Rechtsruck in Russland und China: Taktik statt Ideologie
Seit fast einem Jahr kursiert in einem Forum eine These, die mit jedem geopolitischen Wandel für ihre Anhänger bestätigt wird: Der klassische Kommunismus ist nicht gestorben, sondern hat nur sein Outfit gewechselt. Das Argument lautet nicht, dass Russland oder China weiterhin kommunistisch sind – was die Diskussionsteilnehmer voraussetzen –, sondern dass ihre scheinbare Konversion zum Kapitalismus und zu rechten Positionen ein taktisches Manöver ist, kein Bruch. Die Debatte, mitten in der Pandemie eröffnet und später vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs wiederbelebt, behauptet, Moskau und Peking seien keine Gegner der westlichen Ordnung, sondern Teil desselben Spielfelds. Sie stützt sich auf Steuerzahlen, intakte sowjetische Symbole und eine Lesart des Marxismus-Leninismus als reine Machtpolitik.
Die russische Einkommensteuer von 12%, die nicht zur kommunistischen Etikette passt
Das erste angeführte Argument ist fiskalischer Natur. Die russische Einkommensteuer liegt bei etwa 12%, ein Satz, der in Spanien als extrem rechts gelten würde und unter dem Niveau der USA liegt, wo Bund- und Landessteuern zusammen rund 40% ausmachen. Hinzu kommt eine restriktive Gesetzgebung gegenüber LGBTI-Inhalten und ein Familienmodell, das auf dem Papier zum europäischen konservativen Wähler passt.
Das Problem laut dieser These ist, dass nichts davon mit der sowjetischen Vergangenheit bricht. Wladimir Pilingui stammt vom KGB. Lenins Mumie liegt weiterhin im Roten Platz, dem symbolträchtigsten Ort des Landes, bewahrt nach einem aktualisierten Begräbnisprotokoll und nicht wie ein gewöhnliches Museumsstück. Der 9. Mai bleibt Nationalfeiertag, mit Sichel und Hammer in den Paraden. Für die Befürworter der Analyse ist dies keine Nostalgie, sondern Kontinuität, verkleidet als Reform.
China: Wirtschaftliche Reformen ohne Antastung des Mao-Kults
Seit Deng Xiaopings Reformen erlebt China jahrzehntelanges Wachstum, das es zu einer führenden Nation gemacht hat. Doch Mao Zedong wird weiterhin als großer Mann des Landes verehrt, und die Parteistruktur wurde nicht abgebaut. In diesem Sinne wird die nicht unabhängig überprüfte Zahl zitiert, dass die chinesische Kommunistische Partei weltweit bis zu 2 Millionen Agenten haben könnte, präsent in westlichen Unternehmen und Verwaltungen.
Ein Parteimitglied prahlte in einem Video damit, in alle westlichen Regierungen infiltriert zu sein, während er lachte – ein Verhalten, das die Thesenbefürworter als Hinweis nehmen. Die gestellte Frage ist unbequem: Wenn der chinesische Kapitalismus real wäre, warum hat er dann die Führungselite, die ihn entworfen hat, nicht angetastet?
Warum spricht man von zwei gleichzeitigen Revolutionen?
Hier trennt sich die Analyse von der gängigsten Version. Es gäbe nicht einen einzigen Kommunismus, sondern zwei Wege, die parallel zum selben Ziel führen. Der eine ist langsam und scheinbar harmlos: der Fabianische Sozialismus, diese pogre Tropfenmethode, die jede Legislaturperiode eine Steuer erhöht und die Geschichte bei jeder Neuauflage etwas umschreibt. Sein Symbol, so erinnern sie, ist ein Wolf im Schafspelz. Der andere ist schnell und gewalttätig: der klassische Marxismus-Leninismus, der sich nicht mit Theorien aufhält, weil ihm nur die Machtergreifung wichtig ist.
Die spanische Mehrwertsteuer dient als Beispiel für die erste Methode: von 12% auf 15%, dann auf 16%, danach auf 18% und heute auf 21%. Kein plötzlicher Sprung, kein Datum des Bruchs. Der Verschleiß ist kumulativ, wie bei einem Organismus, dessen Ration jedes Jahr gekürzt wird. Die Theorie besagt, dass es von oben egal ist, welche der beiden Revolutionen gewinnt, solange die Bevölkerung eine davon unterstützt.
Die genannten Verbindungen: Soros, Oxford und der KISZ
Die Befürworter der These suchen Biografien, die in das Muster passen. Der häufigste Fall ist Viktor Orbán, der ungarische Ministerpräsident, der in Europa als Peitsche gegen Brüssel dargestellt wird. 1989 erhielt er ein Stipendium der Soros Foundation, um Politikwissenschaft am Pembroke College in Oxford zu studieren, unter der Leitung des hegelianischen Philosophen Zbigniew Pełczyński. Ein Jahr später verließ er Oxford, um bei den ersten postkommunistischen Wahlen in Ungarn anzutreten.
Mit 14 und 15 Jahren war er Sekretär der kommunistischen Jugendorganisation KISZ seiner Schule gewesen – eine Pflichtmitgliedschaft, um sich an der Universität einschreiben zu können, wie die zitierte Quelle angibt. Für die Anhänger der Analyse ist diese Sequenz kein Zufall: Der Mann, der heute nationale Souveränität verkauft, wurde in der Kaderschmiede des Systems ausgebildet und mit dem Geld eines seiner Finanzarchitekten.
Wall Street finanzierte beide Seiten
Der Ökonom Antony Sutton dokumentierte den finanziellen Aspekt dieser Erzählung in seiner Trilogie: Wall Street und die bolschewistische Revolution, Wall Street und FDR sowie Wall Street und der Aufstieg Hitlers. Er argumentierte, dass New Yorker Banken beide Seiten der Kriege finanzierten, um gefangene Märkte aufzubauen und Konkurrenten bei Rohstoffen und Energie auszuschalten. Dieselbe Idee taucht in seiner Trilogie über westliche Technologie auf, die die sowjetische Entwicklung zwischen 1917 und 1945 unterstützte.
Dies ist der Punkt, an dem die Analyse schwerer zu widerlegen und gleichzeitig leichter lächerlich zu machen ist. Ohne interne Dokumente werden Interessenübereinstimmungen mit Koordination verwechselt, und hier scheiden sich die Geister.
Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs wurden Panzer mit Sichel und Hammer an der Front von den Thesenbefürwortern als Bestätigung gelesen: Russland und die Ukraine würden, so sagen sie, auf Befehl derselben Akteure bluten, die beide Seiten bewegen. Keine dieser Behauptungen verfügt über öffentliche Dokumentennachweise. Die Analyse bleibt genau dort stehen, wo begründeter Verdacht auf das Fehlen eines Papiers trifft, das ihn in Tatsachen verwandeln würde.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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