle Rechtsquelle ist und niemand verpflichtet ist, sie zu befolgen, angefangen bei der Verwaltung selbst. Es wird argumentiert, dass das Finanzamt (Hacienda) systematisch Urteile des Obersten Gerichtshofs missachtet und Betroffene erneut bis zum Tribunal Supremo gehen müssen, um ihr Verfahren mit der gefestigten Doktrin in Einklang zu bringen. Und hier passiert nichts: Kein Beamter landet im Gefängnis, weil er Urteile des höchsten Gerichts missachtet. Die Schlussfolgerung ist unbequem: Wenn die Rechtsprechung niemanden bindet, dann auch nicht den Richter in diesem Fall.
Doppelte Standards: Der Fall der Infantin und der Partner von Ayuso
Der am häufigsten gezogene Vergleich ist der Fall der Infantin Cristina. Es wird daran erinnert, dass die Betroffene in jenem Verfahren auf der Anklagebank saß, vom Strafgericht freigesprochen wurde und als subsidiäre Zivilverantwortliche wegen Bereicherung ohne Rechtsgrund verurteilt wurde, mit einer Entschädigung, die nach dieser Darstellung nicht gezahlt wurde. Das daraus abgeleitete Argument ist das des doppelten Maßstabs: Was für manche eine juristische Odyssee war, ist für andere eine erfundene politische Verfolgung.
Parallel dazu wird der Fall des Partners von Isabel Díaz Ayuso herangezogen, um Symmetrie einzufordern: Wenn ermittelt werden muss, dann wird ermittelt, unabhängig von der politischen Farbe. Und die unbequeme Frage wird gestellt: Zeigt die Staatsanwaltschaft das gleiche Interesse an jedem Bürger wie an der Frau des Präsidenten? Ist das Bevorzugung oder Privileg? Die Antwort, die jeder auf diese Frage gibt, hängt fast immer davon ab, wo sein politisches Lager stand, bevor die Show begann.
Fruta und institutioneller Verschleiß
Über die juristischen Aspekte hinaus zieht sich eine politische Lesart durch die gesamte Diskussion. Es wird vertreten, dass die Frau des Präsidenten nicht nur integer sein muss, sondern auch so wirken muss, und dass dieser Eindruck hätte früher aufgebaut werden sollen. Der ethische Einwand – nicht strafrechtlich, sondern ethisch – lautet, dass das Vermitteln zwischen Unternehmen ohne vorherige berufliche Tätigkeit darin mindestens einen problematischen Anschein erzeugt. Wahrscheinlich ist es keine Straftat. Sicherlich ist es aber auch kein Vorbild.
Und dann ist da der Verschleiß der Akteure. Dem Richter wird in bestimmten Medien ein mediales Lynching prophezeit, und man wünscht ihm Mut, denn er wird ihn brauchen. Auch das Risiko einer Sanktion durch das Organ der richterlichen Selbstverwaltung in einer Situation der Interimsbesetzung wird erwähnt. Mit Galgenhumor wird daran erinnert, dass Unfälle häufiger denen widerfahren, die Dinge untersuchen, die nicht untersucht werden sollten. Der Schatten des Schneiders der Anzüge von Francisco Camps schwebt über der Diskussion als Warnung dafür, was passiert, wenn ein Ermittlungsrichter vom Skript abweicht.
Am Ende bleibt die Frage offen, ob Begoña Gómez schuldig oder unschuldig ist. Es ist die Frage, ob ein System, das zwölf Jahre braucht, um eine Angelegenheit zu lösen, und das je nach politischem Wind einstellt, wiederaufnimmt und erneut einstellt, überhaupt in der Lage ist, autoritativ zu entscheiden. Mit diesen Materialien kann man keinen Korb flechten.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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