Protestcamp am Sol in Madrid löst sich zur Vorbereitung des Streiks am 11. November auf
Das Camp am Sol in Madrid neigt sich dem Ende zu. Die Organisatoren haben die Auflösung des Protests angekündigt, um sich auf den für den 11. November ausgerufenen Generalstreik zu konzentrieren. Die Nachricht, zunächst von eldiario.es gemeldet, kommt zu einem Zeitpunkt, als das Lager kaum noch mediale Aufmerksamkeit erhielt und ein drohender Kälteeinbruch bevorstand. Der Abbau der Zelte verläuft langsam, wie aus der Erklärung von Acampada 26S hervorgeht, die den Umzug als einen Schritt bezeichnet, um sich in eine „soziale und Arbeiterbewegung“ zu verwandeln. Die Überschneidung mit dem Zugunglück, das in den letzten Tagen die Nachrichten beherrscht hat, hat die Aufmerksamkeit auf den Platz endgültig entzogen.
Warum löst sich das Camp am Sol jetzt auf?
Die Erklärung von Acampada 26S erwähnt weder die Kälte noch die fehlende Berichterstattung. Sie spricht von einem strategischen Rückzug. „Wir beginnen den sogenannten Umzug in die Stadtviertel, um uns in eine soziale und Arbeiterbewegung zu verwandeln“, heißt es in dem Text. Die offizielle Erklärung existiert neben einer weniger wohlwollenden Lesart: Das Camp stirbt aus, gerade als es aufhört, Nachricht zu sein. Der Zugunfall, der jedes andere Thema von der Agenda verdrängt hat, fiel mit der Ankündigung zusammen. Und der Wetterkalender hilft auch nicht: Nächste Woche wird es richtig kalt, so die Prognosen, mit denen die Teilnehmer selbst rechnen.
Der Abbau schreitet langsam voran. Es gibt keine Massenflucht. Die Zelte stehen noch, aber der Perimeter schrumpft. Das Gefühl auf dem Platz ist laut den Aussagen, dass dem Camp das Publikum ausgegangen ist. Wer vorbeikommt, tut es eher aus Neugier als aus Unterstützung. Der Satz, der die Stimmung zusammenfasst, lautet, die Leute hätten „nur noch über sie gelacht“.
Der Generalstreik am 11. November: Aufruf und erwartete Beteiligung
Der für den 11. November geplante Generalstreik wurde nicht von den Campern ausgerufen. Eingeladen haben die Gewerkschaften, wie aus dem Gespräch hervorgeht. Dieses Detail widerlegt die Vorstellung, das Camp sei der Motor des Protests gewesen. Wenn die Sol-Camper sich jetzt anschließen, dann als Nachzügler eines fremden Aufrufs. Und die Prognose zur Beteiligung, die auf der Straße kursiert, ist pessimistisch: Man erwartet eine minimale Zustimmung, nahe null, weil niemand einen Tag Lohn für eine Sache opfern will, die er als fremd empfindet.
Das am häufigsten wiederholte Argument ist elementare Logik: Wenn ein Streik darin besteht, die Arbeit niederzulegen, und keiner der Camper arbeitet, was genau wollen sie dann niederlegen? Die Frage, auf tausend Arten gestellt, schwebt über dem gesamten Aufruf. Manche bezeichnen den Streik schlicht als „Theater“ und prophezeien, dass der 11. November mit einer bescheidenen Demonstration, etwas Sachschaden und der Rückkehr zum Alltag enden wird. Andere gehen weiter und behaupten, die gesamte Abfolge —Camp, Streik, Wahlen— sei Teil eines einzigen Drehbuchs, das darauf abzielt, die Regierung zu schwächen und die Stimme anschließend zurück zum Regime von '78 zu lenken.
Das Profil der Camper: Arbeiterklasse oder Paradox?
Die Selbstbezeichnung als „Arbeiterklasse“-Bewegung hat für Empörung gesorgt. Der Widerspruch ist für viele offensichtlich: Wenn keiner von ihnen arbeitet, klingt das Label hohl. Es wird argumentiert, dass ein Teil der Teilnehmer aus begüterten Familien stammt und nach seiner rebellischen Phase sauber und mit gebügeltem Hemd nach Hause zurückkehrt. Ein anderer Teil, so heißt es, schmarotze bei den Eltern und vom Staat mit Kleinbeträgen. Das sind Verallgemeinerungen ohne Daten, aber sie kursieren mit Nachdruck.
Das soziologische Profil, das im Gespräch gezeichnet wird, ist das einer kleinen, lauten Gruppe, deren mediale Anziehungskraft umgekehrt proportional zu ihrer tatsächlichen Basis ist. Das Camp funktionierte, solange der mediale Zirkus stand. Als der Fokus sich verschob, war es vorbei. Der Satz, der diese Dynamik am besten trifft, lautet, sie seien „Lehrbuch-Attention-Whores“: Sie hätten im Gebirge campieren können, wählten aber den Platz im Zentrum von Madrid. Jede Publicity war gute Publicity, sogar Hohn. Bis auch der Hohn verschwand.
Die offizielle Erzählung nutzt sich ab, der Schatten der PSOE liegt über allem
Der Schatten politischer Manipulation schwebt über dem gesamten Gespräch. Manche behaupten, das Camp sei eine von der Macht geduldete Inszenierung gewesen und sein Abbau folge einer Anweisung aus Ferraz (Zentrale der spanischen sozialistischen Partei). Das Argument: Als der Protest keine Stimmen mehr brachte und sogar welche kostete —weil sich Rentner angesprochen fühlten—, kam der Befehl zum Abbau. Die Regierungsdelegierte soll den Campern nahegelegt haben, sie sollten „sich allmählich mit der Auflösung vertraut machen“, und diese seien gehorsam gewesen.
Die alternative Lesart ist prosaischer: Auch die PP, die in Madrid regiert, hatte kein Interesse an einer gewaltsamen Räumung. Bilder von Polizeieinsätzen gegen junge Menschen am Sol wären ein vergiftetes Geschenk für die Zentralregierung gewesen. Also ließ man es verrotten. Und es verrottete. Das Ergebnis ist, dass das Camp von selbst erlischt, ohne Märtyrer und ohne Schlagzeilen. Das einzige Bild, das bleibt, ist das von zusammengeklappten Zelten, während das Thermometer fällt.
Der 11. November rückt näher. Der Generalstreik, falls er stattfindet, wird etwas anderes messen: nicht die Stärke eines Camps, sondern die Fähigkeit der Gewerkschaften, echte Arbeiter zu mobilisieren. Die Camper kehren in die Stadtviertel zurück, sagen sie. Dort, ohne Kameras und Scheinwerfer, müssen sie beweisen, ob ihre „Verwandlung“ mehr ist als ein Rückzug mit Pressemitteilung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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