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Rentenproteste in Argentinien: 94 Festnahmen und Gewalt gegen Milei
Rentnerproteste in Argentinien endeten mit 94 Festnahmen. Präsident Milei verliert an Rückhalt, während seine Regierung von einem Putschversuch spricht.
Buenos Aires erlebte einen Mittwoch mit brennenden Polizeiautos, 94 Festnahmen und einem schwer verletzten 35-jährigen Fotografen. Der wöchentliche Protest der argentinischen Rentner, der seit 34 Jahren stattfindet, ist nicht mehr nur eine Demonstration: Es ist die erste offene Konfrontation zwischen der Regierung von Javier Milei und der Straße. Die Macht reagierte prompt mit scharfer Rhetorik; Kabinettschef Guillermo Francos sprach ohne Beweise von „einer Art Staatsstreich“.
Der Ursprung des Konflikts ist rein mathematisch. Rentner fordern seit über drei Jahrzehnten ein Mindesteinkommen von 450 US-Dollar. Heute erhalten sie nur noch 200. In einem Land, das durch die ersten 15 Monate von Mileis Amtszeit zu den teuersten Lateinamerikas wurde – mit Lebensmittelpreisen über dem europäischen Niveau –, geht diese Rechnung nicht auf. Auf diesem Hintergrund entlud sich die Spannung am Nachmittag im Zentrum der Hauptstadt.
Was geschah bei den Rentnerprotesten in Buenos Aires?
Zur üblichen Mobilisierung gesellten sich junge Menschen, linke Gruppen und vor allem die „Barras Bravas“ (gewaltbereite Fußballultras) der großen Vereine. Die Anführer dieser Fangruppen erschienen nicht selbst, sondern schickten ihre Stellvertreter, um sich nicht zu exponieren oder den Zugang zu Stadien zu gefährden. Das Ergebnis war eine Versammlung vor dem Kongress, bei der Fans rivalisierender Clubs gemeinsam protestierten.
Die Gewalt hatte zwei Schauplätze. Im Parlament lieferten sich Abgeordnete von Mileis Partei La Libertad Avanza Schlägereien und Beleidigungen. Draußen setzte die Polizei Steine, Tränengas und Gummigeschosse ein. Der Fotograf Pablo Grillo erlitt schwere Kopfverletzungen durch eine Gasgranate. Ein Video zeigte zudem, wie ein Beamte eine 87-jährige Rentnerin zu Boden stieß, deren Kopf auf den Asphalt schlug. Demonstranten, die zum Präsidentenpalast Casa Rosada zogen, kletterten auf dessen Zaun. Nachts meldeten die Behörden 94 Festnahmen und angezündete Streifenwagen.
Eine Rente von 200 Euro in einem so teuren Land wie Europa
Senator Martín Lousteau, Chef der Unión Cívica Radical, bezifferte die Einsparungen: Kürzungen bei Renteneinkommen machen 20% der „Kettensäge“-Politik aus, mit der Milei das Haushaltsdefizit bekämpft. Ein Vergleich unter den Teilnehmern verdeutlichte die Lage: Wenn ein Rentner 200 Euro erhält, verdient ein Polizist weniger als 600. Armut trotz Arbeit ist hier keine Metapher.
Einige argumentieren, das Problem sei nicht Milei allein, sondern eine aufgeblähte Rentenstruktur, die historisch auch Personen ohne Beitragszahlungen einschloss. Diese Gruppe mache jede lineare Erhöhung unmöglich. Dagegen steht das Argument, dass die Sparmaßnahmen genau jene treffen, die nicht arbeiten können, um Einkommensverluste auszugleichen.
Der „Staatsstreich“, den niemand sieht, und sinkende Umfragewerte
Francos’ Behauptung eines „Staatsstreichs“ blieb unbelegt und dient eher als Stimmungsmacher denn als juristische Anklage. Für die Exekutive sind es schwierige Wochen: Nach dem Skandal um die Kryptowährung $LIBRA verlor Milei sechs Prozentpunkte Zustimmung. Seine negative Bewertung überstieg erstmals die positive (52% vs. 48%).
Auch politischer Druck wächst. Mauricio Macri, Mileis wichtigster Verbündeter, forderte öffentlich, der Präsident solle nach Bahía Blanca reisen, wo ein Sturm ähnliche Zerstörungen angerichtet hat wie die DANA in Valencia, und akzeptieren, dass der Staat eine Rolle beim Wiederaufbau spielt. Milei brauchte fünf Tage für die Reise. Die Beziehung zwischen beiden soll laut Berichten so schwach sein wie nie zuvor.
Wie geht es in Argentinien weiter?
Der Wahlkalender rückt näher. Optimisten glauben, dass die Regierung die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) erfolgreich führen und eine weitere Abwertung vermeiden kann, um konkurrenzfähig in die Oktoberwahlen zu gehen. Pessimisten erinnern daran, dass bereits der Mangel an Dollarreserven zur Stabilisierung des Wechselkurses ein objektives Managementversagen darstellt.
Die Ausgangslage ist klar. Analysten erwarten, dass die Proteste wiederkehren: Jede Kürzung bei den Renten führt sofort zu Straßenprotesten, die nun auch harte Fußballgruppen mobilisieren. Ob der Unmut friedlich in Wahlergebnisse mündet oder explosiv bleibt, hängt von Faktoren ab, die die Regierung nicht kontrolliert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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