Protestcamp an der Puerta del Sol: Erinnerungen an das 15M

Wohnungscamp an der Puerta del Sol in Madrid weckt Erinnerungen an das 15M und richtet sich gegen die PSOE, der man fast achteinhalb Jahre Regierung anrechnet.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Protestcamp an der Puerta del Sol: Erinnerungen an das 15M
Der Sol füllt sich wieder: Wohnungspreise als neue Fahne des 15M

Kann ein Protestcamp an der Puerta del Sol das 15M unter einem anderen Vorwand wiederbeleben? Genau das war an diesem Wochenende in Madrid zu sehen: eine Demonstration am Samstag um 18:30 Uhr vom Sol zum Kongress und eine Kundgebung am Sonntag um 12:00 Uhr, organisiert von der Federación Vecinal de Madrid (Nachbarschaftsverband Madrid) und dem Sindicato de Inquilinas (Mietergewerkschaft). Die Parole lautet nicht mehr „echte Demokratie jetzt“: Auf der Fahne steht nun der Wohnungspreis und die Ablehnung von Immobilienspekulation. Der Sol, wieder einmal, als Schaufenster.

Was wird im Camp am Sol gefordert?

Im Zentrum stehen das Recht auf Wohnung und ein Stopp der Immobilienspekulation. Der Protest verbindet die beiden Tage und zielt auf das Büro der madrilener Regionalpräsidentin. Auf der Straße mischen sich Rayo-Vallecano-Trikots, palästinensische Flaggen und linke Symbolik – eine Mischung, die die einen als Querschnittsbewegung lesen, die anderen als bloße Ansammlung von Unzufriedenheit. Manche kommen mit einer sehr konkreten Forderung, andere suchen eine Bühne. Ein Teil des Diskurses driftet zudem in Richtung Migration als angeblicher Belastung der Mieten – ein Argument, das mit keiner einzigen Zahl belegt wird.

Das erste 15M richtete sich nicht gegen die PP

Ein Blick in die Archive lohnt sich. Im Mai 2011 regierte die PSOE Spanien: José Luis Rodríguez Zapatero beendete seine zweite Legislatur, nachdem er 2010 ein hartes Spar- und Kürzungspaket durchgesetzt hatte. Die Bewegung startete eine Woche vor den Kommunal- und Regionalwahlen vom 22. Mai, als die PP noch in der Opposition war. Der Protest richtete sich also gegen die sozialistische Regierung, nicht gegen die kommende. Genau dieses Detail passt denen nicht, die das Camp an eine einzige Partei hängen wollen.

Achteinhalb Jahre – die umstrittene Zahl

Die Zahl, die kursiert, ist die Regierungszeit der PSOE im Moncloa-Palast: fast achteinhalb Jahre seit dem 1. Juni 2018, nach einer Rechnung, die in der Debatte die Runde macht und die nicht alle Teilnehmenden teilen. Mit diesem Datum auf dem Tisch richtet sich das Camp an eine Regionalpräsidentin – die von Madrid –, deren Partei in Spanien nicht regiert. Daraus ergibt sich der wechselseitige Vorwurf, jeder protestiere nur, wenn der andere regiere. Das Gedächtnis, sagen die Älteren, sei auf beiden Seiten selektiv.

Die Zahlen, die sich in den Streit einschleichen

Wo Zahlen auftauchen, sind nicht alle belegt. Ein Teilnehmender behauptet, 25–30 % der Zwangsräumungen in Spanien fänden in Katalonien statt, das 16 % der Bevölkerung stellt. Ein anderer erinnert daran, dass der Staat 2011 mit fast 100.000 Millionen Defizit abschloss, um den Ausbruch des 15M in seinen wirtschaftlichen Kontext zu stellen und nicht in einen bloßen Zykluswechsel. Das sind die wenigen quantitativen Anker einer Diskussion, in der Etiketten häufiger vorkommen als Daten.

Neue Bewegung oder verlängertes Wochenende? Nächste Woche sinken die Temperaturen, und es gibt ein paar Regentropfen. Protestcamps, das zeigt die Geschichte, vertragen Wasser nicht gut.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (64 Antworten).

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