Revilla-Video zu Hitler: Europas afrikanische Wurzeln

Ein Video des kantabrischen Präsidenten Revilla über Hitlers Herkunft löst Spott und eine ernsthafte Debatte über Neandertaler-DNA aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Revilla-Video zu Hitler: Europas afrikanische Wurzeln
Revillas Video über Hitler: Was die Genetik zur europäischen Herkunft sagt

Ein Clip des kantabrischen Präsidenten Miguel Ángel Revilla – 80 Jahre alt – kursiert zusammen mit einem Tweet, der die Mehrheitsreaktion zusammenfasst: „Hat er das wirklich gesagt?“. Im Video behauptet der Politiker, dass Hitler und die heutigen Europäer von dunkelhäutigen afrikanischen Populationen abstammen. Die unnuancierte Aussage diente als Funke für zwei Dinge gleichzeitig: massiven Spott und eine populationsgenetische Diskussion, die deutlich seriöser ist, als die Schlagzeile vermuten lässt.

Das Bemerkenswerte ist, dass unter dem Gekicher ein Großteil der Diskussion ihm teilweise recht gab und nur Details strittig waren. Denn der Kern – der afrikanische Ursprung der europäischen Bevölkerung – ist keine spontane Behauptung beim Essen: Es ist das, was die paläogenomische Literatur bestätigt. Der eigentliche Streit drehte sich darum, wann, wie und mit welchen Beweisen dies geschah.

Der Beweis, der das Narrativ änderte: Das Neandertaler-Genom

Der am häufigsten zitierte Bezugspunkt ist die Arbeit von Svante Pääbo, dem Begründer der Paläogenomik. Sein Team entschlüsselte das Neandertaler-Genom im Jahr 2010, woraus ein heute in jedem Lehrbuch stehender Fakt hervorging: Europäische und asiatische Populationen bewahren etwa 3 % Neandertaler-DNA. Diese Erbschaft fehlt bei Afrikanern, da die Vermischung außerhalb des Kontinents stattfand.

Dieses Detail widerlegt die grobe Interpretation des Clips. Wenn Europa Neandertaler-Erbe trägt, gab es Vermischung, und Vermischung duldet keine Reinheit. Wer den Begriff Rasse verwendet, um über Europa zu sprechen, schießt sich ohne es zu merken ins eigene Knie.

Der Nuance, die tatsächlich diskutiert wurde, war die Zeit. Die Neandertaler starben vor etwa 40.000 oder 35.000 Jahren aus, und einige argumentieren, dass es nicht genug Zeit gab, damit sich die Pigmentierung zwischen der Ankunft der ersten Europäer und diesem Datum ändern konnte. Andere erinnern daran, dass die Aufhellung von mehreren Faktoren abhängt und nicht von einer einzigen Uhr.

Welche Hautfarbe hatten die ersten Europäer?

Hier verwickelte sich die Diskussion wirklich. Es wird behauptet, dass die Hautaufhellung eine Anpassung an geringe Sonnenstrahlung ist, notwendig für die Vitamin-D-Synthese. Darauf wird geantwortet, dass dieses Argument im hohen Norden hinfällig ist: Die arktischen Völker entwickelten keine helle Haut, weil sie ihren Bedarf durch die Ernährung – rohes Gewebe – deckten und nicht durch die Sonne.

Eine dritte Front liefert die unbequemste Zahl. Laut genetischen Analysen hatten Skandinavier bis vor kaum 7.000 Jahren dunkle Haut und Haare. Mit dieser Zahl bricht die These zusammen, dass die europäische Blässe ancestral sei: Die Aufhellung wäre spät erfolgt und wahrscheinlich das Ergebnis sozialer oder sens Selektion, nicht bloßer Überlebenskämpfe.

Dagegen steht die vorsichtige Einwand: Es gibt zu viele Lücken, um mit Sicherheit zu sagen, welche Pigmentierung ein Hominide vor Hunderttausenden von Jahren hatte. Was bekannt ist und nicht diskutierbar ist, ist, dass es dunkle Haut in Breiten gab, die heute mit Blässe assoziiert werden, und zwar nicht so lange her.

Atapuerca und die Fundstätte, die den Kalender neu schreibt

Die Sima de los Huesos (Knochengruben) in Atapuerca ist das andere Puzzleteil. Dort lagern etwa 4.000 Fragmente, die 28 Individuen des Homo Heidelbergensis entsprechen, dem unmittelbaren Vorfahren des Neandertalers. Die ältesten Reste könnten bis zu 850.000 Jahre alt sein, mehr als jede bequeme Theorie vorhergesagt hätte.

Und noch eine Schicht: Ein Fund in China datiert die Nutzung von Werkzeugen durch Hominiden auf mehr als zwei Millionen Jahre, außerhalb Afrikas. Dies nährt jene, die behaupten, der Ursprung unserer Spezies sei kein einzelner geografischer Punkt gewesen. Die Fachwelt schließt die Angelegenheit nicht ab; sie räumt nur ein, dass Teile fehlen.

Vom Video zur politischen Diskreditierung

Außerhalb der Wissenschaft funktionierte der Clip als Munition. Ein Teil der Antworten ging nicht auf den Inhalt ein und blieb beim Porträt der Person: Alter, Langlebigkeit im Amt, Gestik. Einige erinnerten daran, dass der Politiker einen persönlichen Freund nach dessen Krankheit begleitete und dieser Mann verstarb, und kritisierten, dass man aus einem solchen Video Holz mache.

Andere lasen es als weitere Entgleisung eines Politikers, dem vorgeworfen wird, alles ohne elektoralen Kosten sagen zu können, und leiteten daraus Kritik an den öffentlichen Ausgaben ab, die endlose politische Karrieren finanzieren. Der Witz über Orujo („im Schnaps, nicht im Eimer“) verbreitete sich ebenso stark wie das Originalzitat.

Wo stockt alles? Genau dort, wo der Clip kategorisch sein wollte. Die Hinweise deuten auf einen gemeinsamen afrikanischen Ursprung hin und darauf, dass Europa viel länger dunkel war, als gerne zugegeben wird. Wie lange genau, mit welcher Pigmentierung und welcher Chronologie bleibt Gegenstand der Debatte, nicht der Schlagzeile. Revilla sagte eine halbe Wahrheit mit seiner üblichen Zielgenauigkeit. Das Problem ist, dass eine Schlagzeile keine Nuancen zulässt: Sie streicht sie weg.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (227 Antworten).

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