Puigdemont deutet Misstrauensvotum gegen Sánchez an
Wer eine Regierung mit sieben Stimmen am Leben erhält, kann sie mit denselben sieben Stimmen stürzen. Carles Puigdemont verbalisierte in Brüssel, was seine parlamentarische Arithmetik bereits wusste: Falls es keine ausreichenden Fortschritte bei den Vereinbarungen mit der PSOE gibt, wird Junts seine Stimmen denen der Partido Popular hinzufügen, um Gesetze wie den Staats Haushalt zu Fall zu bringen. Die Ankündigung erfolgte kurz nach Beginn der Legislaturperiode im Kongress im November 2023 und klang weniger nach einer leeren Drohung als vielmehr nach einer Erinnerung daran, wer den Schlüssel hält.
Die Warnung wurde auf der Gala ausgesprochen, bei der das Medium Politico seine Liste der 28 einflussreichsten Persönlichkeiten Europas für 2024 vorstellte, wo der ehemalige katalanische Präsident zweiter unter den neun „Disruptors“ ist. Dort fielen auch die Aussagen zum Haushalt, zum beratenden Referendum und zum Thema Lawfare. Nichts davon war neu. Diesmal kamen sie mit Namen und Nachnamen.
Was Puigdemont sagte und wem er es sagte
In seinem Gespräch mit Manfred Weber, dem Vorsitzenden der Europäischen Volkspartei (EVP) und Fraktionschef im Europaparlament, ging Puigdemont weiter als öffentlich üblich: Er erwog sogar eine Vereinbarung mit dem PP, um Pedro Sánchez mitten in der Amtszeit durch ein Misstrauensvotum abzulösen. Die Bedingung lautete, dass beide Parteien sich auf einen unabhängigen Ministerpräsidenten einigen, der Sánchez ersetzt.
Hier zeigt sich der politische Preis. „Dafür muss der PP einen Schritt auf uns zugehen. Sie können mich nicht weiterhin wie einen Terroristen behandeln“, betonte er. Er fügte hinzu, sein einziges Vergehen sei gewesen, Wahlurnen beim Referendum vom 1. Oktober aufzustellen – eine Behauptung seinerseits, kein belegter Fakt. Diese Linie wurde von seinem Parteikollegen und Europaabgeordneten Toni Comín ergänzt, der warnte, dass die PSOE sich auf viele Schwierigkeiten im Kongress einstellen müsse, falls keine Einigungen erzielt werden, und eine Legislaturperiode harter Verhandlungen voraussagte.
Kann man ein Misstrauensvotum ohne Kandidaten einreichen?
Nein, und dieses Detail entschärft einen Großteil der Drohung. Das Misstrauensvotum ist keine bloße Bestrafungsabstimmung gegen die Regierung: Es erfordert einen alternativen Kandidaten, der bereit ist, sich einer Investitur zu stellen, und dieser Name existiert derzeit nicht. Auch sollte man das andere Extrem nicht aus den Augen verlieren: Sobald das Votum eingereicht ist, kann der Ministerpräsident das Parlament nicht auflösen. Diese beiden Regeln machen die Ankündigung zu einem zweischneidigen Schwert, und beide Aspekte wurden sofort diskutiert, als die Drohung bekannt wurde.
Die Rechnung ist leicht zu lesen. In der Debatte selbst wird wiederholt darauf hingewiesen, dass die Zahlen für keine alternative Mehrheit reichen, außer für unwahrscheinliche Koalitionen, und niemand scheint nahe daran, einen Namen für La Moncloa zu vereinbaren. Ohne Kandidaten bleibt das Votum eine Schlagzeile. Mit Kandidaten wäre es eine Krise. Und niemand hat den ersten Schritt getan.
Lawfare und der Pferdekopf aus 'Der Pate'
Den kulturellen Bezug der Woche lieferte Puigdemont selbst, als er den Begriff Lawfare verteidigte, der im Pakt mit der PSOE enthalten ist und von Richtervereinigungen stark kritisiert wurde. „Der Begriff ist wie der Pferdekopf in 'Der Pate': eine Warnung, dass wir es ernst meinen“, sagte er. Das Konzept beschreibt also keine bestehende Praxis, sondern warnt davor, was passieren könnte, wenn diese fortgesetzt wird.
Auf derselben Ebene behauptete Puigdemont gegenüber Weber, ein beratendes Referendum über die Unabhängigkeit sei möglich, wenn es politisch vereinbart werde, und Comín bestand darauf, dass eine solche Abstimmung mit der spanischen Verfassung vereinbar sei. Dies sind parteipolitische Aussagen, die von der EVP infrage gestellt werden, deren Chef Manfred Weber das Abkommen mit der PSOE kritisierte.
Feijóo distanziert sich, bevor ihn jemand fragt
Der PP-Vorsitzende ließ nicht lange auf sich warten, um die Tür mit einem Satz zu schließen: „Herr Puigdemont nominiert mich nicht zum Präsidenten“. Die Antwort hat eine innere Logik und einen offensichtlichen taktischen Kostenfaktor: Indem Feijóo so schnell absagt, verzichtet er darauf, die Spannung aufrechtzuerhalten, die seinen Gegner nervös gemacht hätte. Manche lesen dies als Konsistenz, andere als eine verschenkte Gelegenheit.
Ein Kommentar im Thread erinnert an einen anderen Zug: Das Angebot, das Feijóo angeblich Sánchez vorgelegt hatte, sah je zwei Jahre Regierungsverantwortung vor, um die Erpressung durch regionale Parteien im Keim zu ersticken. Theoretisch salomonisch, praktisch unmöglich, wenn keiner bereit ist, das Steuer mitten auf See loszulassen.
Die Wahlrechtsreform, die niemand anfasst
Die unbequeme Frage schwebt über der gesamten Inszenierung: Wenn PSOE und PP so genervt davon sind, von den Unabhängigkeitsparteien abhängig zu sein, warum ändern sie dann nicht die Spielregeln? Es reicht eine Stichwahl nach französischem Vorbild, so das Argument, damit die katalanischen Stimmen nicht mehr entscheidend für die Regierungsbildung sind. Die externe Erklärung lautet, dass beiden Seiten das aktuelle Gleichgewicht passt: Jeder wartet auf seine Chance zur Erpressung, und keiner will eine Büchse der Pandora öffnen, die im eigenen Machtbereich explodieren könnte.
Indessen wiederholt sich das Drehbuch mit anderen Akteuren. Jede Drohung ist ein Bluff, jeder Bluff ein Tauziehen, und jedes Tauziehen eine Schlagzeile. Der Bürger beobachtet das Schauspiel, stellt fest, dass die öffentlichen Finanzen in Hinterzimmern entschieden werden, zu denen er keinen Zugang hat, und wartet auf seinen Anteil, der immer in Form von Steuern oder Kürzungen kommt.
Was noch offenbleibt
Puigdemont hat nichts registriert. Kein Misstrauensvotum, keinen Kandidaten, kein Dokument. Er hat nur laut ausgesprochen, was seine sieben Stimmen bereits wussten, und einen Termin für die erste Rechnung gesetzt: den Haushalt. Wenn das Amnestiegesetz vorankommt und die Lage sich beruhigt, wird die Drohung als Pose archiviert. Wenn es blockiert wird, muss sich die PSOE entscheiden, ob sie schluckt oder Neuwahlen ausschreibt.
Wie lange dauert es, bis eine angekündigte Erpressung zur ausgeübten Erpressung wird?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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