Italien vor Rom: Etrusker, Samniten und die DNA, die alles veränderte

Eine genetische Studie zu 82 etruskischen Individuen kommt zu dem Schluss, dass es keine Massenmigration aus Anatolien gab. Sprache und Kultur passen weiterhin nicht zur DNA.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Italien vor Rom: Etrusker, Samniten und die DNA, die alles veränderte
Italien vor Rom: Die DNA öffnet das etruskische Rätsel neu

Jahrhundertelang hat die Frage, woher die Etrusker kamen, Historiker, Archäologen und Laien gespalten. Herodot behauptete, sie waren Lyder, die vor einer Hungersnot geflohen waren; Dionysios von Halikarnassos hielt sie für autochthon. Eine in Science Advances veröffentlichte genetische Studie — durchgeführt von Teams aus Deutschland, Italien, den USA, Dänemark und Großbritannien — analysierte die kompletten Genome von 82 etruskischen Individuen und kam zu dem Schluss, dass sie genetisch dieselben Menschen sind, die die Region seit dem Neolithikum bewohnten. Ihre Kultur sah allerdings ganz anders aus.

Was die größte genetische Studie über die Etrusker sagt

Die Arbeit, die auf Proben zwischen 800 und 1 v. Chr. basiert, vertritt die Auffassung, dass es keine Massenmigration aus Anatolien gab. Die etruskische Bevölkerung teilt ihre Abstammung mit den benachbarten italischen Völkern. Unter den 48 Individuen aus dieser Zeit zeigt jedoch eines eine Herkunft aus Kleinasien. Ein einziger Fall. Für manche widerlegt das nicht die Legende einer militärischen Elite aus dem Osten: Die antiken Quellen sprechen von Kriegeraristokratien, nicht von Masseneinwanderungen.

Die Diskussion ist nicht neu. Jahrzehntelang verteidigte ein Teil der italienischen Archäologie im 20. Jahrhundert die autochthone Herkunft mit einem Eifer, der aus heutiger Sicht einiges an ideologischer Konstruktion hatte. Das Problem: Die Villanovakultur — als erste etruskische Stufe betrachtet — zeigt Kontinuität bei Siedlungen, Eisenverhüttung, schwarzer Keramik und Bestattungsurnen. Wenn sie von Anfang an dieselben waren, woher kommt dann eine Zivilisation, die die Leberschau, die Leber von Piacenza und eine mantische Religion ohne Beispiel im Mittelmeer hervorbrachte?

Warum die Etrusker keine Indogermanen waren

Die etruskische Sprache ist nicht indogermanisch. Das wussten wir. Was die Geschichte verkompliziert: Die Schrift hat pelasgische und anatolische Wurzeln, und die Umbrer, Nachbarn und Zeitgenossen, sprachen durchaus eine indogermanische Sprache. Wenn beide Völker Territorium und materielle Kultur teilten, verlangt der sprachliche Unterschied eine Erklärung, die die Genetik nicht liefert.

Manche verweisen auf die Lemnier: Auf der Insel Lemnos vor der anatolischen Küste wurde 1885 eine Stele gefunden, geschrieben in griechischer Schrift und in einer dem Etruskischen ähnlichen Sprache. Thukydides, der um 420 v. Chr. als athenischer Stratege in der Gegend war, hielt fest, dass auf der Chalkidischen Halbinsel noch Lemnisch gesprochen wurde. Er sprach nicht vom Hörensagen. Die tyrrhenische Verteilung — Etruskisch, Lemnisch, Rätisch — stützt sowohl eine maritime Expansion aus dem Osten als auch ein Vordringen über Land von den Alpen her.

Die Samniten: die großen Vergessenen des vorrömischen Italiens

Während sich die Aufmerksamkeit auf die Etrusker konzentriert, geraten die Samniten in den Hintergrund. Zu Unrecht. Pompeji war, bevor es die römische Stadt wurde, die alle kennen, eine samnitische Gründung des 6. Jahrhunderts v. Chr. In Kampanien gab es um 500 v. Chr. zwölf etruskische Städte, und Capua wurde von einer etruskischen Aristokratie regiert, bis ein Aufstand sie um 440 v. Chr. vertrieb. Die Episode erinnert verdächtig an die Vertreibung Tarquinius' des Stolzen und die Ausrufung der Republik in Rom.

Die Samniten sprachen Oskisch, verwandt mit dem Lateinischen, mit gemeinsamer Grammatik und Vokabular, wenn auch nicht gegenseitig verständlich. Auf Oskisch hieß Pompeji Pumpaii. Noch im Jahr 79 n. Chr., dem Jahr des Vesuv-Ausbruchs, verwendeten seine Einwohner das Oskische. Die Tafel von Abella und andere Inschriften bewahren diese Spur. Sie waren keine einfältigen Hirten aus den Bergen, so sehr die romzentrierte Erzählung sie auch als Statisten behandelte.

Rom als etruskische Erfindung, die ihre Herkunft verleugnete

Rom war weitgehend ein etruskisches Produkt. Seine ersten Könige waren Etrusker. Die Stadt selbst war nach manchen Thesen eine etruskische Gründung. Doch als die Etrusker alterten und verfielen, wurde alles Etruskische zum Synonym für Schurken und niederes Volk. Der römische Adel vergaß lieber, dass jeder eigene kulturelle Erfolg ein Erbe der verhassten Etrusker war. Deshalb überlebte das größte historische Werk über Etrurien nicht, geschrieben auf Griechisch vom Kaiser Claudius — verheiratet mit einer Etruskerin, wie im Material erwähnt. Sueton schreibt ihm acht Bücher Memoiren und eine Abhandlung über Würfelspiele zu. Das Etruskische wurde aus der Erzählung getilgt.



Genau hier klemmt die Sache. Die Genetik sagt, sie sind seit dem Neolithikum dieselben. Die Sprache sagt nein. Die Archäologie sagt, die Villanovakultur ist Kontinuität. Die antiken Quellen sagen, sie kamen aus Lydien. Und ein einzelnes Individuum von 48 mit DNA aus Kleinasien löst nichts, erlaubt aber auch nicht, den Fall zu schließen. Wer die endgültige Antwort hat, soll sie veröffentlichen. Bis dahin streiten wir weiter über Bestattungsurnen und Goldbleche.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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