Portugal: Rechte gewinnt Wahl, Chega springt auf 20%

Die Rechte gewinnt in Portugal, und Chega steigt laut kursierenden Berechnungen auf rund 20 Prozent. Das Ergebnis öffnet die Debatte über ein Bündnis mit dem Rechtsextremismus neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Portugal: Rechte gewinnt Wahl, Chega springt auf 20%
Portugal: Rechte gewinnt Wahl, Chega springt auf 20%

Die Parlamentswahlen in Portugal haben der Rechten den Sieg beschert und Chega zu einem Ergebnis katapultiert, das laut einer kursierenden Berechnung bei rund 20 Prozent der Stimmen liegt. Die Partei, die vor wenigen Jahren noch als randständig galt, kommt auf 44 bis 54 Sitze, so dieselbe Berechnung. Die portugiesische Linke, mit einer Regierungs bilanz, die viele als vorbildlich betrachteten, verliert Boden an eine Partei, die die Unzufriedenheit über Einwanderung, Unsicherheit und Lebenshaltungskosten für sich nutzt.

Das Ergebnis ist kein Einzelfall. In Europa brechen rechtspopulistische Parteien Wahlhürden, die lange als unüberwindbar galten. Portugal, mit seiner katholisch-konservativen Tradition, aber auch einer Linken, die jahrelang regiert hat, wird zum jüngsten Glied einer Kette, zu der bereits Italien, Schweden und die Niederlande gehören. Die Frage, die über der Analyse schwebt: Steckt dahinter eine strukturelle Wende der Wählerschaft oder eine Strafstimme, die sich verflüchtigt, sobald die Linke wieder eine verheißungsvolle Erzählung anbietet?

Der Einwanderungsfaktor: von Lissabon bis Martim Moniz

Das Zentrum Lissabons ist zur sichtbaren Bühne eines demografischen Wandels geworden, den viele Wähler mit Unsicherheit und Identitätsverlust verbinden. Das Viertel Martim Moniz scheint laut kursierenden Berichten von Gemeinschaften aus Indien, Pakistan, Nepal und Bangladesch „buchstäblich übernommen". Die Wahrnehmung, dass unkontrollierte Einwanderung ganze Viertel verändert hat, beflügelt die Stimmen für Chega, das diesen Unmut ohne die Hemmungen auszunutzen weiß, die die traditionelle Rechte lähmen.

In Spanien hat das Phänomen sein Pendant in Vierteln wie Lavapiés in Madrid oder der Alhóndiga in Bilbao, wo sich die Migrantenbevölkerung rasant vergrößert hat. Der Unterschied: In Portugal gibt es keinen Territorialkonflikt, der Vox in Katalonien oder im Baskenland belastet. Chega muss sich weder mit dem Separatismus noch mit der Erinnerung an einen aggressiven Zentralismus auseinandersetzen. Das erlaubt der Partei, in einem breiteren Spektrum nach Stimmen zu fischen, von der Enttäuschung der Linken bis zum klassischen Konservatismus, der sich mit der Sozialistischen Partei nie wohl fühlte.

Warum schlägt Chega Vox?

Der Vergleich mit Vox liegt nahe. Chega hat bei einer Parlamentswahl 20 Prozent erreicht, während Vox in Spanien bei deutlich niedrigeren Werten bleibt. Der Schlüssel liegt laut übereinstimmenden Analysen im Kontext: Portugal hat keine Separatistenbewegungen, die die Stimmen der Rechten spalten, und keine Volkspartei, die um denselben Raum mit gleicher Effektivität konkurriert. Die portugiesische PSD, das Pendant zur spanischen PP, hat nicht gezögert, mit Chega zu flirten, oder es zumindest nicht kategorisch ausgeschlossen, während die PP in Spanien zwischen Bündnis und Ablehnung schwankt und ihre eigene Wählerschaft verunsichert.

Ein weiterer Faktor ist die Wirtschaft. Portugal hat eine Politik verfolgt, die viele für gescheitert halten: niedrige Löhne, Prekarität, hohe Steuerlast. Die portugiesische Linke, die sich rühmte, das Land mit Sparprogrammen und Rettungspaketen aus der Krise geführt zu haben, hat den makroökonomischen Aufschwung nicht in Wohlstand für die Arbeiterklasse übersetzt. Chega hat diese Wut mit einer direkten, umschweifelosen Sprache eingesammelt, die bei Wählern ankommt, die sich von den Systemparteien im Stich gelassen fühlen.

Der Sondereffekt für Spanien

In Spanien wird das portugiesische Ergebnis als Warnung gelesen. Wenn in Portugal, mit einer gemäßigteren Linken und einem kleineren Land, die radikale Rechte durch die Decke geht, was sollte das hier verhindern? Die Antwort, die angeboten wird: Die spanische PP sei „so kleinlich wie kaum vorstellbar", und ihre Strategie, keine Bündnisse mit Vox einzugehen, verschenke Stimmen an die PSOE. Die portugiesische Rechte dagegen hat verstanden, dass ein Pakt mit Chega keine Todsünde ist, sondern ein Weg zur Regierungsfähigkeit.

Die spanische Linke betrachtet das Ergebnis unterdessen mit Sorge. Wenn sich das politische Pendel in Europa dreht, wird Spanien keine Ausnahme sein. Die nächsten Europawahlen werden ein Test sein. Und die PSOE, die ihre Erzählung auf der Bedrohung durch den Rechtsensrecht aufgebaut hat, könnte feststellen, dass diese Erzählung nicht mehr mobilisiert: Die Leute sind es leid, mit Einwanderung konfrontiert zu werden, mit Unsicherheit zu leben und zu hören, dass alles gut läuft, während sich ihr Viertel verändert.



Die Analyse bleibt an einem Punkt hängen: Es gibt keinen Konsens darüber, ob die Wende konjunkturell oder strukturell ist. Die Daten aus Portugal sprechen für Letzteres. Aber die Politik hat unerwartete Wendungen. Was heute unaufhaltsam erscheint, kann sich verflüchtigen, wenn die Linke eine Erzählung findet, die verbindet. Im Moment feiert Chega, und die traditionelle portugiesische Rechte reibt sich die Hände. In Spanien blickt Vox mit Neid und die PP mit Unruhe auf den Nachbarn. Das Pendel bewegt sich. Und niemand weiß, wo es zum Stehen kommt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (99 Antworten).

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